Mittwoch, 12.00 Uhr. Der MedienManager ist druckfertig. Alle relevanten Nachrichten wurden gesammelt und aufbereitet, Branchengrößen befragt, der Radioschwerpunkt gesetzt – da macht eine unglaubliche Nachricht die Runde. Die frisch angelobte türkis-blaue Regierung soll eine Schließung, ein wortwörtliches Abdrehen des ORF-Jugendsenders FM4 andenken, zwitschert Florian Klenk vom Falter. Der Aufschrei folgt auf dem Fuße. Mehrere Petionen machen innerhalb von Stunden die Runde, in den Sozialen Medien wird lautstarker Protest geäußert. Im Zuge der trumpschen Medienbehandlung – inklusive Fake News Awards für New York Times-Journalisten – schrillen die Alarmglocken schneller und lauter, wenn ein solches Gerücht nach Antritt einer rechtsgerichteten Regierung aufkommt. Das allzu leise Abwiegeln seitens des Medienministers Blümel kann die Befürchtungen keineswegs kalmieren. Seit 23 Jahren macht FM4 aufklärerisches Programm, das wohl bei manchem konservativem Hörer als Gegenkultur ankommt. Wie auch immer sich die etablierten Stimmen von Martin Blumenau bis Elisabeth Scharang politisch einordnen lassen, eines kann man ihnen gewiss nicht vorwerfen: eine Nichterfüllung des Bildungsauftrags. Genau darum soll es aber bei jenem außerordentlichen Lenkungsausschuß am Küniglberg gegangen sein. Als die Umsiedelung des Senders ins ORF-Hauptquartier und damit der Einbau der Studios für FM4 besprochen wurde, kam die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Unternehmens auf, da die Regierung die Einstellung des Senders doch schon für 2019 angedacht hätte. Offizielle Begründung laut den klenkschen Informationen: Nichterfüllung des Bildungsauftrags. Nichterfüllung des Bildungsauftrags! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Moderationen auf Englisch zu wichtigen zeitgeschichtlichen Themen, Musikredaktionen, die regelmäßig mit den wichtigsten Journalistenpreisen des Landes für ihre öffentlich-rechtlich wertvolle Arbeit ausgezeichnet werden und dann dieser Vorwurf? Es bleibt nichts als Kopfschütteln angesichts diese einfallslosen Argumentationstaktik. Unter den Teilnehmern jenes Lenkungsausschusses sollen unter anderen Alexander Wrabetz, Pius Strobl und Monika Eigensperger, Radiodirektorin des ORF und seit 1996 Senderchefin von FM4 gewesen sein. Wer Eigensperger live erlebt hat, weiß: diese Frau macht keine Gefangenen. Seit 1980 beim ORF, hat die charakterstarke Radiolady beste Verbindungen im ganzen Konzern und wird von diesen, soweit das möglich ist, Gebrauch machen, um FM4 vor dem Verschwinden zu bewahren. Nicht erst seit diesem Jahr wurde immer wieder von Parteien versucht, auf kritische Berichterstattung Einfluss zu nehmen. Laut langjährigen Mitarbeitern hatte Eigensperger es immer mit viel Geschick und Elan verstanden, diese verhement abzuwehren. Bleibt zu hoffen, dass ihr das auch unter den neuen Vorzeichen gelingt. Nicht zuletzt liegt es auch bei uns, der Zivilgesellschaft und den Medienmachern für eine breite Medienvielfalt einzutreten. Denn eins ist sicher: FM4-Hörer hin oder her, im Leben geht es um mehr als Klicks und Likes und die verbreitete Auflage. Es geht hier auch um unsere Freiheit. Ihre Tatjana Lukáš