MEDIENSZENE WEST

Social Media oder Videojournalismus sind Ausbildungssparten, in die der Westen speziell investieren will

Dem Westen viel Neues

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Angebot und Nachfrage bestimmen, wie gut der Mediennachwuchs ausgebildet wird

Wolfgang Chmelir, Leiter der Oö. Journalistenakademie, hält sein Angebot für gut: „Mit der Akademie haben wir eine Aus- und Weiterbildungseinrichtung, die von allen großen Medien des Landes getragen wird.“ Neben Grundkursen und Aufbauseminaren biete man mit der Lehrredaktion auch ein einzigartiges Ausbildungsmodell, bei dem sechs junge Journalisten für zwei Jahre an der Akademie angestellt sind und während dieser Zeit Praktika in den wichtigsten Redaktionen durchlaufen. Generell sieht Chmelir „den Trend, junge billige Leute ohne viel Vorwissen ins kalte Wasser zu stoßen. In Oberösterreich gehen wir mit Unterstützung der großen Medien, des Landes und der großen Unternehmen zum Glück einen anderen Weg.“ In jedem Fall müssen Web 2.0 und Social Media in den nächsten Jahren noch stärker einfließen: „Die Journalisten von morgen müssen auf verschiedensten Plattformen zu Hause sein, ihre Inhalte über Text, Bewegtbild oder Ton aufbereiten können.“


Kleiner Markt. Skeptisch ist Ulrich Herburger, Hochschullehrer für Video und Medienkommunikation an der FH Vorarlberg. Seiner Meinungnach wird ganz im Westen zu wenig geboten, um den Mediennachwuchs zu halten. „Der Schwerpunkt beim Studiengang InterMedia liegt im Bereich Mediengestaltung und nicht im journalistischen Bereich“, so Herburger. „Um aber eine Vertiefung im Bereich Videojournalismus zu ermöglichen, haben wir gemeinsam mit der FH St. Pölten und dem KfJ den akademischen Lehrgang Videojournalismus gegründet.“ Teilnehmer erlernen in zwei Semestern videojournalistische Grundlagen, Themenfindung, Recherche, Kameraarbeit und Postproduktion, aber: „Für unsere Bachelor-Absolventen sind 2.900 Euro pro Semester einfach zu teuer. Daher konnte der Lehrgang erst einmal durchgeführt werden.“ Herburger beklagt, dass viele Unternehmen weder Arbeitszeit noch bzw. kaum finanzielle Unterstützung bereitstellen. Auchder Nutzen sei zu hinterfragen: „Da FH-Studiengänge immer eine entsprechende Nachfrage nach Arbeitskräften nachweisen müssen, bin ich skeptisch. Denn Medienjobs werden derzeit eher abgebaut als aufgestockt.“


Erst fordern, dann fördern. Als „enorm wichtig“ bezeichnet der u.a. an der Universität Klagenfurt tätige Kommunikationswissenschaftler Matthias Karmasin eine fundierte journalistische Aus- und Weiterbildung. „Die Nachfrage ist ungebrochen hoch und meiner Meinung nach sollte man darüber nachdenken, Medien nur zu fördern, wenn sie eine entsprechende Aus- und Weiterbildung außerhalb des Arbeitsalltags unterstützen“, so Karmasin. In jedem anderen Beruf werde auch verlangt, „up to date“ zu sein – „warum also gerade nicht im Journalismus?“

Fortbildung ist Pflicht. Elisabeth Wasserbauer vom Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) blickt optimistisch auf das größer und besser werdende Angebot. Sie merkt aber auch kritisch an: „Die Unterstützung öffentlicher Stellen nimmt ab. Das ist schade, denn im selben Maß müssen wir die Kursgebühren anheben. Für freie Journalisten, die sich bilden wollen, ist das ein Problem. Und Fortbildung ist notwendig, denkt man an die Verantwortung, die Journalisten haben, und vergleicht die Branche mit anderen verantwortungsvollen Jobs wie Ärzten oder Anwälten; dort ist Fortbildung Pflicht.“ Einsparungspotenzial gebe es nicht mehr: „Wir haben uns immer schon auf das Wesentliche konzentriert: gute Trainer mit engagierten Journalisten auf Augenhöhe zusammenzubringen. Daher können wir nicht billiger arbeiten.“

Infos:
Oberösterreich: www.journalistenakademie.at ,Salzburg: www.kfj.at, www.uni-salzburg.at ,Kärnten: www.uni-klu.ac.at, Vorarlberg: www.fhv.at, www.medienhaus.at


Autor: Sabine Karrer


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