Die Zukunftsfähigkeit von Radio liegt im Übertragungsweg, lautet eine Theorie. In Österreich will man differenzieren

Künftig soll es nur noch zwei Übertragungswege geben, nämlich DAB+ und IP-Radio. Das war zumindest beim Radiogipfel vergangenen Herbst in München Thema. Radiomacher, allen voran der ORF, sehen aber die Zukunft tatsächlich eher bei IP. Denn das Motto lautet: Die Übertragungstechnologie ist den Hörern egal, Hauptsache, der Sender ist überall erreichbar. So ähnlich sieht dies auch Ernst Swoboda, Kronehit-Chef und Vorstand des Verbandes Österreichischer Privatsender (VÖP): „Freilich ist dem Hörer der technische Übertragungsweg wurscht – wesentlich ist, dass das gewünschte Programm möglichst einfach, ohne irgendwelche Hindernisse und Erschwernisse und ohne zusätzliche Kosten konsumiert werden kann.“ Genau das wäre bei DAB+ aber das Kernproblem, erläutert Swoboda: „Viele der Funktionalitäten, die online geboten werden können, kann DAB+ nicht bieten. Insbesondere fehlen z. B. der Rückkanal und damit die Interaktionsmöglichkeit. Warum also sollte man sich neue DAB-Geräte kaufen?“ Dennoch mache DAB+ als Regelbetrieb Sinn, wenn man es mit einer klugen regulatorischen Planung zur Stärkung des dualen Rundfunks einsetzt, so der Kronehit-Chef weiter: „Indem man die ganz oder fast werbefreien Radioprogramme des ORF – Ö1, FM4 – mit einer längeren Übergangsfrist in DAB+ transferiert und die dadurch frei werdenden UKW-Übertragungskapazitäten an private Betreiber vergibt.“ Vernünftig sei für Swoboda aber auch, gesetzlich vorzusehen, dass ab einem bestimmten Stichtag Radiogeräte und auch Smartphones nur verkauft werden dürfen, wenn sie auch DAB+-Empfänger integrierthaben: „Das würde eine automatische Verbreitung der Empfangsgeräte für DAB+ bedeuten, die dann irgendwann in weiterer Zukunft für das terrestrische Backbone einen Wechsel auf das dann billigere Verbreitungssystem DAB+ ermöglichenkönnte. Sofern bis dahin nicht ohnehin die Broadcast-Technologie in LTE terrestrische Digitalität überflüssig gemacht haben sollte.“ Existenzielle Fragen. Ein ähnliches Zukunftsszenario erkennt auch Ö3-Senderchef Georg Spatt: „Selbstverständlich sind Vertrieb und Technologie existenzielle Fragen der Radiozukunft, und aktuell spricht aus meiner Sicht eigentlich (fast) allesfür IP. Punkt.“ Aber die Liste mit den Argumenten pro und kontra DAB+ bzw. IP ist lang bekannt und je nach Interessenslage verschieden zu bewerten, glaubt Spatt: „Ganz ehrlich, für alle Radiostationen, die sich schon jetzt nur durch den Vertriebsweg von ihren Konkurrenzangeboten im Netz unterscheiden, schaut es so oder so traurig aus. Als Programmchef mach‘ ich mir daher weniger Gedanken, über welche Distribution wir unser Publikum erreichen werden, als womit wir uns auch in Zukunft unverwechselbar präsentieren und positionieren.“ Daher werde er den Fokus ganzstark auf die Schaffung eigenen Contents legen: „Aufmerksamkeit, Unverwechselbarkeit, Nützlichkeit und Glaubwürdigkeit sind wesentliche Merkmale. Wer seine Hörer im Wettstreit mit UKW-, DAB+- oder anderen IP-Angeboten erfolgreich erreichen will, braucht schlicht die besseren Ideen und die bessere Qualität.“ Es mag zwar nicht „sexy“ sein, so Spatt weiter, aber fragt man im Wettbewerb nach, wird klar, was wichtig ist: Glaubwürdige Nachrichten, Moderatorinnen und Moderatoren, die man mag, eine abwechslungsreiche Playlist und Sendungen, die deutlich machen, wie wichtig eine österreichische Community ist. Autor: Erika Hofbauer