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Gerald Watzal, V&D Medientechnik

Die Digitalisierung oder auch zunehmend die Auslagerungen von Aufträgen ins Ausland erschweren für so manche Druckerei den Arbeitsalltag. Mit kreativen Ansätzen will man beim Kunden punkten.

Wie in vielen Branchen, die sich im Umbruch befinden, gibt es auch in der Druckbranche auf der einen Seite Gewinner und auf der anderen Seite Unternehmen, die sich mit der Dynamik schwertun. So lautet eine erste Analyse von Gerald Watzal. Er ist Geschäftsführer der Salzburger Druckerei offset5020 und Präsident des Verbandes Druck & Medientechnik: „Ein Blick auf die Branche zeigt ein sehr heterogenes Bild. Der Erfolg einer Druckerei hängt heute sehr stark davon ab, wie sie mit diesem Umbruch der Branche umgeht, wo sie ihren Standort hat, wie groß sie ist, welches Produktportfolio sie anbietet und wie sie es schafft, ihren Mehrwert bei bestehenden und potenziellen Kunden herauszustreichen.“ Erschwerend komme jedoch hinzu, dass die durchschnittlichen Lohnkosten in österreichischen Druckereien im Vergleich zum angrenzenden Ausland um einiges höher sind, was den internationalen Wettbewerb nicht gerade erleichtert. Heuer haben sich laut Watzal vor allem drei Kernthemen herauskristalisiert, die für seine Mitglieder besonders herausfordernd waren: „Der Fachkräftemangel, die Papierknappheit mit einhergehenden Preissteigerungen und auch die vielzitierte Digitalisierung. Wie wir aus einer internen Umfrage aus dem Frühjahr wissen, suchen rund  60 Prozent unserer Mitglieder Fachkräfte, besonders gefragt sind Lehrlinge  und Facharbeiter im Bereich Druck und auch in der Endfertigung.“ Ein weiteres Thema, das die Branche derzeit fordert, ist die Verteuerung und Verknappung des Rohstoffes Papier. Gründe dafür sind, dass die Zellstoffpreise in den letzten Monaten sehr angezogen haben und die europäische Papierindustrie in den letzten Jahren Kapazitäten bei grafischen Papieren abgebaut hat. Watzal: „Der interne Aufwand für den Papiereinkauf in den Druckereien hat dadurch enorm zugenommen, und die gestiegenen Rohstoffpreise können zu leichten Preissteigerungen führen.“ Bei all diesen Themen versuche man hier als Verband, intern und extern Bewusstsein zu schaffen sowie Lösungsansätze – z. B. mit Best-Practise-Beispielen oder Veranstaltungen rund um diese Schwerpunkte – aufzuzeigen.

Kunden gewinnen. Mit kreativen Ansätzen – seien es organisatorische Prozesse, technologische Innovationen oder neue Leistungen – versuchen österreichische Druckereien, ihren Kunden Mehrwert zu bieten. Wobei man auch hier differenzieren müsse, weiß der Verbandspräsident: „Die Kunden von heute wollen entweder günstig einkaufen oder sind bereit, mehr zu zahlen, wenn Service und Produkt einen Mehrwert bringen.“ Geht es um günstige Standardprodukte, so sind kurze Bestell und Druckprozesse und Web2Print-Lösungen Themen, mit denen die Druckereien punkten. Im High- End-Bereich hingegen liegt die Innovation einerseits bei den Bedruckstoffen und Veredelungsmöglichkeiten und andererseits beim Service, erläutert Watzal, „Druckereien überzeugen hier mit Kreativität und dem Alles-aus-einer-Hand-Gedanken. Indem sie immer mehr Teile der Wertschöpfungskette abdecken, werden sie zu wichtigen Beratern, nicht nur wenn es um Druck, sondern auch um Kreation und Logistik geht“, ist der Druckerei- Experte überzeugt.

Blick in die Zukunft. Bei den Medienhäusern und Verlagen ist die Verknüpfung von Print mit Digital ein wichtiger Aspekt für Innovation. „Technologisch wird der Digitaldruck immer stärker und liefert neue Möglichkeiten bei Personalisierungen und Kleinserien“, so Watzal. Der altbewährte Offsetdruck erreiche durch Kombination mit Veredelungstechniken wie Prägungen, Folierungen, Kaschierungen usw. wieder neue Zielgruppen. Blickt er in die Zukunft, sieht er die Frage der strategischen Positionierung als eine wesentliche an: „Bin ich Preisführer, Technologieführer oder einfach der beste Berater? Was biete ich als Druckerei, und wen wünsche ich mir als Kunden?“ Daher werden seiner Meinung nach persönliche Kundenbeziehungen in der heutigen digitalen Welt wieder zunehmen. „Wie ein Chef eines unserer Mitgliedsunternehmen erst unlängst sagte: Meine Kunden wollen keine Nummer sein.“ Die Auftraggeber möchten wieder öfter beim Entstehungsprozess mit dabei sein und die Menschen und Abläufe kennen. Watzal: „Das ist eine wunderbare Chance, sich als Druckerei zu positionieren und sich von der anonymen Digitaldruckerei abzuheben. Preisfeilschen tritt so schnell in den Hintergrund, und Druckereien können die Trumpfkarte ‚Regionalität‘ ausspielen.“ Denn Aspekte wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und interessanter Arbeitgeber in der Region sind für immer mehr Printbuyer nicht unwesentlich …

Druckereibranche in Zahlen

Die österreichische Druckbranche beschäftigte 2017 in 181 Betrieben (über 20 MA) rund 8.000 Beschäftigte und machte damit 1,6 Mrd. Euro Umsatz.

Autor: Erika Hofbauer