MEDIAPLANUNG

Copyright: MedienManger

Das Match um die Weltherrschaft im Mediengeschäft ist im Silicon Valley in vollem Gange.


Copyright: Sergey Nivens/fotolia.com



Das Spielfeld der Werber

zurück

Diesmal dreht sich die Silicon Rallye um das Thema Werbung: von künstlicher Intelligenz, die Mediaplanern den Job wegnimmt bis zu Werbung auf Whatsapp.

Albert macht deinen Job. Die Firma Adgorithms will digitale Mediaplanung neu erfinden. Dazu hat sie Albert ins Leben gerufen. Albert ist eine Artificial-Intelligence-Plattform. Die Firma hat mit Albert eine ganze digitale Kampagne gemacht - von Display-Werbung bis hin zu Facebook-Bildern und Videos. Albert hat bestimmt, in welche Medien zu welcher Zeit und in welchem Format investiert wird. Sobald die Kampagne gestartet ist, analysierte Albert die Situation und verteilte die Ressourcen neu. AI ist gekommen um zu bleiben - und wird die Strukturen in der Mediaplanung aufbrechen.

Big Business bei Whatsapp. Keine Werbung auf Whatsapp - das war einmal. Derzeit arbeitet der Messenger-Dienst an Businessprofilen. Es werden Funktionen für Unternehmenskommunikation getestet, also wie Unternehmen und Menschen einfach über Whatsapp kommunizieren können. Als Erlösquelle sollen bezahlpflichtige Businessprofile dienen, über die Unternehmen ihre Informationen an Nutzer senden können. Einige Medienunternehmen versorgen ohnehin schon Nutzer über Whatsapp mit ihren Beiträgen - vermutlich wird es bei den Businessprofilen kostenpflichtige Extras geben. Silicon Rallye Do it yourself. Spotify hat eine Self-Service-Plattform für Werbetreibende in den USA gelauncht. Über das Spotify Ad Studio kann man Kampagnen managen und kreieren. Die Kampagnen werden dann gezielt an Personen mit bestimmtem Alter, Geschlecht oder Musikgeschmack an einem bestimmten Ort ausgespielt. Auch Amazon setzt auf "DIY" und weitet seinen Programmatic-Advertising-Bereich aus. Die Amazon Media Group, die an Programmatic Advertising arbeitet, eröffnet eine Art "Self-Service-Plattform" für Agenturen. Diese können dort nun selbst Werbung kaufen. Die Amazon Advertising Platform (AAP) liefert die Anzeigen dynamisch auf Amazon.com und anderen Seiten, die Amazon gehören, aus.

Mehr Videos bei Apple. Apple News experimentiert mit einer "Featured-Video-Section" in der App. Redakteure wählen dafür die Inhalte aus, anstatt sie von Algorithmen steuern zu lassen. Für Werber ist Apple News im Laufe der letzten zwei Jahre zu einer geschätzten Quelle für Traffic und Einnahmen aus Native Ads geworden. Der Video-Bereich von Apple News könnte sich ähnlich entwickeln. Auch Twitter experimentiert mit neuen Formaten: Das soziale Netzwerk testet, die Beschränkung von 140 auf 280 Zeichen zu erweitern.

Keine schlechte Werbung mehr. Google will 2018 eine Version von Chrome launchen, die nervige Werbungen blockiert. Aktiviert man den eingebauten Adblocker, werden Werbungen auf Seiten, die dazu neigen, aufdringliche Werbung zu zeigen, ausgeblendet. Im Ad Experience Report, einem Tool, mit dessen Hilfe Google Webseiten analysiert, stellt das Unternehmen Screenshots und Videos von nervigen Anzeigen bereit. Pop-ups und Auto-Play-Videos mit Ton sind laut dem Report die Werbeformate, die am häufigsten als nervig wahrgenommen werden. Firmen können anhand des Reports auch sehen, ob Anzeigen auf ihren Seiten geblockt werden sollen. Außerdem will Google journalistische Bezahlinhalte unterstützen. In der Suchmaschine sollen kostenpflichtige Online-Angebote leichter zu entdecken sein. Google will die Zusammenarbeit mit Verlagen ausweiten. Sie sollen Informationen des Internetkonzerns über User nutzen können. User müssten so weniger Daten eingeben, um den Bezahlvorgang abzuschließen.

Neue Formate auf Instagram. In Instagram Stories sind nun Canvas Ads möglich. Die Fullscreen-Anzeigen machen es einfacher, kanalübergreifend Werbungen zu schalten. Unternehmen können die Filter und Zeichen-Tools verwenden, um eine Story zu erstellen und sie anschließend in eine Werbung umwandeln. Außerdem kann die Story von Instagram zu Facebook und Audience Network hinzugefügt werden. Das soll dabei helfen, die Reichweite der Anzeigen zu steigern. Bei Werbung hat Instagramwohl den richtigen Riecher:Das Netzwerk verbucht monatlichmehr als zwei Millionen aktive Werbetreibende. Besonders beliebt ist das Segment Mobile Video. Die Video-Nutzungszeit ist im letzten Jahr um 80 Prozent gestiegen. Auch die Stories kommen gut an: Ein Drittel der am meisten angesehen Stories stammt von Unternehmen oder Marken.

Stichwort Reichweiten. Facebook führt Marketer mit seinen Reichweiten angabenvon Werbung in die Irre. Das Unternehmen gibt an, mit seiner Werbung Millionen von Twens zu erreichen, die in sieben von acht G8-Ländern nicht existieren. Eine Recherche von AdNews in zwölf Ländern zeigt, dass Facebook insgesamt 42 Millionen mehr Twens zu erreichen angibt, als es in offiziellen Bevölkerungsstatistiken gibt. In Deutschland will das Unternehmen beispielsweise zwölf Millionen Millennials erreichen, obwohl es nur 9,2 Millionen Einwohner zwischen 20 und 29 Jahren gibt. Bei Facebook verweist man darauf, dass es sich bei den Zahlen nur um Schätzungen handelt. Auch Nutzerverhalten und -demogafie sowie Standortdaten spielen dabei eine Rolle.

Mehr Transparenz. Facebook hat angekündigt, mehr Transparenz bei politischer Werbung zu bieten. Das soziale Netzwerk will künftig Unternehmen auffordern, bei politischen Anzeigen offenzulegen, welche Seite für die Werbung gezahlt hat und welche Anzeigen derzeit geschaltet wurden. Allerdings ist damit noch nicht klar, woher das Geld tatsächlich stammt. Es wird lediglich die Seite angegeben, die die Werbung gekauft hat. Problematisch ist es, alle Anzeigen eines Werbers aufzulisten, die derzeit auf Facebook zu sehen sind. Unklar ist auch, welche Werbungen als politisch gelten und welche nicht.

Facebooks Targeting-Wahn. Facebooks Targeting-Möglichkeiten enthielten bis vor Kurzem rassistische und antisemitische Kategorien. Es wurde bekannt, dass Werbekunden Menschen, die "Judenhasser" oder Ähnliches als Interessen angegeben haben, gezielt ansprechen konnten. Die investigative Plattform ProPublica hat versucht, drei ihrer Artikel über das soziale Netzwerk an antisemitische Gruppen auszuspielen. Facebook hat die Anzeigen innerhalb von 15 Minuten freigegeben. Nachdem ProPublica Facebook darauf aufmerksam gemacht hat, hat das Unternehmen angekündigt, die Werberegeln zu verschärfen und deren Einhaltung strenger zu überwachen. Die antisemitischen und rassistischen Targeting-Kategorien wurden entfernt.


Autor: Alissa Hacker


Weitere Beiträge zum Thema:

Kommunikations- und Medienverbände fordern Chancengleichheit mit digitalen Riesen

Effie Gala 2017

20.11.2017

Pracht und Preise gab es bei der 33. Effie Gala im Gartenbaukino

Im Bewegtbildbereich tut sich so einiges im Silicon Valley. Vimeo setzt auf Livestreams, Snapchat auf Werbung in 3D, Google und Guardian auf VR.

Wer in den letzten Wochen an deutschen Anzeigetafeln vorbeikam, dem wird es nicht entgangen sein: Sky hat eine neue Serie produziert. Sie scheint pompös produziert, klingt sexy und sieht auch so aus; barbusige Damen im...

Goldbach-Austria-Chef Maurizio Berlini spricht im Interview über den Wachstumstreiber Digital Out Of Home, screenübergreifende Werbung und Konkurrenz durch globale Player.