MEDIENSZENE WEST

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Das war 2016

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Überraschend, enttäuschend, turbulent

Es war ein spannendes Jahr, manchmal vielleicht sogar zu spannend. So etwa am Abend des 22. Juni. Obwohl der dritte und letzte Spieltag läuft und Österreich Tabellenletzter ist, haben die heimischen Kicker noch die Chance auf den Aufstieg. Bei der Fußball-EM in Frankreich fieberten bei 51 Partien über zwei Millionen Zuschauer mit. Besonders für die österreichischen Fans war es ein wichtiges Ereignis. Zum ersten Mal hat sich die österreichische Nationalmannschaft für eine Europameisterschaft sportlich qualifiziert. Für den EM-Sieg hat es dann doch nicht gereicht. Österreich verliert gegen sympathische Isländer. Das Entsetzen war groß.

Die Qual der Wahl. 2016 war auch geprägt vom längsten Wahlkampf in der Geschichte der Bundespräsidentenwahl in Österreich. Dabei ist das Spektrum an Miseren, von Wahlanfechtung, Wahlaufhebung, Klebstoff-Affäre bis hin zur Stichwahlwiederholungsverschiebung, breit gefächert. Der Ruf Österreichs litt etwas, und so manch einer wollte schon zum Bananen anbauen beginnen. Nach einem elfmonatigen Wahlkrampf wurde schlussendlich Alexander Van der Bellen zum neuen Bundespräsidenten gewählt.

Mit dem Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl machte sich Fassungslosigkeit breit. Im Netz versuchten viele dem Ergebnis mit Galgenhumor zu begegnen. Die Wahl zeigte auch, welchen Einfluss Fake-News in den sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Twitter, auf den Wahlausgang hatten.

Einen ebenfalls unerwarteten Werdegang nahm das Votum zum Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Bevölkerung stimmte für den Brexit - die damit einhergehenden Auswirkungen haben nicht lange auf sich warten lassen. Eine andere Wahl, nämlich die zum neuen ORF-Generaldirektor, verlief hingegen relativ reibungslos. Hier setzte sich Alexander Wrabetz wie erwartet gegen Richard Grasl durch.

Turbulenzen und Jagdfieber. In der Medienbranche ging es drunter und drüber. Den größten Schocker lieferte Red Bull Media House mit der aus heiterem Himmel verkündeten Einstellung von Servus TV. Die Erleichterung war groß, als nach zwei Tagen das Aus vom Aus feststand. Die Hintergründe sind noch immer unklar, gemunkelt wird über eine geplante Betriebsratsgründung, die beim Eigentümer wenig Begeisterung ausgelöst hat.

Unter welchem Druck Printmedien stehen, hat sich mit der Einstellung von WirtschaftsBlatt und wirtschaftsblatt.at gezeigt. Mit dem Ende der Wirtschaftszeitung heizte sich die Diskussion um die Presseförderung an. Auch das Seitenblicke Magazin ist eingestellt worden, und die Verlagsgruppe News musste aufgrund hoher Verluste den Sparstift ansetzen.

Bei ATV herrscht ebenfalls Aufregung: Der Eigentümer Helmut Kloiber will aus dem Privatsender aussteigen. An wen der Sender verkauft wird, ist noch nicht bekannt. Erfreuliche Nachrichten bringt das Comeback des Monatsmagazins Datum.

Auch Wolfgang Fellner feiert - nämlich seinen neuen News-Sender OE24 TV am Fernsehhimmel. Einen wichtigen Schritt stellt das EU-Leistungsschutzrecht dar. Damit soll es Verlagen möglich sein, Geld von Google und Co bei der Verwendung von Zeitungsartikeln zu erhalten. Bis Ende 2017 soll der dazugehörige Entwurf in den EU-Mitgliedsstaaten angenommen werden.

Ein besonderes Highlight im Sommer 2016 war der Hype um Pokémon Go: Es lockte zahlreiche Jugendliche und Junggebliebene auf die Straßen und Parks, um Pokémon-Monster zu jagen.

Was kommt? Mit der Wahl Trumps zum 45. US-Präsidenten, dem Brexit und den Turbulenzen in der EU stellt sich die Frage: Wie wir des weitergehen? - es bleibt abzuwarten. Eine andere wichtige Frage, mit der wir uns 2017 beschäftigen werden, ist: Kommen erhöhte Rundfunkgebühren? Noch im Dezember dieses Jahres will Wrabetz über das ORF-Budget und somit über eine anstehende Gebührenerhöhung abstimmen.

Im Frühjahr des kommenden Jahres findet die Enquete zur Presseförderung statt - welche Reformen dabei durchgesetzt werden, wird sich zeigen. Abseits dessen findet im Feber 2017 die Ski-WM in St. Moritz statt.




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