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Konservativer Heißhunger auf US-Medien

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"Fake News" - Donald Trump hat diesen Begriff zum weltweit benutzten Synonym gemacht für angebliches mediales Fehlverhalten. Doch immer mehr erhärtet sich der Verdacht, dass der US-Präsident mehr vorhaben könnte, als nur seinem Ärger über angeblich unfaire Berichterstattung über seine eigene Person Luft zu machen. Die US-Medienlandschaft verschiebt sich hin zur Rechten. Und Trump könnte seine Macht nutzen, um dem bereits seit Jahren anhaltenden Trend vielleicht entscheidenden Anschub zu geben.

Im Hintergrund spinnen finanziell schwer potente und ideologisch völlig klar orientierte Männer die Fäden. Die jüngste Übernahme des New Yorker Traditionshauses Time Inc. durch die Verlagsgruppe Meredith aus Iowa wäre nicht möglich, hätten die Gebrüder Charles und David Koch nicht die Geldschatulle geöffnet und 650 Millionen Dollar (543,84 Mio. Euro) heraussprudeln lassen. Die Kochs beeilten sich mitteilen zu lassen, dass sie selbstverständlich keinerlei politische Ziele mit dem Investment verfolgten.

Meredith wird nun unter dem Einfluss der Kochs das Medienunternehmen in den USA sein, das die größte Reichweite überhaupt hat. Mit dem Magazin "Time", diversen Zeitschriften für Frauen und Familie, aber vor allem mit einem Netz lokaler Fernsehanstalten wird das Unternehmen dank des Geldes der Kochs 200 Millionen Amerikaner erreichen - mehr als jedes andere Konglomerat.

Charles und David Koch üben seit Jahrzehnten enormen Einfluss auf das politische Geschehen in den USA aus. Sie speisen Denkfabriken und Stiftungen. Ohne das Geld der Kochs könnten die konservativen Republikaner keine Wahlkämpfe bestreiten. Vizepräsident Mike Pence war als Gouverneur von Indiana direkter Profiteur der Großzügigkeit der Industrie-Milliardäre. Pence hatte seinen Heimatstaat geradezu zur Testregion für die Effizienz Kochscher Finanzzuwendungen gemacht.

Die Industriellen-Brüder haben rund um ihren politischen Arm "Americans for Prosperity" eine Infrastruktur aufgebaut, die fast einer eigenen Partei gleicht. Ihre Grundeinstellung ist streng konservativ und libertär - staatliches Handeln wird als notwendiges Übel gesehen, das freie Spiel der Marktkräfte ist ihr Credo. Als David Koch 1980 Vizepräsident auf dem Ticket der Libertären Partei werden wollte, trat er für die Abschaffung des FBI und der CIA genauso ein, wie für das Auflösen staatlicher Schulen und jeglicher staatlicher Sozialleistungen.

Jetzt, im Alter von 82 und 77 Jahren, greifen die Kochs direkt in der Medienbranche an. Eine "passive Investition" wie ihre Unternehmensgruppe Koch Industries, das zweitgrößte privat geführte Firmenimperium der USA, versichert. Der Journalist und Koch-Biograf Daniel Schulmann glaubt, dass die Kochs nie irgendetwas ohne Hintergedanken machen. "Sie versuchen immer, ihren Einfluss geltend zu machen, auf die eine oder die andere Art", sagte er dem Magazin "Politico".

Rennen vor allem um lokale TV-Sender

Der Fall Meredith und Time Inc. ist nur das jüngste - und bisher eindrücklichste - Beispiel für den Heißhunger der konservativen Szene in den USA auf Medienunternehmen. Es scheint ein Rennen vor allem um lokale TV-Sender entbrannt zu sein. Diese gelten bei den Amerikanern derzeit als das vertrauenswürdigste Medium. Das könnte sich als fataler Irrtum erweisen.

Mit Rupert Murdochs Fox News besetzt bereits ein stramm konservativer und dem Präsidenten Donald Trump in Treue ergebener Sender den Platz an der Sonne im landesweiten Nachrichtenfernsehen. Fox News erreicht mit teils skurril anmutender Berichterstattung mit Abstand die besten Einschaltquoten im Nachrichtensegment - seit Jahren.

Trump selbst schießt mit via Twitter abgefeuerten Verbalsalven gerade den Fox-Kontrahenten CNN sturmreif. Aus der anderen Richtung versucht das Justizministerium mit einer Wettbewerbsklage die Fusion des Telekommunikationsgiganten AT&T und Time Warner zu verhindern - mit juristisch teils waghalsigen und so noch nicht dagewesenen Argumentationen. Makan Delrahim, der für das Justizministerium den Dirigentenstab in der Sache in der Hand hält, war bisher Lobbyist, unter anderem für Telekommunikationsfirmen. Noch vier Wochen vor Trumps Wahl hat er erklärt, in der geplanten AT&T-Übernahme von Time Warner sehe er kein großes Wettbewerbsproblem.

Abspaltung von CNN angestrebt

Kritiker vermuten seit langem, dass die wahre Motivation der Wettbewerbshüter die Abspaltung des Trump-Feindbildes CNN von Time Warner sein könnte. Als Käufer soll angeblich schon das erzkonservative Konglomerat Sinclair bereitstehen - Eigner von bis zu 200 TV-Sendern im ganzen Land und - international kaum beachtet - größte Fernsehmacht der USA. Chef David Smith wird von Trump zum Dinner ins Weiße Haus eingeladen. Trumps Wahlkampfhelfer Boris Epsteyn arbeitet bei Sinclair als politischer Chefkommentator.

Das Konglomerat hat gerade die vier Milliarden Dollar schwere Übernahme der Tribune-Gruppe (u.a. "Chicago Tribune" bekanntgegeben, feilscht aber noch mit den Kartellbehörden. Durch erzwungene Abverkäufe vor Übernahmen kommt das Karussell in der Branche nur noch schneller in Gang.

Trump selbst hatte am Montag einen Wettbewerb für die aus seiner Sicht unehrlichste Medienberichterstattung über den Präsidenten vorgeschlagen, "über euren Lieblingspräsidenten (mich)", wie er sich ausdrückte. Zuvor hatte er die Meinung vertreten, dass CNN International ein schlechtes Bild von Amerika im Ausland zeichne. Ein neuer Inhaber könnte da sicherlich etwas machen.