MEDIENSZENE WIEN

Copyright: i-picture/fotolia.com

Auf den Flügeln ausländischer Verlagserfahrungen ins digitale Zeitalter


Copyright: v.l.n.r.: Elisabeth Kessler, KlemensGroh, SDM, Jungwirth, Sky

v.l.n.r.: Gerald Riedmann, Russmedia; Michael Eder, Krone Multimedia; Michael Berger, Styria Digital; Klaus Schweighofer, Styria; Christine Schell, Sky Österreich


Vom Ausland lernen

zurück

ReÖsterreichs Medienhäuser agieren nicht nur mit nationalem Fokus. Sie sind über Firmenbeteiligungen mit ausländischen Unternehmen verflochten, sie betreiben eigene Niederlassungen im Ausland oder halten ausländische Beteiligungen an Medien.

Wir sind immer auf der Suche nach Dingen, die anderswo schon funktioniert haben", erzählt Gerold Riedmann, Geschäftsführer von Russmedia: "Ich möchte uns ersparen, dass wir Fehler machen, die andere schon vor uns gemacht haben. Manchmal ist das Über-den-Tellerrand-Blicken wie eine kleine Zeitreise." Es gibt Märkte, die weiter entwickelt sind, Smartphones stärker nutzen - oder sich eine sehr schöne Zeitungskultur erhalten haben, erzählt Riedmann: "Wir können und wollen auch niemals alles umsetzen, aber viele internationale Einzelideen waren für uns unglaublich wertvoll. Für unsere erfolgreichen Digitalstrategien im Abo-Bereich waren Austausch-Besuche mit dem Helsingin Sanomat  in Helsinki, Digital-Units in den USA, aber auch deutschen Regionalzeitungen von Schleswig-Holstein bis Augsburg oder Rosenheim sehr wichtig." Michael Eder, Geschäftsführer von Krone Multimedia, kann von ähnlichen Erfahrungen berichten: "Bei unseren Reisen, sowohl in Amerika als auch im europäischen Ausland, standen einerseits technische Aspekte und andererseits das Zusammenspiel der unterschiedlichen Mediengattungen sowohl im redaktionellen als auch im werblichen Umfeld im Fokus." Der daraus resultierende, partnerschaftliche Austausch mit anderen, sowohl alt eingesessenen Medienhäusern als auch jungen Medienunternehmen, habe maßgeblich in der Weiterentwicklung eigener Services geholfen, so Eder.

Auch beim drittgrößten österreichischen Medienunternehmen, der Styria MediaGroup, setzt man auf positive Auslandserfahrungen. "Im Bereich Innovation profitieren wir in Österreich sehr stark von den Unternehmungen und Initiativen aus Slowenien und vor allem aus Kroatien. Unser "InnovationIncubator" hat nicht zuletzt aus Kroatien hervorragende Erfolge zu Tage gebracht, etwa die jüngste INMA-Auszeichnung mit dem "Global Media Award" für JoomBoos, eine YouTube-Plattform der Styria in Kroatien." Diese Plattform, bestätigt auch Klaus Schweighofer, Styria-Vorstand für Media International, konnte als Digital-Format nun nach Österreich geholt werden. Umgekehrt nutzen die kroatischen Styria-Marken viel Knowhow aus Österreich - so zum Beispiel im klassischen Abo-Marketing, so Schweighofer. Vor allem in der digitalen Entwicklung komme es zu grenzüberschreitenden Synergien, beschreibt Michael Berger, Head of Marketplaces der Styria Digital Marketplaces GmbH (SDM), den Prozess: "Zu Beginn der Digitalisierung unseres Kerngeschäfts haben wir von der Partnerschaft mit dem norwegischen Medienkonzern Schibsted sehr profitiert. Gemeinsam gründeten wir 2005 willhaben."

Bei Sky Österreich profitiert man in vielerlei Hinsicht von der Größe und Schlagkraft des Mutterkonzerns, erzählt Geschäftsführerin Christine Scheil: "Viele Funktionen, die unabhängig vom österreichischen Markt abgewickelt werden können, werden zentral von Sky plc mit Sitz in London ausgeführt. Das betrifft zum Beispiel die Entwicklung von Technologie oder den Abschluss von Deals mit Hollywood-Studios". Darüber hinaus erhalte man wr durch einen regelmäßigen Austausch mit internationalen Kollegen wertvolles Know-how und Vergleichswerte für die Einführung neuer Produkte und Technologien, wie zum Beispiel dem Streamingdienst Sky Ticket, so Scheil.

Lernprozesse. Was kann oder soll man in Österreich vom Ausland lernen - und was eher nicht? Russmedia-Manager Riedmann: "Mir geht es weniger ums direkte Übernehmen von Ideen - der Austausch und das Abgleichen von Erfahrungen bringt die Wertschöpfung." Viele innovative Verlage stellen ja auch das Werkzeug ihrer Erfolge der Branche zur Verfügung, setzt Riedmann auf Gegenseitigkeit: "Egal, ob es das Redaktionssystem der Washington Post ist, das - wie unseres - auf WordPress basiert, oder wir im Umkehrschluss auch unsere Lösungen mit "RussmediaSolutions" anderen Verlagen in Deutschland, der Schweiz, aber auch Österreich zur Verfügung stellen." Auch bei Styria glaubt man an einen stetigen Lernprozess, wie CEO Mair bestätigt: "Ich glaube, man kann immer weiter lernen. Der kroatische und der slowenische Markt sind hinsichtlich der Digitalisierung dem österreichischen Markt um ein paar Jahre voraus. Das gibt uns die perfekte Gelegenheit, Dinge und ihre Wirkungauf Leser, User und Kunden zu testen und sie dann auch für Österreich zu adaptieren." In Zeiten, in denen Google, Facebook und Amazon zu den direkten Wettbewerbern zählen, gelten andere Spielregeln als im bisherigen nationalen Mediengeschäft, blickt SDM-Chef Berger in die Zukunft: "Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich das Geld, das Google und Facebook in die Produktentwicklung investieren, allein aus dem österreichischen Markt zurückholen. Es wird sehr schnell klar, dass man sich deutlich internationaler ausrichten muss, wenn man nachhaltig erfolgreich sein will." So hat Styria zuletzt die digitalen Geschäftsmodelle der Marketplaces von Österreich aus nach Kroatien und Slowenien gebracht, erzählt Berger. Fast philosophisch betrachtet Krone-Multimedia-Chef Eder den internationalen Erfahrungsaustausch: "Was wir uns definitiv abschauen können, ist die Kraft zur raschen Weiterentwicklung und den Mut, bestehende Systeme und Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen und umzustoßen."

Sky Österreich-Chefin Scheil hat gelernt, dass es von Vorteil ist, die Kundenkommunikation lokal zu steuern: "Daher haben wir seit einiger Zeit eine eigene CRM-Unit geschaffen, um auf die Bedürfnisse der österreichischen Kunden besser eingehen zu können." 


Autor: Erika Hofbauer


Weitere Beiträge zum Thema:

Sascha Berndl, Geschäftsführer von Infoscreen, spricht im Interview über die Weiterentwicklung des DOOH-Bereichs, Live-Berichterstattung und den Start-up-Spirit im Unternehmen.

Franz Solta hat sein erstes Jahr als Gewista-Boss erfolgreich hinter sich gebracht. Die Zahlen stimmen, der Sales-Bereich wurde mit einer neuen Ausrichtung auf KMU segmentiert, und der Markenpositionierungsprozess ist in vollem...

Personalisierte Streams am Smartphone, Geotargeting und smarte Artikel: Weltweit entwickeln renommierte Medienhäuser Lösungen zur Personalisierung von Nachrichten.

Die Druckereibranche gehört sicherlich zu jenen Wirtschaftssektoren, die in den vergangenen Jahren besonders von wirtschaftlichen Veränderungen betroffen waren. Dennoch gingen einige innovative Unternehmen in die Offensive.

Die in Konkurs befindliche a3 Wirtschaftsverlag GmbH mit Sitz in Mödling (NÖ) wird geschlossen. Eine Weiterführung würde die Konkursmasse gefährden, insgesamt wird von rund 60 Gläubigern berichtet. Darunter befinden sich auch die...