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Für Japaner gehört ein Zeitungsabonnement ganz selbstverständlich zum Alltagsleben.


Beim Fliegen nicht auf die Wurzeln vergessen

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Nach Jahren manischer Selbstoptimierung hat Japan einen Wendepunkt erreicht, an dem sich alte Traditionen mit neuen Technologien verbinden.

Vierzig Millionen gedruckte Zeitungen werden in Japan täglich verkauft. Umgerechnet auf die 125 Millionen Einwohner bedeutet das einen Weltrekord. Die wenigsten Exemplare gehen dabei über den Ladentisch, sondern erwarten ihre Leser bereits zum Frühstück per Abonnement zu Hause. Zeitunglesen als Familienritual. Japan gilt seit jeher als Elfenbeinturm der gedruckten Nachrichtenverbreitung und als weitgehend entwicklungsresistent, wenn es darum geht, die Printzeitung um digitale Alternativen zu bereichern. Zu lange, so scheint es, liefen die Geschäfte für die Verleger zu gut, um ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken. Ein wichtiger Mitgrund waren wohl auch die engen Verbindungen mit Wirtschaft und Politik und die damit einhergehenden starren Strukturen, welche die gefilterte Informationsübermittlung an die Bürger im großenRahmen sicherstellten.

Zeitungen für junge Leser. Doch angekommenim Jahr 2017, machensich nun, gebunden an den digitalen Wandel, auch in der drittstärksten Wirtschaftsmacht der Welt gröbere Erosionserscheinungen bemerkbar. Allein 2016 schrumpfte die Verbreitung um eine Million, in einer parallelen Entwicklung dazu konsumiert bereits knapp die Hälfte der Bevölkerung Nachrichten über das Smartphone. Wie auch in Europa und den USA haben die Verleger generell mit dem steigenden Alter ihrer Leser und den sich verändernden Konsumgewohnheiten zu kämpfen. Doch anstatt sich wie die Platzhirsche Asahi Shimbun oder Nikkei auf eine digitale Zukunft vorzubereiten, setzte das Gros der Zeitungsmacher in den letzten Jahren auf Ableger und Themenseiten für Kinder und Jugendliche.

Yahoo! Japan. Nachrichten werden zwar digital publiziert, jedoch konnte sich noch keines der Zeitungsportale als Marktführer etablieren. Stattdessen ist seit Jahren Yahoo! Japan die wichtigste Anlaufstelle für interessierte Leser. Dort werden tagesaktuelle Meldungen aggregiert und den Lesern gratis zur Verfügung gestellt. Das Portal hat zudem in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Portal BuzzFeed die Website Buzz-Feed Japan ins Leben gerufen, die sich im vergangenen Jahr durch diverse Aufdeckergeschichten als echte Konkurrenz zu führenden Zeitschriften wie Bunshun und Shincho etablieren konnte. Holistisch gesehen hat der Zeitschriftenmarkt allerdings bei der digitalen Transformation eindeutig die Nase vorn. Die wichtigsten Protagonisten verdienen inzwischen allesamt ein anständiges Zubrot über den Vertrieb ihres Contents auf Video und Mobile-Plattformen.

Digitaler Vorreiter. Die weltgrößte Wirtschaftszeitung Nikkei hat im Gegensatz zu vielen ihrer printfokussierten Konkurrenten bereits begonnen, in die digitale Zukunft zu investieren. 2015 übernahm sie die Financial Times und profitierte prompt von deren Expertise im Bereich digitaler Abonnements. Inzwischen kann Nikkei selbst auf eine halbe Million Digitalabos verweisen und bedient sich zudem im regen Contentaustausch am reichhaltigen Artikelbuffet der FT-Redaktion. Der Wettbewerb um die digitale Landkarte ist in Japan jedenfalls voll entbrannt. News-Apps konkurrieren mit Social Media und traditionellen Media-Outlets. Mit einem Blick auf die bewegte Geschichte des Landes lässt sich zumindest eines mit Sicherheit sagen: Gewinner wird derjenige sein, der es am besten versteht, Innovation mit Leservertrauen zu verknüpfen.




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