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Österreich ist einzigartig. Auch was das Thema Paid Content betrifft. Das sich gerade in Entwicklung befindliche Projekt Media Pay, eine Kooperation von APA und acht österreichischen Printverlagen, soll helfen, die Bandbreite an Bezahlmöglichkeiten für die Österreicherinnen und Österreicher zu erweitern. Die medienübergreifende und unabhängige Bezahl-Plattform für digitale Inhalte von Zeitungs- und Magazinverlagen will vom Verkauf einzelner Artikel über Trials, Tests und Aktionen bis hin zum Verkauf von Abos und Flatrates die zugkräftigsten erprobten digitalen Bezahlmodelle auf den Markt bringen. Das Projekt wird von Googles Digital News Initiative (DNI) unterstützt, um Innovationen im digitalen Journalismus zu fördern. Doch was hilft alles Geld und der Zusammenschluss zu Allianzen, wenn weiterhin der übermächtige ORF mit seiner Nachrichtenwebsite alle Zugriffszahlen der Konkurrenz in den Schatten stellt und jede relevante Nachricht innerhalb von Stunden genau dort kostenlos zur Verfügung stellt? Was hilft ein bunter Regenbogen an Bezahlmöglichkeiten, wenn das Volk so gar nicht gewillt ist, diese anzunehmen? Wie der Reuters Digital News Report 2017 erhoben hat, sind nur sieben Prozent der Bevölkerung bereit, für Online-Nachrichten Geld auszugeben. Übrigens ebensowenige wie in Deutschland. Und gleichzeitig steigt die Ad-Blocker-Nutzung über alle Plattformen hinweg. Der Kurier hat nun für sich mit der Einführung der Datenschutzgrundverordnung im Mai einen Weg ausgemacht, Nutzer zum finanziellen Beitrag zu motivieren. Wer bereitwillig seine Daten zur Verfügung stellt, kann weiterhin gratis die Nachrichten konsumieren, wer sich verweigert, wird zur Kasse gebeten. In den Grundzügen ein sehr ähnliches Modell, wie es derStandard.at bereits im Mai 2017 mit seinem Fair-Use-Abo eingeführt hat. Dass die Verlage und allen voran die Tageszeitungen vehement um neue Abokunden kämpfen, ist angesichts der globalen Konkurrenz auf dem Digitalmarkt mehr als notwendig. Wie im Reuters Report dargestellt, hat für fast die Hälfte der befragten Medienmanager das Abogeschäft als wichtigste Säule grundlegende Bedeutung. Doch so attraktiv der kontinuierliche Geldstrom ist, darf dabei nicht vergessen werden, wie viel Geld in die Bemühung fließt, a) einen Abonnenten zu gewinnen und b) ihn zu halten. Geschweige die Energie, die hinter Mitgliedschaften steht, und was dem modernen Leser in der Folge von Nachrichtenprodukten bis hin zu Veranstaltungen alles geboten werden muss, um ihn dauerhaft an die Marke zu binden. In diesem Fegefeuer aus halbwegs stabilen Printabsätzen und nicht aufzuhaltender Digitalisierung inklusive globaler Konkurrenz am Werbemarkt wird es für einen florierenden österreichischen Medienmarkt von wesentlicher Bedeutung sein, dass der ORF sich aus seiner starren Position heraus entwickelt und gesamtheitliche Entscheidungen trifft. Wenn etwas aus den endlosen Diskussionen der letzten Jahre zu lernen ist, dann dass die Politik als Zünglein an der Waage die allgemeinen Rahmenbedingungen ändern wird müssen. Die Medienmanager des Landes hoffen gesamtheitlich auf die kommende Medienenquete und die daraus resultierenden Entscheidungen für Österreich. Mögen sie das Überleben vieler, auch kritischer Medien für die Zukunft sichern! Ihre Tatjana Lukáš