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Ich möchte Ihnen Julia vorstellen, meine Lieblingscousine. Seit Monaten jammert sie mir vor, wie schlecht ihr Geschäft läuft und dass sie bald zusperren muss, wenn es so weitergeht. Julia führt einen netten kleinen Blumenladen am Hauptplatz. Er heißt “Pusteblume”. Seit man in jedem Hofer, Billa & Co. lieblos gebündelte Tulpen in Plastikfolie zum Schnäppchenpreis bekommt, alternativ im Internet überteuerte Themensträuße kaufen kann, läuft ihr die Kundschaft fort. Eine Woche später sitze ich bei Julia im Büro und plane mit ihr ihre erste E-Mail-Marketing-Kampagne.

Als erstes muss ich wissen, ob Julia E-Mail-Adressen ihrer Kunden hat. Und tatsächlich hat sie in ihrem Rechnungsprogramm eine ganze Menge Adressen von Kunden gesammelt, die Interesse an ihren Angeboten haben. Ich exportiere die Adressen mit der passenden Anrede in eine Excel-Tabelle. Als nächstes wähle ich mit ihr das richtige Programm zum Gestalten und Versenden ihrer ersten E-Mail-Kampagne aus. Ich rate ihr, sich wegen der DSGVO für einen europäischen E-Mail Service Provider (ESP) zu entscheiden. Julia hätte am liebsten einen deutschsprachigen Anbieter. Julias Angst, sie müsse sich eine spezielle Software auf ihren Firmen-PC herunterladen, kann ich zerstreuen. So gut wie alle E-Mail-Marketing-Programmhersteller arbeiten online. Man meldet sich nur im Internet an und schon kann es losgehen.

Und welchen nehme ich jetzt?, fragt Julia. Auf die Zielgruppe des ESP kommt es an, erkläre ich ihr. Anbieter wie der deutsche Premiumversender sendeffect oder Episerver mit Standort USA wenden sich an Großversender und Konzerne, die Millionen von E-Mails täglich versenden. Ihr Preismodell lohnt sich für Versender wie Julia mit ihrem überschaubaren Versandvolumen nicht. Da hätte ich was Passendes für dich, sage ich zu Julia. Zum Beispiel Mailchimp oder, wenn es deutschsprachig sein soll: Campaign.plus, eine Firma mit Sitz in Deutschland, die von einem Wiener Rechenzentrum aus ihre E-Mails verschickt. Das findet Julia super.

Ich melde also einen Account bei Campaign.plus an, lade mit ein paar Mausklicks die Adressliste hoch und überlege mit Julia, wie wir ihren ersten Newsletter gestalten, der ab jetzt wöchentlich verschickt werden soll. Wir entscheiden uns dafür, alle Empfänger zum ersten Newsletter der “Pusteblume”, dem Blumenladen mit Herz, zu begrüßen und verschenken gleichzeitig einen Gutschein, mit dem sie bei ihrem nächsten Einkauf ein kleines Geschenk erhalten. Aus einer Auswahl von Vorlagen entscheidet Julia sich für eine mit romantisch-verspielter Note, die ihr am besten gefällt. Wir tippen unseren Begrüßungstext direkt in die gestaltete Vorlage und sehen sofort, wie die E-Mail beim Empfänger ankommen wird.

Und wie kommt unsere E-Mail nun zu den Empfängern?, fragt Julia. Darum kümmert sich der ESP, sage ich. Aber dafür, dass sie auch geöffnet wird, müssen wir beide sorgen. Jetzt überlegen wir uns einen kurzen, aber unwiderstehlichen Betreff, der witzig ist, neugierig macht, einen Vorteil verspricht. Kaffee?, fragt Julia. Sehr gerne. Bevor die Kaffeetasse leer ist, steht der Betreff. Per Klick verbinden wir unsere fertige E-Mail mit den hochgeladenen Adressen und ab geht die Post. So einfach geht das?, fragt Julia. Und wie weiß ich jetzt, dass ich meine Kunden auch wirklich erreiche?

Kein Problem, sage ich. Die Statistikabteilung der Software kann sofort sehen, wie unsere Kampagne wirkt. Innerhalb einer Minute sind alle 998 E-Mails verschickt und bereits eine Stunde später sehen wir, dass schon 145 Empfänger die E-Mail geöffnet haben. Vielleicht werden es ja noch mehr, meint Julia optimistisch. Eine Woche später erzählt sie mir, dass noch am gleichen Tag die ersten Kunden in den Laden gekommen sind, um zu ihrem Kauf das in der E-Mail versprochene Geschenk abzuholen. Zwei Wochen später wissen wir, dass unsere E-Mail von 504 Empfängern geöffnet wurde. Und immer noch kommen Kunden in die “Pusteblume”, um ihren Gutschein einzulösen, obwohl Julia seither schon zwei weitere Newsletter versandt hat. Kommst mal wieder auf einen Kaffee?, fragt Julia. Diesmal spendiere ich ein Stück Sachertorte dazu.

Gerne, dann erzähle ich dir auch, wie die Liste deiner Newsletter-Abonnenten ganz schnell länger wird.

Othmar Neuburger