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Von der Idee zum realen Unternehmen

© Philipp Lipiarski; Privat; Christoph Steinbauer
C. Schmidgruber, Helperline; T. Farkas, Linuru; F. Kandler, gefunding.how

Bis die Gedanken über ein Start-up umgesetzt werden können, ist es oft ein langer Weg. Junge Wiener Gründer teilen im MedienManager ihre Erfolgsgeschichten und geben Tipps, wie auch Ihre Geschäftsidee bald Wirklichkeit werden könnte.

Wien ist eine attraktive Stadt mit hohem Lebensstandard und guter Infrastruktur. Der beste Ort also, um sein Glück mit einem eigenen Unternehmen zu versuchen. Bei so guten Voraussetzungen möchte man meinen, dass Wiens Start-up-Szene boomt. Dem ist aber nicht so. Laut der „Jungen Wirtschaft“ der WKO schneidet Wien im internationalen Vergleich unter den großen Startup- Zentren wie London oder Berlin eher durchschnittlich ab. Es sind vor allem die gesetzlichen Hürden, die sich Gründern in den Weg stellen. Dass Österreichs Hauptstadt für ambitionierte Self-made-Millionäre so einiges zu bieten hat, muss Wien also in den kommenden Jahren weiterhin unter Beweis stellen.

Bedarf erkannt

Eine Lanze für den Unternehmensstandort Wien bricht Clemens Schmidgruber, CEO und Co-Founder der Plattform „Helferline“: „Überall hört man immer nur, wie langsam, bürokratisch oder altmodisch das Ökosystem in Wien beziehungsweise in Österreich sei. Die Gründung unserer GmbH war innerhalb kürzester Zeit erledigt. Von den diversen Beratungs- und Förderstellen der Stadt, der WKO und des Bundes gab es wertvolle Unterstützung und dank des aktuellen Start-up-Hypes gibt es auch viel mediale Aufmerksamkeit. Die vermeintlichen bürokratischen Hürden sollten also niemanden von der Gründung abschrecken.“
Helperline ist die Rettung bei Technikproblemen aller Art – egal ob zu Hause, im Büro, am Telefon (via Fernwartung) oder im neuen Service-Shop in Wien. Besonders beliebt ist der günstige Vor-Ort- Service: Für nur 14 Euro pro Viertelstunde kommt ein Helferlein zum Kunden nach Hause und behebt Probleme rund um Computer, Internet, TV, Handy und Co., berät unabhängig beim Kauf und/oder übernimmt die Installation neuer Geräte.
„Als technikaffine Person kamen schon ab der Schulzeit Freunde und Verwandte zu mir, die Hilfe bei technischen Geräten brauchten. Der Bedarf an einem Technik-Service für Privathaushalte war also rasch erkannt. Die wirkliche Herausforderung war es dann, die Dienstleistung so günstig anbieten zu können, dass sie auch von Nicht- Firmenkunden jederzeit in Anspruch genommen werden kann“, so Schmidgruber. Die Lösung: Anstatt einiger weniger Mitarbeiter setzt Helperline auf ein Netzwerk aus Hunderten selbstständigen Technikern. Dadurch sind Mitarbeiter- Auslastung und kurzfristige Storni kein Problem, für Einsätze am Abend oder am Wochenende gibt es keinen Aufpreis, und in der Regel fallen keine Anfahrtskosten an, da die Techniker („Helferlein“) über die ganze Stadt verteilt sind. Kunden ersparen sich zudem die Mehrwertsteuer, da die Techniker Kleinunternehmer sind, und das Beste: „Wir können für jedes Problem einen passenden Spezialisten schicken“, erklärt Schmidgruber.

Netzwerken 2.0

Dass eine Unternehmensgründung keine Frage des Alters ist, beweist der 17-jährige Schüler Tim Farkas. Gemeinsam mit seinem Business-Partner hat er das Networking-Tool „Linuru“ gegründet. „Linuru funktioniert wie eine digitale Visitenkarte“, erklärt Farkas im Gespräch mit dem MedienManager. „Die User geben ihre persönlichen Daten und die Informationen ein, mit denen sie sich in der Geschäftswelt vorstellen möchten. Im sozialen Kontext, beispielsweise bei Networking-Veranstaltungen, scannt man dann gegenseitig den Linuru-Code, und schon sind die jeweiligen Konten miteinander vernetzt. Linuru ist die effiziente Visitenkarte im digitalen Zeitalter.“
Seit Oktober 2018 spukt die Idee der digitalen Visitenkarte im Kopf des Schülers herum. Anfang 2019 wurde sie mit der Entwicklung der App Wirklichkeit. Im Playstore auf dem Smartphone ist sie bereits zu finden. „Gerade sind wir in der Marketingphase. Wir arbeiten an neuen Features und planen Kooperationen mit großen Unternehmen. Hierzu führen wir derzeit Gespräche mit vielen Organisationen, die an unserer App interessiert sind“, so Farkas.
Als generell extrovertierter Mensch fällt es ihm leicht, in der Szene zu netzwerken. „Es macht mir unglaublich viel Spaß, interessante Leute kennenzulernen und innovative, junge Menschen zu finden. Ich habe das Gefühl, Jugendliche meiner Generation leben viel zu sehr in den Tag hinein, lassen das Leben an sich vorbeiziehen und haben gar keine Ambitionen. In der Start-up-Szene ist das ganz anders.“ Farkas und sein Business-Partner haben sich bewusst dafür entschieden, ihre Idee auf eigene Faust umzusetzen. Trotzdem informieren sie sich gerade recht intensiv, was es für Möglichkeiten gibt.

Drei Säulen des Erfolgs

Und Möglichkeiten gibt es viele. Eine davon bietet Florian Kandler mit seiner Webseite www.getfunding.how. Kandler pitch-coacht beispielsweise die Start-ups des PULS-4-Erfolgsformats „2 Minuten, 2 Millionen“ und teilt mit den Zuschauern der TV-Sendung auch seine Pitchtipps auf der PULS-4-Webseite. Im Start-up Report Austria publiziert Kandler seit über vier Jahren jährlich die kompletten Daten und die vollständige Liste der Funding-Deals des Vorjahres und lädt die Gründer der Start-ups ein, in einer Q&A ihr Wissen mit der Community zu teilen. „Ich biete auch Beratung zum Thema Fundraising an. Also wie komme ich mit Investoren in Kontakt und wie beginne ich, diese Schritt für Schritt für mein Business zu begeistern?“, sagt Kandler. Für ihn ist die größte Schwierigkeit, den Gründern klarzumachen, ab wann ein Start-up finanzierbar ist und welches Business-Modell zu den unterschiedlichen Arten von Investoren passt. „Im ersten Schritt geht es immer darum, rechtzeitig eine Beziehung mit dem Investor aufzubauen. Viele haben eine Idee und wollen gleich eine halbe Million dafür, und das ist nicht machbar.“
Kandler spricht drei Säulen des Erfolgs bei der Investorensuche an: „Die erste Säule ist das Geschäftsmodell und wie investorenkompatibel es ist. Die zweite Säule ist die Fähigkeit, die Unternehmensidee so zu präsentieren, um beim Investor Interesse auszulösen, und die dritte Säule ist das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit, die man gegenüber dem Investor aufbauen muss, denn für diesen stellt es ein Risikoinvestment dar.“
Zum Abschluss gibt Kandler zukünftigen Gründern einen wertvollen Tipp mit auf den Weg: „Die wichtigsten Kontakte für Junggründer sind andere, erfahrene Gründer, die bereits Kontakte haben und Brancheninsides zur Verfügung stellen können.“