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„1, 2 oder 3“: Lineare Distribution als Gratwanderung

„Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, besagt ein altes Sprichwort, und geht es nach den Diskussionsteilnehmern Josef Aichinger (R9), Walter Zinggl (IP Österreich) und Michael Radelsberger (Sky Österreich) zum Thema „Distribution: Der wahre Hebel der Macht“, gilt diese Wahrheit in Tagen der Digitalisierung nach wie vor. Fakt ist: Wer bei den Speicherplätzen vorne gereiht ist, wird gesehen, ab Platz 12 wird die Luft schon dünn, egal ob via Kabel, Satellit oder Online. Denn beim Durchzappen bleiben die Zuschauer naturgegeben irgendwo hängen, daran kann in den meisten Fällen nicht einmal gutes Marketing etwas ändern. Wer nicht gefunden wird, wird nicht geschaut. Diese Erfahrung bestätigte auch Walter Zinggl: „Ein Receiver hat um die tausend Programmplätze, und 90 Prozent der TV-Konsumenten verbringen ihre Zeit mit maximal zwölf Sendern. Wenn man auf Platz 248 steht, hat man keine Relevanz.“

Regionalsender benachteiligt

Besonders darunter zu leiden haben laut Josef Aichinger, der just am Tag der Diskussion als neuer Bundessprecher der R9 präsentiert wurde, die österreichischen Regionalsender, denen kein automatischer Platz in der vorderen Reihe garantiert ist: „Wenn man nicht unter den ersten 20 dabei ist, wird man selten geschaut. Da muss man schon sehr guten Content liefern, damit man aktiv gesucht wird. Und gesucht wird er durchaus, aber oft nicht gefunden.“ So wenig überraschend die Zugeständnisse an die Macht des Listenplatzes waren, desto mehr überraschte die Offenheit auf die Frage, ob Geld Listenplatzierungen beeinflussen könne. Sowohl Zinggl als auch Aichinger bejahten die Frage ganz klar, wobei Ersterer postulierend hinzufügte: „Dass man in Österreich immer gefragt wird, was man für die Listenplatzierung zahle, gibt es nur in Österreich. In Deutschland gibt es eine Liste, die von einem Ausschuss erstellt wird, und an die hält sich jeder.“

Politischer Rahmen

Bereits die letzte Regierung hat sich dieses Themas angenommen, jedoch ohne an die Regionalsender zu denken. „Damals war der Plan, dass wir aus den Top 120 rausfallen, weil wir nicht österreichweit senden. Dann kann man mir gleich sagen: Dreht euren regionalen Sender ab, wir brauchen euch nicht“, artikulierte Aichinger seinen Ärger und verwies dabei auch gleich auf ein kürzlich publiziertes Weißbuch vom Verein Österreich-Liste, dass sich für ein einheitliches Regelwerk einsetzt und dementsprechend Vorschläge unterbreitet. Diesem Qualitätsbewusstsein mit Fokus auf regionalen Content konnte sich auch Michael Readelsberger einhellig anschließen: „Medien mit österreichischem Content sollten in den Vordergrund rücken, sonst wird es im fragmentierten Markt ganz schwer, zu bestehen.“ 

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BUCHTIPP

Unter dem Motto „Schauen Sie, was Sie wollen – nicht, was Sie finden!“ hat österreichliste.at, der Verein zur Förderung von TV-Programmlisten mit Österreich-Bezug, eine durch IP Österreich, Servus TV, Goldbach Austria, R9 sowie den ORF unterstützte Initiative, ein medienpolitisches Weißbuch veröffentlicht (Download auf österreichiste.at), um einerseits österreichischen TV-Konsumenten einen fairen Überblick über das empfangbare TV-Angebot zu ermöglichen, andererseits um einen fairen Wettbewerb zwischen den TV-Sendern und Medienhäusern auf der Basis europäischen Rechts zu garantieren.