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Die Auslagerung von Redakteuren im Vorarlberger Medienhaus macht den Verhandlern um einen neuen Tageszeitungsjournalisten-Kollektivvertrag Druck. Zwei Personen aus der Bezirksredaktion der Vorarlberger Nachrichten wurden im Februar in der VOL Live GmbH angestellt. „Sie befüllen die neuen Gemeindeportale und daraus die wöchentlichen Bezirksbeilagen“, erklärt VN-Chefredakteur Christian Ortner den Teilbetriebsübergang aus dem geänderten Arbeitsmodus. Einbußen beim laufenden Einkommen entstünden den Redakteuren keine: „Sie verdienen jetzt nicht weniger als früher. Aber wir wollen vom Senioritätsprinzip wegkommen, weil wir nicht glauben, dass sich Qualität über Quinquennien zeigt.“ Deswegen werde es auch weitere Auslagerungen geben, die Gehälter dürften nicht davongaloppieren.
Strukturmaßnahmen infolge geänderter Unternehmensstrategie stehen aktuell auch beim WirtschaftsBlatt im Raum. Die Ausgliederungspläne waren Ende vergangenen Jahres zwar hinter die Neuorganisation zurückgestellt worden, jetzt aber liegt mit dem kostenpflichtigen Online-Abo ein erstes sichtbares strategisches Ergebnis vor. Im November hatte WirtschaftsBlatt-Vorstand Hans Gasser seine Bereitschaft unterstrichen, „den neuen Medien-KV anzuwenden, wenn er keine wesentliche Verschlechterung gegenüber dem von uns avisierten Gewerbe-Kollektivvertrag bedeutet“. Mit anderen Worten, wie das Kind heißt, ist nicht so wichtig wie der Umstand, dass es in die Medienfamilie passt. Und die folgt heute nicht mehr dem klassischen, sondern dem Patchwork- Modell.
Die Mischung macht’s. Wie Journalismus infolge der geänderten Mediennutzung leistbar bleibt, das ist die Frage, die letztlich hinter allen Strukturund KV-Diskussionen steckt. „Jedes Verlagshaus muss sich eine digitale Strategie überlegen, weil die Bedeutung der Printmedien tendenziell zurückgehen wird“, bringt es Kurier-Chefreakteur Christoph Kotanko auf den Punkt. Im Vorarlberger Medienhaus heißt diese Strategie Hintergrund versus Überblick. „Online ist das perfekte Hinterg rundmedium, während wir in der Zeitung in Richtung Überblicksmedium gehen“, berichtet Chefredakteur Ortner. In Print müsse stehen, was der Leser in 20 bis 40 Minuten erfassen könne, außerdem nicht nur Information, sondern verstärkt auch Meinung. Die Arbeitsteilung Print-Online müsse man aber nicht auf die juristische Ebene heben. „Bei uns ist es selbstverständlich, dass Printredakteure ihre Geschichten auch online zur Vefügung stellen.“ Und umgekehrt. „Wenn wir etwas in der Zeitung nicht exklusiv halten können, dann geht es zuerst online.“ Man wolle im Vorarlberger Medienhaus aber nicht jeden Print- zum Online-Journalisten machen und die grundsätzliche Trennung der Redaktionen aufrechterhalten. „Wir brauchen eigenständige Inhalte im Internet, deshalb haben wir 2007 die VOL live gegründet.“
Die Guten haben Bestand. Insgesamt wolle man die Journalistenanzahl halten. Auch beim Kurier: In den Printredaktionen gehen langfristig Arbeitsplätze verloren, bei Online und mobilen Plattformen wird es mehr Jobs geben. „Gute Journalisten finden Arbeit“, versichert Chefredakteur Kotanko.
Was „gute Journalisten“ – zumindest in Print – sind, umreißt Gerald Mandlbauer, Chefredakteur der Oberösterreichischen Nachrichten: „Journalisten, die sich nicht abwimmeln lassen, die giftig sind, die auch in Kauf nehmen, dass eine Geschichte, für die aufwändig recherchiert worden ist, eben nicht aufgeht.“ Freilich: „Das alles kostet Geld.“ Nicht bundesweite Zeitungen müssten außerdem auf den Lokalzug aufspringen. Ein „Überlebensprinzip“ für Mandlbauer, das einen allerdings vor „das Problem des größeren Bildbedarfes im Regionalen“ stelle. „Das kann keine Agentur abdecken“, weil die Authentizität fehle und damit die Glaubwürdigkeit leide. „Wir als OÖN sehen eine Chance, wenn wir uns ein Netz an freien Fotografen bilden. Das tun wir.“
Hochwertiger Journalismus – in Wort und Bild – müsse daher nicht nur die Verlage, sondern auch die Konsumenten Geld kosten. Mandlbauer: „Daher werden die Gratis-Schienen im Vertrieb unter Druck geraten, für das Internet müssen Erlösmodelle gefunden werden. Zugleich müssen Journalisten sich wieder mehr der klassischen Aufgabenbesinnen: Glaubwürdigkeit, Seriosität, Kritik werden einen höheren Stellenwert bekommen, je undurchdringlicher das Informationsdickicht wird.“ Claus Reitan, Chefredakteur der Furche, sieht die journalistischen Werte vor allem in ihrer Kontinuität: „Journalismus bleibt als geistige Dienstleistung für eine demokratische Gesellschaft konstitutiv und unverzichtbar.“ Daher sollten der Staat nicht einen Teil dessen ökonomischer Basis gesondert besteuern und das Publikum faire Preise entrichten. „Daher sollen die Sozialpartner einen zukunftsweisenden KV entwickeln, die Verleger ihr publizistisches Mandat erfüllen, die Kunden für Inhalte auch im Fall eines Empfanges via Internet bezahlen, die kritische Medienerziehung forciert und die Journalistenausbildung gefördert werden.“
Paid Content, ja aber. In Sachen Bezahlung von Internetinhalten sind die Chefredakteure allerdings nicht ganz einer Meinung: „Es gibt keine Wundertüte, sondern nur Optionen“, betont Christoph Kotanko vom Kurier. „Paid Content ist eine Möglichkeit, vor allem im Zusammenhang mit Applikationen – wie man am Beispiel Apple sieht, sind die Leute gewillt, für Musik (iPod) und Apps (iPhone) zu bezahlen. Ich kann mir Abo-Gebühren für bestimmte Dienstleistungen vorstellen.“ Paid Content könnte zu einer Lösung zumindest beitragen, meint Gerald Mandlbauer von den OÖN. „Einen Teil wird es weiter gratis geben, einen Teil nur gegen Geld. Das hielte ich für logisch. Aber das muss von den großen Konzernen ausgehen.“ Christian Ortner von den VN ist jedoch schon skeptischer: Um Geld verlangen zu können, brauchen man „wirklich uniquen“ Webinhalt. Vorstellbar seien spezielle Archive.
Jünger und fexibler. Zurück zum KV und seinem erwünschten Beitrag für einen leistbareren Journalismus. Hier ist man sich in den Chefredaktionen weitgehend einig: Mandlbauer sieht derzeit „die jungen Mitarbeiter krass benachteiligt“, wenn man auch nicht übersehen dürfe, „dass auch im Journalismus Erfahrung einen Wert und damit einen Preis hat“.
Also weg mit dem Senioritätsprinzip. „Unsere Branche hat sich zu einer Kastengesellschaft entwickelt, mit vergleichweise sehr gut verdienenden Angestellten ‚oben‘ und so genannten Freien ‚unten‘“, skizziert Kotanko die Schieflage: „Der neue KV muss berücksichtigen, dass sich die Medienwelt wandelt.“ Strukturen, die nichts mit der journalistischen Leistung zu tun hätten oder diese sogar behindern würden, seien zu hinterfragen. „Benchmarking wird wichtiger.“
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