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Die EU will den Regionalisierungsfokus von Europas Medienproduzenten schärfen.


EU-Medien: Richtwerte für das 21. Jahrhundert

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Die audiovisuelle Medienrichtlinie der EU wird aktuell überarbeitet. Die Änderungen sollen Produktion und Verbreitung von europäischem Content fördern sowie traditionelle TV-Sender schützen.

Die audiovisuelle Politik in der Europäischen Union ist durch die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMSD) geregelt. Die AVMSD, die eine EU-weite Koordination nationaler Gesetzgebung zu allen audiovisuellen Medien gewährleistet, wird aktuell überarbeitet. Die Novelle soll die EU-Vorgaben besser an die digitalen Medienformen der heutigen Zeit anpassen. Sie umfasst gleichermaßen traditionelle TV-Sender, On-Demand-Anbieter und Videoplattformen wie YouTube. Auch soziale Medien mit großem Anteil audiovisueller Inhalte werden nun erfasst.

Europa-Quote. Bereits 2015 organisierte die Europäische Kommissioneine öffentliche Konsultation, um verschiedene Perspektiven auf Europas audiovisuelle Medienlandschaft einzuholen und jene auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Seitdem wurden die vorgeschlagenen Änderungen geprüft und am 25. Mai dieses Jahres von der Europäischen Kommission beschlossen. Ein wichtiger Punkt war die Förderung von europäischen Werken: Künftig müssen alle Anbieter audiovisueller Inhalte einen Mindestanteil von 30 Prozent an europäischen Produktionen garantieren. Auch On-Demand-Dienste wie Netflix und Amazon Prime müssen bald ein knappes Drittel europäische Filme in ihrem Angebot vorweisen.

Weniger Werbung, mehr Sicherheit. Durch die AVMSD ist die Werbespotquote im Fernsehen auf 20 Prozent begrenzt, allerdings können die Sender die genauen Zeiten frei wählen. Nur zur Hauptsendezeit von 20 bis 23 Uhr darf eine 20-Prozent-Grenze für Reklame nicht überschritten werden. Um traditionelle Fernsehsender zu schützen, weitet die AVMSD die Vorgaben zu Werbung auf den Digitalmarkt aus. Damit sollen insbesondere Minderjährige geschützt werden, die einen Großteil des Internet-Nutzervolumens ausmachen. Werbung muss künftig auf Videoplattformen und in sozialen Medien klar gekennzeichnet werden, das betrifft nun beispielsweise auch Beiträge von YouTube-Vloggern. Weitere Vorgaben zur Sicherheit im Internet umfassen Maßnahmen gegen Hass im Netz: Videoplattformen sollen laut Beschluss der Kommission in Zukunft einfach nutzbare Mechanismen bieten, über die jeder Nutzer extremistische Inhalte mit Aufrufen zu Gewalt, Hass oder Terror melden kann.

Ausblick. Wann genau die Änderungen in Kraft treten, steht noch nicht fest. Da die Details erst zwischen EU-Ministerrat und Europaparlament verhandelt werden müssen, wird die Reform frühestens im Frühjahr 2018 verbindlich, bei Verzögerungen kann es bis Ende 2018 dauern. Die österreichische Medienlandschaft kann sich jedenfalls auf strengere Werbevorschriften im Digitalmarkt und vermehrte Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen einstellen.




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