NEWS

Privatradio: Feier mit alten Forderungen und neuen Fragen

zurück

Altbekannte Forderungen und neue Herausforderungen sind der Privatradiobranche zum offiziellen 20. "Geburtstag" überreicht worden. Corinna Drumm und Ernst Swoboda vom Privatsenderverband (VÖP) traten einmal mehr für Chancengleichheit ein. Tobias Schmid von der Landesmedienanstalt NRW verwies auf die Vielzahl an digitalen Angeboten, auf die es Antworten auch der Regulatoren brauche.

Der Verband Österreichischer Privatsender hatte zu einem hochkarätig besetzen und besuchten Festakt geladen, um das Jubiläum des Sendestarts für österreichischen privaten Hörfunk im April 1998 zu feiern. VÖP-Präsident Ernst Swoboda sah dabei "zwei Seiten der Medaille": "Freude und Stolz" empfinde er, wenn er auf die Errungenschaften der Sender blicke. Ein "bisschen frustrierend" findet er, dass es noch immer keinen echten dualen Radiomarkt gebe, sondern der ORF "noch immer dominiert". Dualer Rundfunk brauche "Augenhöhe", doch die "Luft ist dünn für Privatsender, da muss sich etwas ändern". Swoboda wünschte sich einen "Paradigmenwechsel weg von der Gegnerschaft, hin zu einem ORF, der sich als Partner der Privaten versteht".

"Kannibalismus" innerhalb der Branche

Das wünscht sich Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) auch, wie er gern betont. Der Öffentlich-rechtliche brauche ein "Rollenverständnis hin zum Ermöglicher", in diese Richtung gehe der Diskurs europaweit, sagte er . Allerdings müssten "auch die Privaten mitspielen", ortet er mitunter "Kannibalismus" innerhalb der Branche. Die Medienenquete im Juni solle einen "vorgelagerten sachlichen Diskurs" ermöglichen, in der Folge kündigte Blümel "Arbeitsgruppen" an, in denen die Vorarbeit für gesetzliche Änderungen passieren soll.

Eine internationale Perspektive steuerten Schmid als Direktor der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen und Stefan Möller, Präsident der Association of European Radios, bei. Letzterer sieht eine "Goldene Ära" auf das Überall-Medium Radio zukommen. "Radio ist heute in großartiger Form, es ist dabei, sich neu aufzustellen." 2018 werde ein "Goldenes Jahr" für Audio werden.

Schmid hatte am Anfang seiner launigen Keynote ebenfalls jede Menge guter Nachrichten für die versammelte Branche. Die Radionutzung sei laut Umfragen ungebrochen, Streams kämen zu 70 Prozent von etablierten Radiomarken. Doch "wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Wertschöpfungsmöglichkeiten grundsätzlich gleich bleiben. Es ist an der Zeit, intensiver darüber nachzudenken, wie man diesen Markt gemeinschaftlich nutzen kann". Die Veranstalter müssten "miteinander und nicht gegeneinander" agieren.

Amazon und Spotify drängen auf Audio-Markt

Denn die "Hauptkonkurrenz ist nicht nur der ORF oder nur der nächste private Sender", warnte Schmid: Internationale Anbieter wie Amazon oder Spotify drängten auf den Audio-Markt. Ergebnis sei eine "unheimliche Vielzahl an Angeboten". Hier sei die Ordnungspolitik ebenso gefragt. "Wie gewährleisten wir, dass all die Angebote, die Public Value erzeugen, noch gefunden werden? Die eigentliche Macht verschiebt sich zu den Plattformen", zu Spracherkennungsdiensten und Empfehlungsmaschinen.

Der europäische Mark sei höchst interessant für diese Player, diese müssten aber "nach unseren Regeln" arbeiten, forderte Schmid, auf diese Entwicklung nicht "verdruckst" und "wie das Kaninchen auf die Schlange zu kucken". Der "Schutz der Menschenwürde, der Vielfalt, der Jugend und der Unabhängigkeit" seien zentrale europäische Werte und müssten mit "ein bisschen mehr europäischen Selbstbewusstseins" auch von internationalen Giganten eingefordert werden.