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Das Thema Fakenews hat die Medienszene im letzten Jahr stark beschäftigt. Nun


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beginnen erste Abwehrstrategien zu greifen.


Qualitätsinfos schlagen Fake News

zurück

Über Social Media verbreitete Nachrichten haben laut aktueller Studie die geringste Glaubwürdigkeit, Medienmarken sind dadurch im Aufwind.

Einmal mehr bestätigt eine aktuelle Studie - diesmal ist es eine des Video-Advertiser Teads-, wonach die stetigen Fake News-Debatten Qualitätsmedien helfen. Denn die unsicheren Nachrichten verursachen bei Lesern und Usern das Bedürfnis nach Transparenz und Qualität der Information - und diese holen sie sich am liebsten bei klassischen Medien(marken).

Unterstützung?

Die Branche ist jedoch gespalten ob dieser Schützenhilfe. Daniela Kraus, Geschäftsführerin Forum Journalismus und Medien Wien (fjum), hält den Begriff Fake News generell für unglücklich: "Er ist sehr unscharf, bezeichnet so unterschiedliche Dinge wie Propaganda, Fehler - und wird vor allem einfach als Kampfbegriff für unliebsame Nachrichten gebraucht." Sie fürchtet, dass tendenziell autoritäre Politik weiterhin mit dieser Terminologie unliebsame Berichterstattung diskreditieren will und wird: "Wo Politik mit dem Begriff Fake News arbeitet, sollten wir gleich einmal genauer hinschauen und jedenfalls skeptisch sein." Gleichzeitig ist es die Rolle der Medienunternehmen, alles zu unternehmen, um das Vertrauen des Publikums zu stärken: "Klare strategische und operative Ausrichtung nach Qualitätszielen, Qualitätssicherung im redaktionellen Betrieb und Transparenz." Zentral dabei ist für Kraus auch, Falschmeldungen oder Propaganda als solche zu bezeichnen und das begründen zu können. "Verifizierung von Falschmeldungen - da kommt ja neuerdings mit manipulierten Videos, die kaum unterscheidbar sind, noch eine ganze Welle an Schrott auf uns zu - wird also zum Beispiel ein großes Betätigungsfeld für Journalisten."

Bedürfnis

Auch Rainer Nowak, Chefredakteur der Presse, sieht den Anspruch, Fake News helfe den (Qualitäts-)Medien, keinesfalls: "Ich würde das als vermessen empfinden, zu behaupten, wir haben durch Fake News auf einmal große Auflagen. Da lügt man sich kollektiv in den Sack. Was jedoch stimmt, ist, dass das Bedürfnis nach richtiger Information steigt, und das ist unsere Chance." Wenn man die richtigen Infos verbreiten und die Fake News damit widerlegen könne, dann ist das freilich eine gute Sache, aber: "Ich laufe nicht jedem digitalen Hoax nach, um dann ganz stolz zu falsifizieren."

Redaktionelle Konzepte

Auch neue, redaktionelle Konzepte wie Organic News Fluency sollen den Glaubwürdigkeitsprozess der klassischen Medienberichterstattung unterstützen. Grob gesprochen setzt das Konzept darauf, dass der Leser bzw. User nicht nur inhaltlich informiert wird, sondern auch erfährt, wieso gerade jetzt ein bestimmtes Thema verfolgt wird, wer die Quellen sind und wie recherchiert wurde. Fjum-Geschäftsführerin Kraus hält dies für einen guten Ansatz: "Das kann schon dazu beitragen, dass auf Produzenten- wie Rezipienten- Seite mehr Bewusstsein dafür entsteht, was Journalismus von anderen Formen des Contents unterscheidet." Sie sieht generell eine Tendenz, sich stärker mit dem Publikum und seinen Ansprüchen auseinanderzusetzen (Stichwort Audience Engagement).

Skepsis

Presse-Chefredakteur Nowak ist eher skeptisch gegenüber derart forcierten redaktionellen Entwürfen und hat auch eine Begründung parat: "Der Transparenz- Gedanke, wo hat man eine Information her usw., das ist alles Qualitätsjournalismus. Das machen wir schon seit Hunderten Jahren." Best-practice-Modelle und Lösungsansätze redaktionell zu bringen sei freilich gut, aber auch das werde schon seit Längerem praktiziert, so Nowak. Er hält auch - im Sinne der Glaubwürdigkeit - nichts davon, alles "schönzuschreiben und alles Negative wegzudrücken". Nowak: "Wenn wir nur schreiben, wie die Welt schöner und besser wird, dann glaubt uns der Leser irgendwann einmal nicht mehr, weil er - zurecht - glaubt, dass man manipulieren will". Auch soll der Leser nicht mit Rechercheprozessen überfordert werden, meint der Presse-Chefredakteur: "Wenn ich erkläre, 'ich habe mit dem Politiker xy gesprochen', kann ich nur sagen: Na hoffentlich! Wenn wir nicht einmal mehr das Offensichtliche machen, dann können wir es gleich sein lassen."


Autor: Erika Hofbauer


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