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Der Sender von nebenan

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In Radio und TV kommt Regionalität gut an. Neben Veranstaltungen aus dem Umfeld können lokale Sender auch Schwerpunkte abseits des Mainstreams setzen

"Feuerteufel von Linz geschnappt", "Wahl zur Miss Integration 2017 in Salzburg" oder der "Ländle TV Regenmesser":Das Programm auf den Regionalsendern erreicht mit seiner Mischung aus lokalen Themen und Service-Meldungen viele Menschen. Durch die Nähe zum Publikum gelten Regionalsender als Alternative zu bundesweiten Programmen. "Unsere Nische ist das unmittelbare Regionale, das, was vor unserer Haustür passiert", sagt Marcin Kotlowski, Geschäftsführer bei WH Medien und beim überregionalen Fernseh- und Contentvermarkter R9. Der Wiener Lokalsender W24 setzt beispielsweise auf Formate, die die regionale Verbundenheit des Senders unterstreichen: Regionale Restaurants, Künstler und Musiker werden in den Vordergrund gestellt. Ein wichtiger Faktor bei der Programmgestaltung sei, eine unmittelbare Beziehung zu den Sehern herzustellen. "Auch unsere neuen Formate bei R9 gestalten wir als Service- und Wohlfühlfernsehen für das unmittelbare Umfeld der Bürger."

Grätzel-TV. Dabei geht es bei Regionalsendern nicht immer nur ums Wetter und die Veranstaltungen im Ort. Lokalmedien haben sich Nischen gesucht und produzieren Programm abseits vom Mainstream. Dass eine Wohnanlage schon regional genug für einen Fernsehsender ist, beweist "Wohnpark TV" in Alterlaa in Wien. "WPTV ist ein offener, parteiunabhängiger Kanal und ist für alle Wohnparkbewohner, die am UPC-Hauskabel angeschlossen sind, empfangbar", teilt Brigitte Sack von WPTV mit. Rund 3.500 Haushalte erreicht der Sender. Zu sehen gibt es unter anderem Ratschläge aus der "Trickkiste", das Wochenhoroskop oder "Tausche, Biete, Suche". Die Messe aus der Wohnparkkirche wird live übertragen. Das Programm besteht aus Sozialprogramm wie Informationen aus Alterlaa und Umgebung, einer ständig aktuellen Wetterprognose und auch aus Bild- und Filmbeiträgen der Bewohner. Der Sender versteht sich als offener Kanal.

Amerikanisch-österreichische Connection. Als Radiosender gegen alternative Fakten vorgehen - das will Freies Radio Innsbruck ("Freirad") unterstützen. Von April bis Juni 2017 strahlt der Sender deshalb dreimal in der Woche "DemocracyNow!" aus. Das ist eine einstündige Sendung, die über Pacifica Radio, das größte nichtkommerzielle Radionetzwerk der USA, gespielt wird. Themen sind unter anderem Friedensbewegungen, Menschenrechte, Minderheiten, Migration und Gender.

Man muss aber keine Allianz gegen Trump bilden, um Freirad mitgestalten zu können. Freirad sieht sich als fördernde Plattform für regionalbezogene Kunst- und Kulturschaffende. Es will als Sprachrohr für unterrepräsentierte Minderheiten dienen und die Meinungsvielfalt sowie Kommunikation und Diskussion im regionalen Raum fördern. Radio machen kann deshalb jeder: egal, ob Privatperson, Gruppe oder gemeinnützige Organisation. Voraussetzung sind allerdings die Teilnahme an einem Radioseminar und die Mitgliedschaft im Verband Freier Radios.

Religion im Radio. Eine "spannende Reise durch die Bibel" gibt es jeden Tag in Kärnten: Radio Real ist ein evangelikaler Sender in Radenthein und Umgebung (Bezirk Spittal an der Drau). Ehrenamtliche Mitglieder aus verschiedenen christlichen Konfessionen gestalten das Programm, das ausschließlich über Spenden finanziert wird. 60 Prozent des Programms kommt vom Evangelischen Rundfunk. Die Musik reicht von Gospel über Schlager und Chorgesang bis hin zu Pop und Rock. Das Programm dreht sich laut Radiosender um das Leben. Im Programm finden sich Gebetssendungen ebenso wie "Sendungen zum Querdenken" und Talks, die Glauben und Wissenschaft zusammenbringen.




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