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Es war einmal … der Reuters Digital News Report 2018

Jedes Jahr aufs Neue bietet der Monat Juni ein Studienhighlight für die Medienfachmeute – pardon – Medienfachleute: den Reuters Digital News Report aus dem beschaulichen Städtchen Oxford. 74.000 Online-Befragungen in 37 Medienmärkten kombiniert mit qualitativer Forschung, da geht dem Menschen mit Hang zum Überblick das Herz auf. Und was wird uns da über das vergangene Jahr und den digitalen Wandel im Medienbusiness erzählt? Nun gut: Es war einmal eine Welt, in der es normal geworden war, dass sich alle jederzeit mitteilen und zeigen konnten. Zu Anfang erfreuten sich die Menschen an dieser Erfindung und lernten, ihre wichtigsten Emotionen und Entdeckungen miteinander zu teilen. Doch je mehr Zeit verging, desto öfter schlichen sich, an scheinbar geschützten Orten, Lügen in die öffentlichen Gespräche ein. Die Menschen, vom neuen Heilsversprechen vor den Kopf gestoßen, verloren das Vertrauen und suchten sich Gesinnungsheimaten, die sie durch ihre eigene Realität verifizieren konnten (= Das Vertrauen in Nachrichten stagniert weltweit, Facebook wird immer seltener als Nachrichtenkanal genutzt, „unabhängige“ Nachrichtenseiten florieren). Obwohl die Mehrheit der Menschen sich betrogen fühlte (= nur mehr 41 Prozent vertrauen ihren Nachrichten), waren sie schon so abhängig von dem eng gesponnen Netz, dass sie nicht mehr davon lassen konnten. Inzwischen hatte die anfängliche Neugier eine Gewohnheit geprägt, und wenn Wissensdurst oder Langeweile sie plagten, dann schlossen sie sich instinktiv mit ausgesuchten Anderen kurz. Kein Wunder, dass immer öfter Gedrucktes ungelesen liegenblieb und die Mattscheibe sich nach den alten Zeiten als Lagerfeuer der Familie sehnte (= TV und Print haben 4-12 Prozent an Relevanz verloren). Das Netz zog die Menschen magisch in seinen Bann, und so saßen sie zunehmend vor ihren eigenen kleinen Feuerstellen. Um ihre medialen Gewohnheiten an die neuen Herausforderungen anzupassen, begannen sie, immer öfter kleine Geldbeträge an die Leuchttürme ihres Vertrauens zu schicken, deren erhellende Betrachtungen beim Verständnis einer schwer zu durchschaubaren Welt halfen. Gleichzeitig verbannten sie vermehrt Konsumbotschaften aus ihrem Blickfeld, um im Fluss der Information ungestört baden zu können (= Die Zahlbereitschaft für Onlinemedien mit 8,5 Prozent und die Adblocker-Nutzung mit 31 Prozent befinden sich im Steigen). Es war das Jahr, in dem der Sog des Netzes volle Fahrt aufgenommen hatte, das Jahr, in dem es mehr denn je separierte verband und die Gedanken und Meinungen der Menschen mit ungekannter Geschwindigkeit vorantrieb. Alles neu, alles wichtig, alles ich! Wir sind nun beim Cliffhanger angelangt, denn noch wissen wir nicht, wie die Geschichte weitergehen wird. Wird Qualitätsjournalismus den Siegeszug des letzten Jahres weiterführen können? Wie werden sich DSGVO, e-Privacy und Leistungsschutzrecht auf das Medienmachen auswirken? Und last, but not least: Werden Medien einen Ausweg aus dem Adblocker- Tal finden? Bis jetzt ist nur eines sicher: Bereits nächstes Jahr beglückt uns das Reuters- Team mit Sicherheit mit einer Fortsetzung. Wir harren gespannt der kommenden Entwicklungen! Ihre Tatjana Lukáš