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© ip österreich; kurier
Walter Zinggl, GF IP Österreich; Martin Gaiger, GF Telekurier

Apple plant in verschiedenen Bereichen neue Services und Angebote abseits von iPhone  Co. Kritik seitens der Verlage gibt es auch schon.

Von neuen Abo-Angeboten bis zum baldigen Streamingdienst à la Netflix – Apple gibt sich derzeit große Mühe, sich vom bisherigen Geschäftsmodell mit Entwicklung und Verkauf von iPhones & Co. zu lösen. So verhandelt der Konzern mit US-Medienhäusern über ein neues Abo-Angebot, das ähnlich wie Apple Music funktionieren soll. Viele Publisher sehen diese Entwicklung jedoch kritisch, würde doch die Flatrate in den meisten Fällen günstiger sein als ein Digital-Abo bei nur einer Zeitung – und das würde die Umsätze einbrechen lassen. Warnungen kommen diesbezüglich beispielsweise von Spotify-Gründer Daniel Ek oder auch NYT-CEO Mark Thompson. Darüber hinaus kündigt Apple einen Video-Streamingdienst ab Herbst an, wo eigens beauftragte Serien und Filme Interessierten angeboten werden. Eine eigene Apple Kreditkarte soll potenzielle Kunden noch intensiver im Apple-Universum halten. Wie schätzen heimische Medien-Experten diese Entwicklung ein?

Viele Fragen. „Diversifikation, also das Angebot neuer Produkte oder Dienstleistungen, ist absolut legitim für jeden Marktteilnehmer“, lautet die erste Einschätzung von Walter Zinggl, Geschäftsführer von TV-Vermarkter IP Österreich. Das Angebot von Apple sei jedoch aktuell nicht zu bewerten: „Zu diffus und allgemein gehalten ist die Beschreibung des Angebots, der Zeitplan zur Ausrollung etc. Die große Frage aus Konsumenten-Sicht lautet eher: Wieviel Monatsbudget soll oder kann ich ausgeben, um Services zu erhalten, die im Free-TV – finanziert durch Werbung – frei ins Haus geliefert werden?“ Er sieht hier – nach einer Phase des „honeymoons“ – in einigen Zielgruppen eine große Chance für frei empfangbare Sender. „Aus der Sicht der Werbetreibenden wird durch die – auch durch solche Services gesteigerte – Fragmentierung das schnelle Erreichen großer Zielgruppen noch komplexer. Auch das stärkt die Position der Free-TV Sender am Markt“, ist Zinggl überzeugt. Die marktpolitische Frage sei, wie viele Konsumenten bereit sind, (auch für Services ohne Werbung) direkt zu bezahlen – und ob das nicht ein Hinweis darauf sei, die Werbeblöcke in Angeboten mit Werbung durch weiteren Preisdruck nicht noch weiter auszudehnen.

Gesamtkonzept. Kurier Digital-Chef Martin Gaiger muss zunächst Respekt zollen: „Apple hatte zu Beginn des Jahres verlautbart, dass es weltweit mehr als 1,4 Milliarden aktive Apple Devices gibt. Da ist es nur konsequent, neue Wertschöpfungsketten aufzubauen.“ Apple verstehe den Bedarf seiner Kunden, mit einem System – coole Hardware und leicht bedienbares System – verschiedene Services nutzen zu wollen, erläutert Gaiger. Dazu gehören eben Musik, Filme und Serien, Spiele und auch News: „Und all das wird in Zukunft mit der Apple Credit Card bezahlt werden können. Ein geniales Gesamtkonzept.“ Natürlich haben es dadurch Mitbewerber wie Netflix oder Spotify nicht einfach, werden aber nach wie vor beträchtliche Teile des Marktes bedienen, ist Gaiger überzeugt. Was wird seiner Meinung nach kommen? „Die Veränderung in der Mediennutzung passiert immer dynamischer. Je jünger das Publikum desto mehr. Das führt zu beträchtlichen Verschiebungen von Erlösen“, erklärt der Kurier Digital-Chef. YouTube, Facebook, Instagram, Twitter, Flipboard, Google News u.v.m. seien zwar die neuen Kioske, dennoch können starke Marken – wie eben auch der Kurier – beim Konsumenten bestehen und kommerziell überleben. Das passiere in jeder Mediengattung, so Gaiger: „Im Segment von Filmen und Serien wächst der Druck von Netflix, Apple, Google und Amazon auf klassische TV-Angebote. Daher richten alle wichtigen TV-Sender Online-Videoangebote ein und schaffen mit mehr Eigenproduktionen und regionalen Inhalten neue Angebote für die Konsumenten.“

Ängste gerechtfertigt? „Das wesentliche Thema ist das „level playing field“, also faire und gerechte Bedingungen für alle Marktteilnehmer. Solange bzw. sobald diese gegeben sind, gibt es keinen Grund zur Furcht“, ist IP Österreich-Chef Zinggl überzeugt. Das Problem läge eher woanders: „Apple & Co. erschweren durch das legale Ausnützen von Gesetzeslücken die gerechte und gleichwertige Behandlung aller Marktteilnehmer. Hier ist die Politik gefordert!“ Ähnlich sieht dies auch Martin Gaiger: „Angst ist kein guter Ratgeber. Sich um Geschäftsentwicklungen zu sorgen, ist das Alltagsgeschäft erfolgreicher Manager. Manche Entwicklungen kann man notfalls bekämpfen – siehe DSGVO, Leistungsschutzrecht, Wettbewerbsrecht – oder man adaptiert seine Angebote. Aktuell passiert beides.“