Martin Zimper, ein Mann, der seine Finger bei vielen Radios im Spiel hatte, macht sich Gedanken über die Digitalisierung. „Die ,Digital Decade‘ (auch so nennt man die Nullerjahre) ist gerade zu Ende gegangen und so ziemlich alle Lebensbereiche sind digitalisiert worden", sinniert Zimper. „Nur das gute alte Radio nicht, das nun aufpassen muss, nicht zum veralteten Radio zu werden." Die EU habe zwar beschlossen, fährt Zimper fort, „nach den TV-Frequenzen auch die Radiofrequenzen zu digitalisieren, aber den entscheidenden nächsten Schritt hat man nicht gewagt." Es fehlen verbindliche Termine der Einführung und eine politische Vorentscheidung für das technische System. Beides wäre verlangt, meint Zimper. Und beides sei letztlich beim Medium Fernsehen auch politisch entschieden worden. Zimper skizziert ein Szenario des Wartens: Bisher warteten die Privatradios auf die öffentlich-rechtlichen. Diese warteten auf die Autoindustrie. Die wiederum warteten auf Chiphersteller wie Texas Instruments. Alle warteten und nichts geschah. Nur in Grossbritannien plant man den „digital switch over" im Jahr 2015 – eine Jahreszahl, die auch in Österreich möglich wäre. „Digitalradio muss mit einer radikalen politischen Entscheidung eingeführt werden", fordert Zimper. Und die heißt: Abschaltung der analogen Frequenzen innerhalb eines Jahres nach Einführung der digitalen Frequenzen. So ähnlich sei dies auch in England geplant. Das alleinige Argument dürfe aber nicht die bessere Tonqualität des Signals sein. Zimper: „Aus Sicht des Hörers ist eine Vermehrung des Programmangebots das wesentliche Argument für die digitale Technik. An den meisten österreichischen Standorten müsste sich die Anzahl an Radiostationen verdoppeln." Lokale Stationen fühlen sich gefährdet, tatsächlich könnte man ihnen aber eine höhere technische Reichweite zuweisen. „Wer könnte dagegen etwas haben?", fragt Zimper. „In Österreich wird Digitalradio wohl erst dann eingeführt werden, wenn Vorgaben der EU die Republik dazu zwingen", argwöhnt Zimper. Aber im Bereich der elektronischen Medien sei es auch in den letzten 20 Jahren so gewesen, dass Veränderungen durch die EU sanft erzwungen worden seien. Sein Resümee: Die Verleger und der ORF teilen sich den Markt auf und wollen – gemeinsam mit der Regierungsparteien – keinen „Wind of Change".