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Der Podcast-Boom ist von den USA auf Europa übergeschwappt! Dabei bieten die Beiträge im Audio-Format auch für KMU-Marketer einige Vorteile, um in Kontakt mit ihrer Zielgruppe zu treten.

In unserer digitalisierten Welt jagt ein Hype meist den nächsten. Waren es gestern noch Plattformen wie Facebook und Instagram, auf denen Unternehmer ihre Zielgruppe gefunden haben, sind die Kunden heute schon wieder zur nächsten Kommunikationsplattform weitergezogen. Der aktuelle Hype ist etwas für die Ohren: Podcast heißt das neue Zauberwort im Online-Marketing.

Totgesagte leben länger. Das Wort Podcast setzt sich zusammen aus iPod und Broadcast und bedeutet zunächst einmal nichts anderes als das Bereitstellen von Medienbeiträgen im Audio- oder Videoformat.

Podcasts sind dabei eigentlich gar keine so neue Erfindung. Die ersten Audioblogs gab es bereits im Jahr 2000, wobei sich der Begriff Podcast seit 2004 aufgrund der Integration in iTunes von Apple entwickelt hat. Plötzlich stagnierte die Entwicklung allerdings, sodass man den Podcasts 2008 ein baldiges Ende attestierte. Doch mit der wachsenden Durchdringung unserer Lebenswelt durch Smartphones wendete sich das Blatt. Der eigentliche Durchburch gelang den Podcasts mithilfe der Medien. Sie entdeckten dieses Format etwa Anfang 2017 zunehmend für sich und fingen an, qualitativ hochwertige Podcast-Formate zu produzieren.

Marketing-Potenzial. Die Audioblogs haben aber auch für das Marketing hohes Potenzial. Der größte Nutzen für die Zielgruppe ist schnell erklärt: Podcasts sind einfach zu konsumieren. Egal, ob auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause, im Fitnesscenter, im Urlaub, bei der Hausarbeit oder im Bett vor dem Einschlafen – der Podcast kann dank Smartphone überall gehört werden.

Auch ein weiterer Vorteil der neuen Plattform hat mit der „Smartphonisierung“ der Welt zu tun: Mit nur zwei bis drei Klicks kann ein Podcast weltweit und ohne Kosten auf einem Smartphone abonniert werden. Zudem benötigt Hören weniger Konzentration als Sehen oder Lesen. In Zeiten sinkender Aufmerksamkeitsspannen
und zunehmender Hektik im Alltag sicherlich ein Plus.

Best Practice. Googelt man „Podcasts aus Österreich“, so stößt man sofort auf „Gründer & Zünder“, das bereits zweite Podcast-Projekt von Start-up-Berater Florian Kandler. Interviews mit erfolgreichen Gründern stehen dabei am Programm. „Das Weitergeben von Wissen ist eine tragende Säule eines jeden Start-ups. Ich persönlich habe davon bei der Suche nach Investoren im Silicon Valley profitiert. Durch meinen Podcast wollte ich einen Beitrag leisten, damit Gründer etwas von anderen Gründern lernen können“, erklärt Kandler seine Motive. In einem Podcast sieht er „eine von vielen Möglichkeiten für Marketer, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu präsentieren“. Jedoch warnt er vor dem etwaigen großen Aufwand und der Fülle an Podcasts, die es bereits gibt. „Als ich vor drei Jahren begonnen habe, habe ich einen guten Ratschlag erhalten: Überleg dir, wie viel Aufwand du für deinen Podcast ein Jahr lang betreiben musst. Wenn du nicht bereit bist, das durchzuziehen, dann fang gar nicht erst an!“

Kritik. Unter dem Aspekt der Vermarktung betrachtet Joachim Feher, Geschäftsführer von RMS (Radio Market Service) den neuen Hype eher kritsch. „Als Vermarketer ist es natürlich schwierig, mit Podcasts Geld zu verdienen“, gibt Feher zu bedenken. „Vermarktung braucht Reichweite und Skaleneffekte.“ Laut Feher haben allenfalls sogenannte „Host-read Ads“ aufgrund ihres hohen Individualisierungsgrades Potenzial. Dabei integriert der Moderator das Produkt oder die Dienstleistung unauffällig in seine Sendung. „Dies rechnet sich in einem großen Land wie den USA, in Österreich ist der Businesscase jedoch schwierig“, so Feher.

Fazit. Podcasts haben den großen Vorteil, dass Inhalte zu jeder Zeit, an jedem Ort und, da die Beiträge auch zum Download angeboten werden, auch offline abrufbar sind. Die Konsumenten hören den Beiträgen ganz gezielt zu. Sie nehmen sich 15 bis 30 Minuten Zeit und informieren sich zu ihrem bevorzugten Themengebiet. Eine optimale Gelegenheit für eine Auszeit in der schnelllebigen Welt, in der Themen zunehmend in kurzen Sequenzen kommuniziert werden. Damit bieten Podcasts die Möglichkeit des Abtauchens vom Alltag mit dem Eintauchen in ein bestimmtes Themengebiet.

Ob Podcasts relevanter Bestandteil im Marketing-Mix sein werden, wird die Zeit zeigen. Für die USA jedenfalls werden für das Jahr 2021 etwa 694 Millionen US-Dollar an Werbeumsätzen prognostiziert.