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Christian Handler, Verband Druck & Medientechnik: „Die Druckbranche hat einen
nachwachsenden Rohstoff und das Endprodukt kann man recyceln.“

Die Druckbranche achtet bereits seit den 80er-Jahren auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Der MedienManager spricht mit Christian Handler vom Verband Druck & Medientechnik über die Umweltbilanz von Druckereien.

MedienManager: Herr Handler, in der Druckbranche wird derzeit Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit großgeschrieben. Handelt es dabei um einen Hype oder ist diese Haltung bereits lange Tradition?

Christian Handler: Umweltbewusstsein hat in der Druckbranche eine lange Tradition. Die Druckbranche war die erste Branche, die bereits in den 80er-Jahren mit dem Österreichischen Umweltzeichen aufwarten konnte. Wo früher viel Chemie zum Einsatz kam und dabei wilde Substanzen in die Kanalisation geflossen sind, wird seit damals bereits mit Alternativen gearbeitet. Die Idee der Nachhaltigkeit stammt eigentlich aus der Vieh- und Forstwirtschaft. Dort wird in Generationen gedacht und mehr angebaut als abgeholzt.

MedienManager: Was tun österreichische Druckereien konkret für die Umweltbilanz?

Handler: Zum einen wird das Arbeiten mit Chemie reduziert, beispielsweise in der Druckplattenherstellung oder durch das Verwenden von Druckfarben auf Basis von natürlichen Rohstoffen. Dadurch, dass die Druckvorstufe komplett digital geworden ist, fällt auch einiges an Chemie weg. Zum anderen wird in puncto Papier in Mitteleuropa mehr aufgeforstet als abgeholzt. In der Forstwirtschaft typisch ist, dass man vom Baum den Kern für das Bauholz verwendet, was an Rinde und Abfall bleibt, ist der Grundstoff für unser Papier. Papier besteht also aus einem Abfallprodukt der Forstwirtschaft. Entgegen der landläufigen Meinung, stirbt bei der Papierherstellung kein Baum. Beim Thema Chemie im Papier ist die Papierindustrie noch gefordert. Chlorbleiche, die in den 60er- und 70er-Jahren noch Flüsse verschmutzt hat, wird zwar nicht mehr verwendet, aber es kommt noch zu einem sehr hohen Energieeinsatz. Es gibt aber schon einige vielversprechende Verfahren in diesem Bereich.

MedienManager: Kann das Prinzip der Kreislaufwirtschaft in der Druckbranche effizient angewandt werden?

Handler: Die Druckbranche eignet sich hervorragend für eine komplette Kreislaufwirtschaft. Wir haben einen nachwachsenden Rohstoff und dank umweltschonender Fertigung kann man das Endprodukt dann entweder recyceln oder es verrottet. Im Gegensatz zu unserer Konkurrenz, den elektronischen Medien, bei denen es sich um Sondermüll handelt.

MedienManager: Kommen wir zum Schluss noch auf das Thema Greenwashing zu sprechen. Handelt es sich beim CO2-Ausgleich um Greenwashing oder nicht?

Handler: Man kann jedenfalls nicht sagen, dass man CO2 vermeiden möchte, indem man Energie spart oder in der Produktion weniger CO2 ausstößt, gleichzeitig aber mit dem Flugzeug fliegt und ein großes Auto fährt. Dann handelt es sich um Greenwashing. Druckereien, die Klimaschutz wirklich ernst nehmen, schauen beispielsweise auch, dass sie einen entsprechenden Wärmeschutz für ihre Gebäude haben, regional einkaufen, damit die Transportwege kurz sind, um den unvermeidlichen Restausstoß von CO2 zu kompensieren. Man muss immer darauf achten, dass man sich beim CO2-Ausgleich in Richtung null bewegt.

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