PRODUKTION & VERTRIEB

Tageszeitungen: Alles Tablet?

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Der Tabletboom macht auch vor den österreichischen Verlagshäusern nicht Halt

Seit dem Sommer des vergangenen Jahres ist das Apple iPad auch in Österreich erhältlich. Bei den heimischen Tageszeitungen ist auch heute, mehr als ein Jahr später, die Begeisterung für Tablets zu spüren. Tablet-Apps sollen der Schlüssel zum zukünftigen digitalen Erfolg sein, hier wollen die Verleger das nachholen, was sie mit ihren Internetauftritten nicht geschafft haben: Inhalte kostenpflichtig anzubieten. Heute sind so gut wie alle österreichischen Tagezeitungen mit Tablet Apps für iPad und Co. am Markt vertreten, egal ob Gratis-, Kauf-, Lokal- oder Überregionalblatt.

Salzburger Neuzugang. Als Spätzünder am heimischen Tablet-Markt haben die Salzburger Nachrichten erst Anfang November ihre App „SN/HD“ vorgestellt. Dafür will man hier, im Gegensatz zu vielen anderen Angeboten, die derzeit am Markt sind, mit eigens für die App produzierten Inhalten zahlende Kunden gewinnen. „Wir sind überzeugt, dass Tablets in
den nächsten Jahren boomen werden. Die Vertriebsform des Apps wird eine der wichtigen Vertriebsformen der Zukunft sein“, erklärt Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, die Notwendigkeit des Aufwands hinter der App.Apps als Cash Cows für Tageszeitungen zu bezeichnen, sei allerdings illusorisch, so Koller.


Hoffnungsträger Apple-Kiosk. Das WirtschaftsBlatt bietet schon seit dem österreichischen iPad-Start eine eigene App an. Auf spezielle Inhalte für die App verzichtet man hier. Dennoch soll sich die App auf mittlerweile 130.000 mobilen Endgeräten befinden, wobei sich die Zahl der Downloads in den vergangenen Wochen fast verzehnfacht habe. Grund dafür sei laut Wirtschafts-Blatt-Digital-Geschäftsführer Alexis Johann vor allem der neue iPad-Vertriebskanal „Zeitungski-osk“, über den die digitale WirtschaftsBlatt-Ausgabe seit wenigen Wochen erhältlich ist. Vom „Kiosk“ erwarte man sich auch einen Anstieg der Abos, aktuell gäbe es rund 1.000 zahlende Nutzer des Digital Papers. In Bezug auf Werbeschaltungen in der App zeigt sich Johann optimistisch: „Wir machen damit sechsstellige Umsatzbeträge. Bei keiner Neueinführung eines Produkts hatten wir bisher so schnell eine so attraktive Ertragssituation.“

Fehlende Standards. Auf der Seite der Vermarkter zeigt man sich weniger euphorisch. In Österreich stecke der Markt für Tageszeitungs-Apps noch in den Kinderschuhen, sagt Martin Trzebin von Goldbach Audience. Noch könne man bei hier bei weitem nicht von Reichweiten sprechen, die für die Werbung interessant wären, zudem fehlen auch Standards im Bereich der Messung: „Nur die Download-Zahlen der Apps anzugeben, reicht nicht. Hier braucht man sicherlich valide Reichweitendaten.“ Außerdem sei es laut Trzebin notwendig, Standards auch im Bereich der Werbeformen zu entwickeln. Erst wenn diese Grundvoraussetzungen erfüllt sind, könne der Tablet-Markt auch für Werbekunden an Bedeutung gewinnen.


Autor: Claudia Grünwald


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