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Hadubrand Schreibershofen


Streaming beflügelt Programmies-Markt

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Programmies zählen zu den stabilen Angeboten im umkämpften Magazine-Markt. Streaming-Dienste könnten den TV-Zeitschriften neue Impulse geben.

Tele-Geschäftsführer Hans Metzger freut sich: „Endlich gibt es im Bereich des Fernsehens mal etwas wirklich Neues! Der Streaming- und On-Demand-Bereich ist ein riesiges neues Feld, das genauso wie lineares Fernsehen kuratiert gehört.“ Bewertungen und Rezensionen dienen hier, wegen des „irrsinnig großen Angebotes“, noch viel mehr der Orientierung, so Metzger, der sich mit seiner Zeitschrift gut aufgestellt sieht: „tele hat seit über einem Jahr On-Demand-Tipps im Heft und seit kurzem auch als zweites großes digitale Angebot auf Website und in den Apps. Hadubrand Schreibershofen, Chefredakteur von tv-media aus der Verlagsgruppe News, hält nicht viel davon, „Abertausende Titel, die jederzeit abrufbar sind, in einem regelmäßig erscheinenden Printprodukt aufzulisten“. Die Neuerscheinungen alleine in einem eigenen Heft zu behandeln, wäre ähnlich sinnentleert, ist Schreibershofen überzeugt. Denn: „Erstens ist der Markt zu klein, und zweitens können Redaktionen die Filme und Serien meistens vorab gar nicht sehen und daher nicht guten Gewissens empfehlen.“ Bei tv-media bilde man daher im Heftteil "Mediathek" zusätzlich zu den DVD-Neuerscheinungen die Neustarts von Netflix, Amazon & Co. übersichtlich ab: „Kritiken liefern wir gegebenenfalls nach – bei großen Würfen gönnen wir uns im vorderen Heftteil auch begleitende Geschichten und Interviews.“ Was für tv-media.at infrage käme, wäre aber eine Ausweitung der aktuellen Suchfunktion, erklärt der tv-media-Chefredakteur: „Ich gebe im Suchfeld z.B. den Namen eines Schauspielers ein und sehe dann, in welchen Produktionen er derzeit im Kino und demnächst im Fernsehen zu sehen ist. Diese Suche auf Streaming auszuweiten, wäre ein praktisches Feature für Netflix- und Amazon-Kunden.“

Neue Optionen. In Deutschland wird offensichtlich über neue Medienprodukte – sowohl Print als auch Digital – ernsthaft nachgedacht. Welche Wege könnten da in Österreich beschritten werden? Tele-Chef Metzger: „Langsam ändert sich das Nutzerverhalten und lineares Fernsehen wird durch nicht-lineares Fernsehen ergänzt. Wir haben da einen Riesenstartvorteil. Die endlosen Spalten mit Programmzeiten werden langsam mehr Tipps zum On-Demand-Fernsehen weichen.“ Eigentlich eine logische Entwicklung in der digitalen Welt, findet Metzger: „Ob es dazu freilich neue Angebote und Specials braucht, weiß ich nicht. Wir sind jedenfalls da!“ tv-media-Chefredakteur Schreibershofen ist eher skeptisch, was Magazin-Diversifikationen bei Programmies (in Deutschland) betrifft: „In Deutschland gab es im März ein einmaliges Cinema Special: Best of Amazon Prime Video – ein von Amazon finanzierter Werbekatalog mit 100 ausgesuchten Produktionen. Der Spiegel hat sich im Frühjahr zwei Ausgaben eines Hybrid-Titels als Test gegönnt – sowohl der TV-Teil als auch der Streamingteil waren eher dürftig und nicht wirklich serviceorientiert, die Geschichten sehr weit vom Fernsehen entfernt. Ich glaube nicht, dass eines der Hefte eine Zukunft hat.“ Bei tv-media werde man natürlich den Markt weiter im Auge behalten: „Wir könnten mit Extras, Beilagen oder Line-Extensions schnell reagieren. Mit der Mischung linear/on-demand, wie wir sie derzeit im Heft anbieten, fahren wir sehr gut.“ 


Autor: Erika Hofbauer