REDAKTION

Copyright: Sabine Karrer

Im Newsroom von derstandard.at hat die Chefin vom Dienst, Olivera Stajić, immer alles gleichzeitig im Blick: von der Startseite über die Zugriffsstatistik bis hin zum Weltgeschehen


„Ich bin eine Rampensau“

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Manchmal sind es die schlimmen Ereignisse, die Olivera Stajić, Chefin vom Dienst bei derStandard.at, um den Schlaf bringen. Etwa der Putschversuch in der Türkei oder das Attentat auf einen Istanbuler Nachtklub zum Jahreswechsel. Dann nämlich endet ein Spätdienst nicht um 21 oder 22 Uhr, sondern selbst eine Silvester- wird zur Recherchenacht. Der Zusammenhalt in der Redaktion sei aber groß, betont sie: "Wenn so etwas passiert, rufen Kollegen auch an und sagen: 'Ich komm' vorbei'. "Normale Arbeitstage als CVD sind in Früh- und Spätschichten aufgeteilt, beinhalten unter anderem interne Redaktionssitzungen und die Mittagskonferenz gemeinsam mit den Print-Kollegen. Vormittags geht es vor allem darum, welche Themen anstehen, nachmittags darum, welche Geschichten aus der gedruckten Ausgabe vorab online erscheinen und was für den nächsten Tag vorbereitet werden kann. Außerdem wacht die 38-Jährige darüber, dass über den Tag verteilt regelmäßig neue Inhalte erscheinen, diese gut gewichtet und die Titel optimiert sind. An erster Stelle steht immer die Hauptseite, über die trotz steigender mobiler Zugriffe nach wie vor die meisten Leser kommen.

Meistens sitzt Stajić vor 20 gleichzeitig geöffneten Tabs und Fenstern, hat die Nachrichten, nationale und internationale Medien und die Zugriffsstatistik fest im Blick. Neben diesen und weiteren redaktionellen Aufgaben leitete sie bis zur kürzlichen Einstellung von daStandard.at den "Tschuschenstandard", den sie 2009, damals noch als Freie, aufgebaut hatte. Das Thema Migration wird aber weiterhin wichtig bleiben, das ist ihr schon durch ihre eigene, eine "doppelte Migrationsgeschichte" (Stajić wuchs in Bosnien auf, ihre Eltern, "Gastarbeiter" in Wien, holten sie zu Kriegsbeginn 1992 nach Österreich) ein Anliegen, ebenso wie es Frauen- und Medienthemen sind. So kritisiert sie etwa das weitgehende Fehlen echter Medienkritik und, mit Blick auf die Presseförderung neu, dass die Entscheidungsträger die Digitalisierung verkannt hätten. Dafür, dass sie sich kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Stajić nicht zuletzt auf Twitter und Facebook bekannt, wo sie allerdings immer wieder Angriffen ausgesetzt ist. "Ich bin aber auch eine Rampensau und weitgehend abgehärtet", sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: "Das erspart mir oft zwei Espressi, weil es sofort munter macht."


Autor: Sabine Karrer


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