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Der Klimawandel und seine dramatischen Folgen werden häufig kleingeredet – mit diesem Gedankengut werden oft die Wirkungen der qualifizierten Nachhaltigkeit relativiert. Für die Druckbranche geht es dabei um ihren guten Ruf und das nachhaltige Image von Papier als Material aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen.

Der Über den CO2-Fußabdruck von digitalen Medien, im Vergleich zu gedruckten, wurde bereits viel in den Medien berichtet. Unter welchen Voraussetzungen Print oder digitale Medien nachhaltiger sind, hängt an unzähligen Faktoren. Digital versus Print? Je nach Anwendungsszenario haben beide Formate ihre Stärken.
Es besteht jedoch ein belastbarer Konsens in der Wissenschaft (Gehirnforschung, Neuromarketing, etc.), dass haptische Medien wie Print, in vielen Marketing-Szenarien im Vergleich zu digitalen Werbungen teils deutlich mehr Wirkung erzielen. Warum? Aufgrund von multisensorischen Eigenschaften, die eine Domäne von Drucksachen sind. Print blieb trotz Digitalisierung im Marketing für viele Kampagnenformate deshalb auch die ultimative de-luxe-Disziplin.
Aus diesem Grund ist der Blick auf die Umweltgerechtigkeit von Print elementar, denn in der Werbung wollen und werden viele Werbungtreibende auf haptische Medien definitiv nicht verzichten. Das müssen sie auch nicht, denn Print kann sich auch in Bezug auf den ökologischen Fußabdruck sehen lassen. Gerade dann, wenn die weitreichenden Möglichkeiten im Umweltschutz bei der Nachhaltigen Medienproduktion genutzt werden.
Angesichts der dramatischen Klimakatastrophen und Dürren auch hierzulande, fragen sich Marketers folgerichtig zunehmend ehrgeizig, welche Inszenierungen in der Werbung, in welcher Kombination aus Materialien, Formaten, Channels und ggf. unter Einsatz digitaler Services ein optimales Gleichgewicht zwischen Werbewirkung und Nachhaltigkeit erzielen.
Insgesamt sind die Menschen seit der Corona-Krise stark sensibilisiert und verinnerlichen, dass ein Ereignis auf einem Wochenmarkt in China, Todesopfer in einer Provinz in Deutschland fordern kann. Die Globalisierung ist ein Faktum. Zudem wächst das Naturbewusstsein der Menschen zunehmend. Das bestätigt auch die aktuelle Naturbewusstseinsstudie 2019, herausgegeben vom BMU.
Effizienter Umweltschutz bei der Nachhaltigen Medienproduktion ist ein vielschichtiger Prozess und erfordert fundierte Expertise seitens der Druckereien. Die weitreichenden Prozesse bei der zertifizierten, nachhaltigen Medienproduktion sind alles andere als Mittel zum Zweck, etwa um eine werbewirksame Zertifizierung zu erhalten, sondern umgekehrt: sie dienen dem Zweck, die Prozesse im Umweltschutz fortlaufend zu optimieren.
Wie wichtig diese Professionalität ist, sollte selbst noch so klimakritischen Menschen mittlerweile bewusst sein.


Der Klimawandel fordert jährlich Hunderttausende Todesopfer – mehr als durch das neuartige Corona-Virus. Zweifel an der qualifizierten, nachhaltigen Medienproduktion sind angesichts dieser Tatsachen inakzeptabel – schon der nachfolgende, kurze Auszug der jüngsten Klimakatastrophen betont, dass die Zeit für Kompromisse und Ausreden abgelaufen ist und Umweltschutz bei der Medienproduktion längst schon keine Verhandlungssache mehr ist.
Beinahe jährlich werden in Deutschland, Österreich und Europa neue Temperaturrekorde erreicht. Durch die vergangenen Dürrejahre erleiden Wälder und Ackerflächen mittlerweile extremen Trockenstress, mit immer dramatischeren wirtschaftlichen Folgen. In Europa rangieren die Einbußen bei den Ernten schon jetzt bei zwischen 20 und 50 Prozent. Laut der Münchener Rückversicherung, Munich RE, steigen auch die gesamtwirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen weltweit deutlich.
Doch erst global betrachtet wird das ganze Ausmaß des Klimawandels schon an den Ereignissen von nur wenigen Wochen deutlich:


Die Erderwärmung folgt leider der schlimmsten aller Annahmen, dem absoluten Worst-Case-Szenario des Weltklimarats von vor 15 Jahren. Zweifel an der zertifizierten Nachhaltigkeit und ihren enormen Hebelwirkungen durch Synergieeffekte im prozessorientierten Umweltschutz, sind angesichts dieser schockierenden Nachrichten geradezu vorsätzlich egoistisch.


Drei Säulen der Nachhaltigkeit
Vier Säulen der Nachhaltigen Medienproduktion. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit 1) Ökologie, 2) Ökonomie und 3) Soziales sind international definiert und bekannt. Zur besseren Differenzierung zu den üblichen Basis-Umweltschutzmaßnahmen speziell für Print, hat eine Gruppe von nachhaltigen Druckereien aus der D/A/CH-Region eine vierte Dimension dargestellt.

  1. Die soziale Dimension steht für ein dezidiertes Mission Statement, als klar formulierte Agenda, mit Fokussierung auf bestimmte soziale Projekte, über einen langen Zeitraum hinweg. Zu dieser Wertekultur zählt auch der soziale Austausch mit Lieferanten und Kunden. Beraterkompetenz bedingt ständige Fortbildungen. So können Berater schon in der Entstehungsphase eines Druckwerkes Einfluss auf die Sensibilität ihrer Kunden bei der Nachhaltigkeit nehmen – denken wir an Materialien, Formate, die Optimierung der Rücklaufquoten durch digitale Services (Web-to-Print, Database-Publishing etc.), um Auflagen zu reduzieren und so weiter.
  2. Wichtige Basis-Umweltschutzmaßnahmen (Recyclingpapier, Ökostrom), die mit Blick auf die Nachhaltige Medienproduktion etwa ein Drittel auf das Umweltschutz-Konto einzahlen und ohne viel Aufwand umgesetzt werden können.
  3. Der prozessorientierte, systematische betriebliche Umweltschutz ist ein Bündel von strukturierten Maßnahmen in allen Bereichen der Unternehmen, die sich zudem durch Synergieeffekte potenzieren (Chemie, Makulatur, bauliche Maßnahmen, Verwaltung, Abfallkonzept, Wärmerückgewinnung uvm.). Diese entstehen per se durch die vierte Dimension, die
  4. Prozess-Orientierung: Umweltmanagement steht für Erfassung von Umweltdaten aus allen Abteilungen (Umwelt-Buchhaltung), regelmäßige Umweltbetriebsprüfungen (Audits) durch staatlich geprüfte Auditoren und die Pflicht zur Transparenz (Ökobilanzen). Es besteht ein fortlaufender Optimierungsprozess. Charakteristisch ist die Anerkennung nationaler, teils internationaler Normen (gemeinsame Spielregeln), wie EMAS oder der Blaue Engel DE-UZ 195. Ergebnis: Fairer Wettbewerb, Vertrauen und Sicherheit für Drucksacheneinkäufer durch Garantien bzw. durch Vergleichbarkeit.

Differenzierung mithilfe der vier Dimensionen. Die zweite bis vierte Dimension impliziert die ökonomische Dimension, die bei der gängigen Definition von Nachhaltigkeit eine der drei Säulen bildet. Stattdessen zielen die zweite bis vierte Dimension (grüne Bereiche) auf die verschiedenen Stufen im Umweltschutz ab und differenzieren den qualifizierten, prozessorientierten Umweltschutz vom Basis-Umweltschutz. Durch enorme Einsparungen (Papier, Makulatur, Verbrauchsmaterialien, Druckhilfsmittel) erzielen Unternehmen auch ökonomische Vorteile.

UmDEX-Klasse steht für prozessorientierten Umweltschutz. In Österreich und Deutschland haben sich besonders nachhaltige Druckereien auf einen gemeinsamen Standard im Umweltschutz geeinigt, auch als UmDEX-Klasse bezeichnet. Der Standard basiert auf den hochwertigsten Zertifizierungsprozessen in der EU, Deutschland und Österreich: EMAS (Eco-Management and Audit Scheme, auch bekannt als EU-Öko-Audit), das Österreichische Umweltabzeichen (UZ) und/oder der qualifizierte Blaue Engel DE-UZ 195 und/oder das Umweltmanagementsystem DIN EN ISO 14001.
Hochwertig zertifizierte Druckereien sind meistens schon seit vielen Jahren in einem ständigen Prozess der Optimierung beim betrieblichen Umweltschutz. Gerade dieses „Müssen“, die Transparenz und das Wesen eines unaufhörlichen, ständigen Verbesserungsprozesses, sind charakteristisch für die qualifizierte Nachhaltige Medienproduktion.


Jürgen Zietlow