Startseite, Mediaplanung

Copyright: むらやん -AdobeStock

Die Katze mit ihren sieben


„Totgesagte leben bekanntlich länger“

zurück

Mediaplaner und Agentur-Geschäftsführer glauben an die Transparenzbemühungen in Programmatic und setzen viel persönlichen Fokus auf Weiterbildungsmaßnahmen.

Programmatic Media Buying: Werden sich die Transparenzbemühungen durchsetzen?

Michael Göls, Havas Media Austria: Wir haben vor einem Jahr Havas CTS gelauncht. Dies ist ein transparentes System, das es unseren Kunden ermöglicht, unser Meta- Programmatic-Angebot selbst einzusehen. So können alle Beteiligten die Qualität ihrer Kampagnen gemäß gemeinsamer Ziele jederzeit überwachen und absichern und erhalten so eine Übersicht aller Arbeitsabläufe in jeder Phase von Programmatic-Kampagnen.

Marcela Atria, Atrium Consulting: Die Transparenzbemühungen müssen sich durchsetzen. Erstens weil Programmatic kein Selbstzweck ist, sondern unseren Zielen dient (bzw. dienen muss). Und zweitens weil die DSGVO uns auf allen Ebenen zu mehr Transparenz zwingt. Derzeit sind viele Marktteilnehmer in Bewegung. Der Markt arbeitet daran, es wird schon transparenter.

Silke Übele, Wavemaker: Bemühungen zu einer höheren Transparenz müssen über eine Selbstverpflichtung hinausgehen. Nur wenn Publisher, Agenturen, Vermarkter, SSP- und DSP-Anbieter kooperieren, kann die geforderte Transparenz in der Auslieferungskette gewährleistet werden. Es ist zu begrüssen, dass im neuen Code of Conduct des IAB auch Agenturen Berücksichtigung finden.

Andreas Weiss, Dentsu Aegis Network: Programmatic war schon immer transparent, jedoch komplex und oftmals unklar in der Darstellung. Da müssen Agenturen und Anbieter gleichermaßen klarer und strukturierter sein und den Kunden ein Gefühl dafür geben, dass die Leistungen dahinter einen entsprechenden Wert und auch Preis haben.

Susanne Koll, Omnicom-Media Group Austria: Sie müssen! Intransparenz hat in einer Agentur/ Kundenbeziehung nichts zu suchen. Wir sehen daher mit Freuden die Entwicklung der letzten Monate und hoffen, dass am Ende des Tages Ehrlichkeit und Partnerschaft siegen werden.

Ronald Hochmayer, Mediaplus Austria: Getrieben durch die Dynamik kräht heutzutage jeder Hahn lautstark nach "Transparenz", aber niemand weiß so recht, wonach er eigentlich schreit. Wer sich in die geschlossenen Systeme von Google und Co. begibt, wird seinen Wunsch nach Transparenz ohnehin an den Nagel hängen und sich ausschließlich auf die Wirkung seiner Kampagnen konzentrieren müssen.

Weiterbildung: Worauf setzen Sie 2018 Ihren persönlichen Fokus?

Göls: Mein persönlicher Fokus liegt darauf, in Mathematik, Physik, Chemie und Deutsch der fünften, siebten und neunten Schulstufe sattelfest zu sein - damit ich mit meinen Kids mithalten kann ...Atria: Jeder muss sich mit digitalen Trends auseinandersetzen. So auch ich. Meine Leidenschaft sind Daten. Wenn ich Zeit finde, werde ich dort meinen Fokus hinlegen.

Übele: Die Herausforderung rund um die Digitalisierung verändert Strukturen, Prozesse und damit die Anforderung an Kompetenzen von Kommunikationsspezialisten. Daher liegt mein Fokus auf dem Aufbau von "Zukunftskompetenzen" wie umfassende Kenntnis aller digitaler Werkzeuge, der Fähigkeit, in Netzwerken zu denken und zu arbeiten, aber auch der Fähigkeit, ganzheitlich und integrativ zu handeln.

Weiss: Daten, Daten, Daten.

Koll: Die Entwicklungen werden immer schneller und komplexer, es ist daher wichtig, neugierig, offen und positiv gegenüber Neuem zu sein. Daher wird meine Quelle der Inspiration bei branchenübergreifenden bzw. -fremden Themen auf dem Schwerpunkt Technologien liegen.

Hochmayer: Wir hatten 2017 ein starkes Umsatzwachstum. Um dieses zu überspringen, investieren wir viel in Weiterbildung, vor allem was strategische Dienstleistung, digitale Prozesse und das Verständnis für alle Disziplinen des Kommunikationsprozesses betrifft. Ich persönlich möchte die Wirkungszusammenhänge von moderner Kommunikation noch besser verstehen und endlich das Zehnfingersystem erlernen.

Mediaagenturen außerhalb von internationalen Netzwerken: Wie viel Lebenszeit geben Sie ihnen noch?

Havas: Ich glaube, diesen Agenturen steht die beste Zeit noch bevor. Wir sind z. B. ein Familienunternehmen, das offen, modern und zeitgemäß geführt wird. Wir als lokale Einheiten haben ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Dadurch sind wir agil und können uns rasch anpassen. Das differenziert uns und macht uns wettbewerbsfähig.

Atria: Ich habe Vertrauen in die Wirtschaft, einem sich ständig erneuernden Kreislauf. In diesem Sinne glaube ich, dass Nischen und Vielfalt sehr wichtig sind. Ich gebe den Großen und den Kleinen ein langes Leben - wenn sie weiterhin nebeneinander bestehen und sich gegenseitig befruchten.

Übele: Mit fortschreitender Internationalisierung und steigender ROI-Orientierung im Marketing werden es unabhängige Mediaagenturen schwer haben. Dazu kommt, dass mit fortschreitender Technologisierung und Digitalisierung Investments in Systeme und Tools notwendig werden, die eine unabhängige Mediaagentur schwer stemmen kann. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger.

Weiss: Lokale Kompetenz wird immer eine wichtige Rolle spielen. Der Vorteil globaler Netzwerke ist natürlich der grenzübergreifende Wissenstransfer und Zugang zu Know-how, der in unserer schnelllebigen Zeit immer bedeutender wird und wettbewerbsfähiger macht.

Koll: Mediaagenturen entwickeln sich immer mehr zu Tech Companies. Die Herausforderung für lokale Mediaagenturen ist daher, Entwicklungskosten für neue Technologien zu stemmen und an internationales Know-how heranzukommen. Wenn sie diesen Spagat schaffen und kreativ und offen für neue Wege sind, werden lokale Agenturen noch lange unter uns weilen.

Hochmayer: Als jemand, der beides kennengelernt hat, glaube ich, dass es eine kulturelle und inhaltliche Trennlinie zwischen inhabergeführten Agenturgruppen (wie Mediaplus) und shareholderorientierten Networks gibt. Dass lokale Agenturen ohne internationale Anbindung vom Markt verschwinden, glaube ich nicht. Denn es gibt in Österreich eine Vielzahl an Klein- und Mittelbetrieben, die auch in Zukunft lokales Know-how benötigen.




Weitere Beiträge zum Thema:

Premium-Publisher in Deutschland klagen darüber, dass sie von den Vorteilen des programmatischen Werbehandels nicht genügend haben.

Gebührenverrechnung, Brand Safety, Ad Fraud – diese Themen haben die Diskussionen zu Programmatic Media Buying 2017 dominiert. Ein Gespräch mit Marius Rausch von AppNexus über die Trends bis 2020.

Die Vielfalt ist unglaublich und sehr breit gestreut: Markt- und Meinungsforscher haben international neue Strömungen identifiziert, die die Werbe- und Medienwelt ab heuer beeinflussen werden.

Der ADGAR-Werbepreis ist einer der begehrtesten Preise im ganzen Land und wird zum 34. Mal vom Verband Österreichischer Zeitungen vergeben.

KMU sind immer stärker in den sozialen Netzwerken präsent. Sie versuchen sich dort und da in TV und Radio, bespielen durchaus Printmedien und die Medien der Außenwerbung, haben aber bislang keine konkreten Strategien im Umgang...