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Anita Jentl-Jenewein: "Ich lege Wert darauf, Werbung dort zu plazieren, wo ein messbarer Erfolg erzielt werden kann."


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Brauchen erfolgreiche Klein- und Mittelbetriebe Social Media? Und wenn ja, wieviel?

 


Social-Media-Marketing ist die Wunderwaffe zur Erweiterung des Kundenstamms. Wer im Web nicht aktiv ist, wohlgemerkt aktiv und nicht nur anwesend, verliert den Anschluss! So lauten also ein paar neue Glaubenssätze in meiner Branche.

„Alle sagen, man muss auf Facebook sein. Muss ich auch auf Facebook sein?“. Das fragen mich meine Kunden in den letzten Jahren sehr oft. Ich leite seit über 20 Jahren eine Werbeagentur und die Marketing-Möglichkeiten sind durch das weltweite Netz geradezu explodiert. Dem gegenüber steht das prozentuelle Werbebudget der klassischen KMUs, das zumeist gleichgeblieben ist. Als seriöse Beraterin bin ich eher konservativ und weniger risikofreudig. Ich lege Wert darauf, Werbung dort zu platzieren, wo ein messbarer Erfolg erzielt werden kann. Und im Gegensatz zum klassischen Webauftritt erscheint mir die Welt der Social Media schwammig, zumindest was die Messbarkeit betrifft. Denn „Freunde“, Follower und Likes sind noch kein Geschäftserfolg.

Natürlich kann ich mich als erfahrene Werberin in den „Strom der Gesellschaft“ begeben und auf Trends reagieren. Im Gegensatz zu den meisten Kunden weiß ich aber um den viel unterschätzten Mehraufwand, den Social Media mit sich bringen. Die kostenlosen Plattformen verführen zu dem trügerischen Gedanken: „Kostenlos ist kostet nix“. Mit dem Augenmerk auf Kosten, Mehr- und Personalaufwand riet ich daher meistens ab. Verkaufswunder sind auf diesem Weg nicht zu erwarten, nicht ohne ein Langzeitkonzept, das sich über viele Jahre strecken kann. Imagepflege ja – aber klassischen KMUs fehlt es meistens an Imagepflege-Budgets. Größtenteils sind meine Kunden in konservativen Branchen angesiedelt, in denen weder „Jugend“ noch „Unterhaltungswert“ ein Schwerpunkt sind. Die letzten fünf Jahre verbrachte ich also, zumindest beruflich, eher in einer Social-Media-Beobachterposition. Inzwischen verlagern sich, neben den Privatpersonen, auch Handel, Wirtschaft und Kunden mehr und mehr ins Internet. Standorte wandeln sich zum Beiwerk für den Webauftritt - nicht jetzt sofort – aber bald. Die Zeit dreht sich immer schneller und nicht mehr zurück. Selbst Senioren haben ihre Internet-Berührungsängste verloren und entwickeln sich zu einer aktiven Käuferschicht. War der Kunde früher mit einer Homepage als „Prospekt im Internet“ zufrieden, erwartet er heute mehr. Er will mitreden. Er will mitgestalten. Und das betrifft zunehmend alle Unternehmen, auch kleine Gewerbebetriebe. Für mich als Marketingfrau war es also an der Zeit, Social Media genauer unter die Lupe zu nehmen. Ehe ich meinen Kunden zurate und Kapital in aufgeregtes Social Media Personal investiere, will ich selbst wissen, was Sache ist. Vorbei die Zeit des Beobachtens, des oberflächlichen Experimentierens und Philosophierens. Nicht nur den Marketingzeh ins Wasser – viel mehr Netz – halten, sondern rein! Und zwar mit dem ganzen Fuß. Was also kann man tatsächlich brauchen? Und was ist zeitintensives Beiwerk ohne erkennbaren Mehrwert?

Im Zuge meines MBA-Studiums (www.mba.at) gab das Modul „Social-Media-Marketing“ die ersehnten Antworten. Frau Univ. Prof. Dr. Katharina Hofer brachte Veränderung in meine zurückhaltende Einstellung zur Brauchbarkeit der Social Media für das Marketing. Sie beeindruckte einen alten Werbehasen, wie ich einer bin. Zwar vertrete ich nach wie vor die Meinung, dass nicht jedes Unternehmen überall im Netz sein muss. Dass es nicht alles mitmachen bzw. ständig etwas sagen und posten muss. Sich allerdings der Social-Media-Welt gänzlich zu entziehen, bringt zunehmend Wettbewerbsnachteile mit sich. Ein professionelles Social-Media-Strategiekonzept mit klarer Unternehmenspositionierung und realistischem Budget sowie machbarem Aufwand federt diesen Nachteil ab. Das Social-Media-Phänomen wird in absehbarer Zeit nicht verschwinden, vielmehr, und davon gehe ich aus, wird es sich auf so gut wie alle Internetbereiche ausweiten. Es ist also mittlerweile ein Fehler, allein auf die altgedienten „Marketingbühnen“ zu setzen, die den Kunden zum Beobachter degradieren. Dem Jetzt- und Morgen-Kunden muss auf Augenhöhe begegnet werden – nicht nur verkaufen und bewerben – sondern „mit dem Kunden“ sein.

Autor: Anita Jentl-Jenewein | www.jeneweinflow.at

 


Autor: Anita Jentl-Jenewein


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