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Abgespeckte Auflagen

Die Coronakrise hat routinierte Prozesse ganz gehörig durcheinandergebeutelt. Die Erhebung der Auflagezahlen heimischer Zeitungen und Magazine durch die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) war heuer ebenfalls betroffen.

Noch im Juni verlautbarte der ÖAK-Vorstand, dass alles seinen gewohnten Gang gehen werde: „Auflagenmeldung für das 1. Halbjahr 2020 findet ohne Einschränkung statt“, hieß es damals. Freilich räumte man ein, dass es in vielen Branchen, auch bei Verlagen, zu Beeinträchtigungen im Vertrieb gekommen sei: „Der Vertrieb von Hotel-, Bord- und Lesezirkelexemplaren, Gratisentnahmen im öffentlichen Raum und viele Großverkäufe waren gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.“ Dennoch wollte man seitens der ÖAK ein starkes Zeichen pro Print setzen, da „in gewohnter Weise die unterschiedlichen Vertriebswege transparent dargestellt werden.“ Das sahen wohl einige Verlagshäuser anders, wie z. B. Heute, die Verlagsgruppe News oder auch die Mediengruppe Österreich. Die Titel aus diesen Häusern fehlten in der Erhebung des 1. Halbjahres gänzlich. Die Begründung: Da die Zahlen einen Durchschnittswert darstellen, der jedoch durch die Coronakrise stark beeinträchtigt wäre, würden die veröffentlichten Daten verzerrt sein und somit – für die Werbeplanung – nicht aussagekräftig. Grundsätzlich besteht gegenüber der ÖAK Meldepflicht, die bei Nichteinhaltung auch sanktioniert werden kann. Der ÖAK-Vorstand hat jedoch von einer „Bestrafung“ der genannten Verlage abgesehen: Die Pandemie sei als Katastrophe eingestuft worden.


Print-Ergebnisse. Die Auflagezahlen der „verbliebenen“ Titel in der ÖAK zeigten mehrheitlich Rückgänge bei den Printausgaben. Bei den Tageszeitungen konnten lediglich die OÖN annähernd ihr Print­auflagen-Niveau halten. Bei den Zeitschriften waren die „üblichen Verdächtigen“ in Sachen Printauf­lagen-Gewinner zu erkennen: Servus in Stadt & Land, autotouring, aber auch die ORF-Nachlese und – eine Art überdimensionaler Wachstumssieger: der Gewinn.


E-Paper-Ergebnisse. Wirft man jedoch einen Blick auf die ePaper-Zahlen, gehen die Wachstums-Pfeile bei den Tageszeitungen – sowohl die Bundesländer-Zeitungen als auch die überregionalen Titel – deutlich nach oben. Teilweise können die täglich erscheinenden Zeitungen schon auf eine beträchtliche Anzahl Digital-Leser verweisen, und die Tendenz geht weiter nach oben.


Erika Hofbauer