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In Datensätzen finden Journalisten gute Geschichten, weiß Peter Sim. Er ist seit 2013 Teil des Dossier-Teams, das unter anderem mit Recherchen zur Lebenssituation von Asylsuchenden bekannt wurde


Der (Daten-)Schatzsucher

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Daten sind alles andere als langweilig. Das vermitteln Peter Sim und seine Kollegen jungen und freien Journalisten im Rahmen der "DOSSIER: Academy". "Oft haben angehende Journalisten Angst vor Zahlen, aber sobald sie merken, wie leicht es sein kann, Geschichtenschätze aus Datensätzen zu heben, verlieren sie die Berührungsängste", weiß er. Tatsächlich sind es nicht alleine die Zahlen, die den 35-Jährigen faszinieren. Ginge es nur danach, würde der studierte Volkswirt vielleicht heute noch für die Statistik Austria arbeiten. Damals hatte er das Berufsbild Journalist gar nicht vor Augen, was sich jedoch durch die Lektüre von Friedrich Torbergs "Tante Jolesch" ändern sollte: "Dort kommen Journalisten ziemlich gut weg, also wollte ich selbst einer werden", lacht er. Kurzerhand schrieb er sich an der FHWien für Journalismus ein und stieß 2013 zum noch jungen Projekt Dossier (www.dossier.at). Seither ist er dort einer der Datenspezialisten und macht diesem Ruf alle Ehre: "Andere öffnen in der Früh als Erstes Word, bei mir ist es Excel."

Als besonders aufregend hat Simbis heute die monatelange Recherche zur Lebenssituation von Asylsuchenden in Erinnerung, mit der Dossier 2013 viel Aufsehen erregte. Solche Systemgeschichten mag er besonders gerne: "Klar kann und soll man auch über Einzelschicksale berichten, aber dadurch alleine ändert sich meiner Meinung nach selten etwas. Um an den richtigen Schrauben zu drehen, muss man die Stärken und Schwächen eines Systems kennen. Die versuchen wir zu finden und darüber zu berichten." Dafür war Sim mit Kollegin Sahel Zarinfard in mehr als hundert Asylquartieren. Klar, dass das auch immer mehr zur Routine wurde: "Anfangs haben wir eine Stunde mit den Menschen geredet, um zu erklären, was wir machen und um in deren Zimmer eingeladen zu werden. Nach ein paar Wochen mussten wir dann nur noch ein paar Sätze sagen." Wenngleich es manchmal schwierig sein mag, die nötige Distanz zu wahren, ist das für Sim genauso wesentlich, wie unabhängig zu bleiben und die Recherche ergebnisoffen anzugehen.

"Sehr nahe am Traumjob" ist für ihn die Stelle bei Dossier, sagt er. Die Arbeit im Team, die unterschiedlichen, fordernden Arbeitstage und das "Detektiv-Spielen", womit er etwa seine Undercover-Recherche zum kleinen Glücksspiel meint. Auch wenn er in der Redaktion den "Detektivmantel" gegen Hausschlapfen tauschen muss: "Als junges Medium müssen wir sparen, daher kommt die Reinigungskraft nur alle zwei Wochen", schmunzelt er.


Autor: Sabine Karrer


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