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Hugo Portisch wird 85

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Hugo Portisch ist der wohl bedeutendste Journalist der Zweiten Republik. Am Sonntag, den 19. Februar, feiert der vielfach ausgezeichnete Grand Senior des Journalismus und "Geschichtslehrer der Nation" seinen 85. Geburtstag.

Der breiten Öffentlichkeit ist er als Chef-Kommentator des ORF-Fernsehens bekannt geworden. Wie kein Zweiter beherrscht Portisch die Kunst, komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären, Wissen mit großer Kompetenz aber ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Die ausladende Gestik, mit der er stets seine Analysen unterstrich, wurde zum Markenzeichen. Zwei Generationen haben von Portisch gelernt, Zeitgeschichte zu verstehen und Ereignisse rund um den Globus zu bewerten.

Unumgänglich sind in dem Zusammenhang seine Fernsehserien "Österreich II" und "Österreich I", mit denen der Journalist zur Inkarnation eines kollektiven österreichischen Geschichtsbewusstseins wurde. Im Jahr 2005 lieferte er mit der vierteiligen Reihe "Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte", ein "spätes Meisterstück öffentlich-rechtlicher TV-Kultur", so der ORF. Unvergessen sind auch - vor allem in den Sechziger- und Siebziger-Jahren, als Berichte aus fernen Ländern noch selten waren - seine außenpolitischen Reihen "So sah ich ...", die ihn von Afrika nach Vietnam, von London bis Peking führten.

"Ein großer Held der Gegenwart"

Der passionierte Schwammerlsucher gilt als Sympathieträger der Nation. Zwei Mal wurde ihm das Amt des Bundespräsidenten angetragen - beide Male lehnte er dankend ab, was ihn in der Wertschätzung seiner Kollegen nur steigen ließ. "profil"-Herausgeber Christian Rainer bezeichnete ihn im "Kurier" als einen "der großen Helden auch meiner Gegenwart". Für "Falter"-Chef Armin Thurnher zählt Portisch "zur besseren Linie des österreichischen Journalismus" und "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker ist fasziniert, dass sich Portisch "erfolgreich gegen alle Vereinnahmungsversuche der Politik gewehrt" hat.

Der am 19. Februar 1927 in Preßburg geborene Hugo Portisch studierte in Rekordzeit Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik. Bereits 1948 begann er als Redaktionsaspirant der "Wiener Tageszeitung", zwei Jahre später wurde er Leiter der Außenpolitik. Nach einer Zwischenstation als Leiter des Österreichischen Informationsdienstes in New York begleitete Portisch in einem kurzen, aber historisch bedeutsamen Zeitraum Bundeskanzler Julius Raab als Pressesprecher bei Staatsbesuchen in den USA.

1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur, als Stellvertreter in den neugegründeten "Kurier". Nach Dichands Abgang aus der damals größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur.

"Rasend effektiv und preiswert teuer"

Portisch war maßgeblicher Proponent des erfolgreichen Rundfunkvolksbegehrens, das in die Rundfunkreform unter Generalintendant Gerd Bacher mündete. 1967 wechselte Portisch als Chefkommentator in den ORF. Er wurde eines der Aushängeschilder der Bacher'schen Informationsoffensive. Gerd Bacher beschrieb ihn im "Kurier" unlängst als "Gentlemen", der "mit dem gängigen Journalistentyp wenig gemein" hat. Portisch sei "hartnäckig entschieden, kann führen und überzeugen, ist gebildet, rasend effektiv und preiswert teuer".

Am Ende der achtziger Jahre blickte Portisch - zusammen mit Henry Kissinger - in einer großen, in 32 Ländern ausgestrahlten Dokumentation auf den "Zweiten Weltkrieg" zurück. Anfang der Neunziger beschäftigte sich Portisch in einem Vierteiler ("Hört die Signale") mit Aufstieg und Fall des Sowjetkommunismus. Im Vorjahr legte er das Buch "Was jetzt" vor, in dem er sich der Lage Europas und der EU widmete und darin einen deutlich pro-europäischen Standpunkt einnahm und an das Gute am vielgeschmähten "Moloch in Brüssel" erinnerte.

Für seine Arbeit wurde Portisch u.a. mit dem Karl-Renner-Preis, dem Österreichischen Staatspreis, der Goldenen Kamera und dem Fernsehpreis "Romy" ausgezeichnet. Unter seinen zahlreichen Büchern befindet sich auch durchaus unpolitisches: 1989 verfasste er zusammen mit seiner Frau Gertraude den Band "Pilzesuchen - ein Vergnügen".