Auf Radiomacher warten Herausforderungen: Mediaplanung wird immer komplexer, mobile Zielgruppen müssen erreicht werden

In Österreich setzt man auf bewährte und neue Rezepte, um für die Zukunft gerüstet zu sein. „Radio zu produzieren ist ja im Grundsatz sehr simpel oder anders gesagt: Radio war seit jeher und ist unverändert ein sehr smartes Medium“, erzählt Ö3-Senderchef Georg Spatt. Das mache Radio zu einem Innovationstreiber, zu einer offenen Plattform, die für schnelle Ideen und Experimente ideal geeignet sei: „Technologisch und inhaltlich sind wir Radiomacher in dieser Disziplin seit Jahren in einem positiven Wettstreit vor allem mit den sozialen Medien, die ja als Geschäftszweck auch davon leben, quasi einen Livestream aus Information, Unterhaltung und Emotion zu produzieren. Und das ist ja seit Jahrzehnten das Erfolgsprinzip von Radio.“ Das kann auch Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda bestätigen: „Radio war und ist seit 100 Jahren eines der innovativsten Medien überhaupt. Aktuell sieht man dies wieder sehr gut bestätigt, wenn man die geradezu natürliche Expansion von Radio in die digitale bzw. Onlinewelt ansieht.“ Genau hier ortet der Privatradio-Chef die größte Herausforderung für Radio in den nächsten Jahren: „Die Mediennutzung digitalisiert und ’smartphonisiert‘ sich rasant. Zum einen muss Radio online und am Smartphone spielen, sieht sich aber dort enorm finanzstarken internationalen Playern, vor allem internationalen Streamingdiensten, gegenüber. Hier muss Radio seine Identität als Radio bewahren, zugleich aber funktionell auf Augenhöhe und in gleicher Qualität mit diesen internationalen Playern agieren.“ Gefahr der Verdrängung. Die gute Kombinierbarkeit und Zusammenarbeit von neuen Medien und dem Medium Radio liegt für den Ö3-Chef auf der Hand, aber: „In dieser nahen Verwandtschaft – mittlerweile ja selbst im Vertrieb über Mobile Devices – liegt natürlich auch die Gefahr der Verdrängung für uns Radiomacher.“Soll heißen: Der Trend, das Programm immer mehr auf die Basisfunktion als Musikabspielstation zu reduzieren und sein Glück mit (mehr oder weniger gelungenen) Me-too-Angeboten im Netz zu suchen, wird gegen eine übermächtige Konkurrenz zu einem bösen Erwachen führen, ist Spatt überzeugt: „Wer bitte braucht den dreißigsten Musikstreaming-Anbieter und den vierzigsten FB-Stream mit auswechselbaren Sprüchen zum Tag?“ DieseTechnologiehörigkeit habe mitunter dazu geführt, dass viele Anbieteres vernachlässigt haben, ihrem Produkt und ihrer Marke ein eindeutiges und für den Nutzer erkennbares und unmissverständliches Profil zu geben, erläutert Spatt den Weg für Ö3: „Innovation kommt über Inhalt, Ideen und Persönlichkeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass Medienkonsumenten ebenso wie Werbetreibende langfristig ausschließlich an Medien Interesse haben werden, deren Position und Marke für Interesse, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit stehen.“ Damit wäre für Spatt der Kreis zum Innovationspotenzial von Radio (freilich im Speziellen für Ö3) geschlossen. Social Media als Radiofunktion. An Weiterentwicklung glaubt natürlich auch Kronehit-Geschäftsführer Swoboda: „Radio hat schon immer eine enge Bindung zu seinen Hörern und Hörerinnen ausgemacht, diese enge Bindung – heute Community genannt – erfolgt immer stärker über Social Media.“ Damit sei Social Media zu einer ganz wesentlichen Funktion von Radio geworden, so Swoboda weiter, und damit sei jede Innovation im Bereich Social Media auch und gerade für Radio relevant und bestimmt die Verbindung mit den Hörerinnen und Hörern mit. Autor: Erika Hofbauer
Georg Spatt, Ö3
 
Ernst Swobida, Kronehit