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Satire-Accounts auf Twitter: Cathy, Sascha und Uschi unterhalten die User der Plattform


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"Nicht Cathy Lugner" Tweet


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"Sascha" Tweet


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"Uschi am Graben" Tweet


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"Uschi am Graben" Tweet


Wenn Twitter-Accounts nur Fakes sind

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„Sascha“, „Cathy“ und „Uschi“ erzählen von ihren Beweggründen, Satire-Accounts zu betreiben

Wie witzig oder vielleicht auch nicht witzig Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen den Twitter-Satire-Account „Sascha“ (@president_vdb) findet, hat die Redaktion nicht erfragt. Fakt ist: „Saschas“ rund 800 Follower dürften sich gut unterhalten fühlen. Die Idee zum Satire-Account hatte der Betreiber, der anonym bleiben möchte, relativ spontan, wie er im (Twitter-)Interview mit dem MedienManager sagt: „VdB hat seine Kandidatur bekannt gegeben, und ich dachte mir, es wäre wahrscheinlich ziemlich lustig, als VdB zu tweeten. Ich halte ihn für einen sehr sarkastischen, selbstkritischen Menschen, der relativ gemütlich ist, das hat mir immer schon gefallen.“ Daher glaubt er auch an eine friedliche Koexistenz zwischen dem echten und dem Fake-Account. Dass immer wieder Menschen, darunter selbst Journalisten, auf den Account mit der Selbstbeschreibung „wie ein Phönix aus dem Aschenbecher“ hineinfielen, verwundert ihn. Bei manchen sei die Schadenfreude jedenfalls groß, etwa beim Nationalratsabgeordneten Marcus Franz. Bei Richard Lugners ehemaligem Wahlkampfberater Peter-Erik Czak dagegen sei es fast zu einfach gewesen.

Spaß an der Sache. Doch warum tut sich jemand die Arbeit an, teils mehrere Stunden täglich für einen Fake-Account aufzuwenden? „Niemand muss das verstehen beziehungsweise uns folgen“, stellt „Sascha“ klar. Er habe Spaß dabei, und seinen Followern mache es anscheinend auch Spaß. Gerade zu Beginn seines „Schaffens“ habe er viele private Nachrichten bekommen, in denen Leute schrieben, sie würden sich freuen, dass das jemand macht, und ein wenig Schwung in den Wahlkampf komme. „Immer wieder schreiben mir Leute auch private Nachrichten in dem Glauben, ich wäre der echte VdB und wünschen alles Gute für den Wahlkampf, was ich großartig finde. Die weise ich dann aber auch sofort auf den echten Account hin, das freut die dann auch immer.“

Prinzipiell finde er es wichtig, „wenn Politik von Satire-Accounts kommentiert/kritisiert wird, da es eine ganz eigene Art von Berichterstattung ist. Ich möchte mir nicht anmaßen, mich zum Beispiel mit Maschek zu vergleichen, aber auch die machen sich über Politik lustig und rücken Dinge in ein anderes Licht. Das ist sehr wichtig, damit eine Bandbreite von Meinungen entsteht, finde ich.“ Als anstrengend empfinde er die Betreuung des Accounts nicht, schließlich habe er keine Vorgaben zu erfüllen oder Vorgesetzte, die ihm beim Tweeten über die Schulter schauen. „Wenn ich mal eine Sascha-Pause brauche, nehme ich mir die natürlich auch.“

Satire und Realtiät. Während „Sascha“ noch nie mit Sperre bedroht wurde, passierte genau das der Fake-„Cathy Lugner“. Seit der zwischenzeitlichen Sperre, dem Vernehmen nach durch den ehemaligen Lugner-Wahlkampfberater Czak, ist sie als „Nicht Cathy Lugner“ (@firstlady4aut)
unterwegs. „Gerade über Czak hab ich sehr gelacht, aber fand es aber gleichzeitig irgendwie traurig. Einerseits, was sagt es über die Lugners aus, wenn Satire kaum von Realität unterschieden werden kann? Die beiden sind eigentlich Karikaturen ihrer selbst. Andererseits, wie traurig ist es, dass jemand, der den (zugegebenermaßen bescheidenen) Bundespräsidentschaftswahlkampf der Lugners leitet, auf so etwas ‚hineinfällt‘? Ich hätte ihn auch richtig einfahren lassen können, aber dafür tat er mir fast zu leid.“ Beide, „Sascha“ und „Cathy“, nahmen das Wort „Satire“ inzwischen in ihre Account-Beschreibungen auf, um auf Nummer sicher zu gehen. „Nicht Cathy Lugner“, die sich als „weiblich, Anfang/Mitte 20, mit Uni-Abschluss der Politikwissenschaften“ beschreibt, erzählt, sie hätte einerseits Hate Mails für die „echte“ Cathy bekommen, aber auch echte Fans hätten sie angeschrieben: „Denen habe ich immer nett geantwortet und ihnen Infos zur Wahl beziehungsweise den Unterstützungserklärungen geschickt.“

Ideales Satireobjekt. Über ihre Beweggründe sagt sie: „Ich hatte das Glück, eher privilegiert aufzuwachsen, weshalb das Pseudo-Reiche, protzige und trotzdem billige Image von Cathy so ein lustiges Satireobjekt für mich ist. Privat bin ich auch politisch interessiert und parteipolitisch aktiv, was aber nicht die Motivation für mich ist, den Account zu betreiben – das mache ich einfach nur aus Spaß.“ Ursprünglich betrieb sie das Profil gemeinsam mit einer weiteren Person, aus Zeitgründen sei sie aber vor einigen Wochen die Hauptstimme von Cathy geworden, ihr „Komplize“ trage nur mehr ab und zu bei.

Entstanden ist „Nicht Cathy Lugner“ im Gespräch mit einem guten Freund, als die beiden gemeinsam über das legendäre YouTube-Video der Lugners Tränen gelacht habe und daraus so viele Witze entstanden seien, dass sie sich dachten, daraus könnten sie ja etwas machen. „Twitter bietet in der Hinsicht einfach die perfekte Plattform, man hat quasi Narrenfreiheit, eine Person parodieren zu können, und das auszusprechen, was sich viele Leute denken“, sagt die Account-Inhaberin. Nach der Lugner-Pressekonferenz schließlich habe es so viel Material gegeben, dass sie und ihr Partner mit den Tweets kaum mehr nachgekommen seien. „Und da das Thema aktuell war, haben sich auch einige Leute dafür interessiert, wir konnten den Cathy-Charakter weiterspinnen und ihm eine eigene Stimme verleihen. Außerdem haben wir Cathy ganz bewusst gewählt: Generell kann man sie schon sehr schön parodieren, aber in Hinsicht auf die Bundespräsidenten-Wahl kann man auch alle anderen politischen Geschehnisse in Österreich kommentieren.“

Tweets vom ‚Spaßaccount‘. Das Feedback sei von Anfang an sehr positiv gewesen, erzählt „Cathy“. Sie freue sich über Erwähnungen von Leuten, die sie selbst lustig oder interessant finde, wenn diese auf einen Schmäh einsteigen, aber auch ganz „normale“ Reaktionen von Leuten, die das Profil lustig und gewitzt finden: „Darum geht es mir ja.“ Neben der vorübergehenden Sperre habe sie aber auch ein paar weitere negative Reaktionen bekommen: „Leute, die davon genervt waren, wenn sie ein ‚Spaßaccount‘ antweetet, oder auch welche, die antworten: ‚So lustig bist du nicht, gib‘s auf‘.“ Solche Leute tweete sie dann nicht mehr an, andererseits könne man sie ja auch muten oder blockieren. „Die viel ärgeren Reaktionen kamen von Leuten, die dachten, ich sei die echte Cathy. Da kamen dann schon so Aussagen wie „Du bist Scheiße, dich braucht niemand“ und ähnliches. Sie polarisiert halt.“ Von Lugners Seite habe sie nach der Sperre nichts mehr gehört, allerdings sei der neue Account wieder gemeldet worden. „Der ist aber bombensicher und entspricht allen Twitter-Richtlinien peinlich genau, also müssen sie sich wohl damit abfinden, dass sie im Internet parodiert werden.“

Bisher nur positive Reaktionen. Damit, dass Ursula Stenzel jemals ernsthaft Kandidatin für das Bundespräsidentschaftsamt sein könnte, hatte @uschiamgraben, im echten Leben „männlich in den 30ern, parteilos und selbständig im IT-Bereich“, nie gerechnet, sagt er. Wenngleich das dem Account, der bereits im Sommer 2015 gegründet wurde („als klar wurde, dass Frau Ursula nicht mehr Kandidatin der ÖVP im Ersten sein wird“), zusätzlichen Auftrieb gegeben hätte. Die Follower-Anzahl sei ihm allerdings egal: „Ich hab meinen Spaß und muss nichts verkaufen. Ob das jetzt 50, 500 oder 5000 lesen, macht für mich keinen Unterschied.“ Da Stenzel weder auf Twitter noch in anderen „zeitgemäßen Medien“ vertreten ist, sei auch keine Reaktion von ihrer Seite gekommen. Überhaupt habe ihn bis heute keine einzige negative Reaktion erreicht, was ihn fast wundert. Lediglich Versuche, den Account sperren zu lassen, habe es gegeben, aber: „Ich halte mich sehr genau an die Twitter-Regeln bezüglich Satire-Accounts. Damit sollte ich hoffentlich nicht sperrbar sein.“

Zum Aufwand sagt „Uschi“, so viel Zeit brauche es gar nicht: „Grundsätzlich antworte ich auf die meisten Erwähnungen, das ist eine wichtige Eigenschaft auf Twitter, wie ich finde. Selbst schreibe ich maximal ein bis zweimal was pro Tag, wenn überhaupt. Ich möchte kein Störfaktor sein, wenn mir jemand folgt.“ Wie lange es den „Uschi“-Account geben soll, da will er sich nicht festlegen: „So lange Stenzl ein politisches Amt hat oder einfach, solange es Spaß macht? Ich habe dazu keine konkreten Pläne. Sollte sie sich komplett ins Privatleben zurück ziehen, würde ich mich aber ebenfalls zurück ziehen und hoffen, dass sie mich mal ins Sacher einlädt.“ Mit Zwinkersmiley, versteht sich.


Autor: Sabine Karrer


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