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Journalisten träumen von Interview mit Kim Jong-un

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Ein Exklusivinterview mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un hätten viele österreichische Journalisten gern in ihrem Terminkalender stehen. Das geht aus der aktuellen Umfrage "Journalisten-Barometer" hervor. Marketagent.com fand dabei unter anderem auch heraus, dass Journalisten grundsätzlich zufrieden mit ihrem Beruf sind und ihnen korrekte Berichterstattung ein großes Anliegen ist.

Marketagent.com führt diese Studie seit vielen Jahren durch. Rund 630 Journalisten aus Österreich und Deutschland nahmen für die nun präsentierte Ausgabe an der Online-Umfrage teil (Befragungszeitraum Dezember 2017). Allerdings ist das Panel nicht repräsentativ, da die Altersgruppe 50plus ebenso wie die Mediengattung Print überdurchschnittlich stark vertreten ist.

Das könnte nach Ansicht von Marketagent.com-Chef Thomas Schwabl auch einen gewissen Mangel an "Experimentierfreude" und Risikobereitschaft bei den Befragten erklären. So legte etwa die Mehrheit der Printjournalisten wenig Lust an den Tag, ihre angestammte Mediengattung zu verlassen. Auch, was eine "besonders spannende Destination für eine journalistische Tätigkeit" betrifft, stand den Teilnehmern der Sinn kaum nach Fernreisen: Deutschland landete auf Platz eins, die USA immerhin auf Rang zwei, der dritte Platz ging an Österreich. Ein Branchenwechsel - und damit einen Abschied vom Journalismus - können sich wenig überraschend Jüngere eher vorstellen als Personen über 60 Jahre.

Auf ein gewisses Sendungsbewusstsein der deutschen und österreichischen Journalisten deutet ein anderes Ergebnis hin: 33 Prozent haben als "größten Traum" in Verbindung mit ihrer Tätigkeit, mit ihrer Berichterstattung "etwas in Bewegung zu bringen, das Jahre später noch Menschen hilft". 22 Prozent wollen "mit meiner Berichterstattung die Menschen zum Umdenken bewegen". Zentrale Bedeutung des Journalistenberufs ist indes für 47 Prozent, "Informationen neutral der Öffentlichkeit zu präsentieren".

Konkrete Antworten gefragt

Nach Kim Jong-un führen Queen Elizabeth II. und Angela Merkel die Hitliste der Wunsch-Interviewpartner an. Sollte es damit klappen, sollten sie tunlichst konkrete Sager parat haben: Denn nichts finden Journalisten mühsamer, als ausweichende oder gar keine Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Und das Horrorszenario fürs eigene Tun? "Aufgrund mangelnder Recherche falsche Berichterstattung zu betreiben" gilt für mehr als die Hälfte als größtes No-Go. Die Vorstellung, "nicht exklusiv zu berichten", quält dafür nur 0,9 Prozent.

Über 80 Prozent der Umfrageteilnehmer würden den Journalistenberuf auch aus heutiger Sicht wieder ergreifen, was auf grundsätzliche Zufriedenheit mit der Profession und Branche schließen lässt. Im Vergleich zu 2015 (knapp 70 Prozent) ist das auch ein deutlicher Anstieg. Schwabl vermutet, dass dies mit den aktuell "turbulenten Zeiten" zu tun haben könnte. Als "Um und Auf" für den Beruf betrachtet jeder Zweite "Neugierde und Wissensdurst" sowie "gute sprachliche Ausdrucksfähigkeit". "Talent", "Teamfähigkeit" oder "ein gutes Aussehen" dagegen wurden nur von wenigen genannt.