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Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie!

Die Endzeitfantasien, die sich in mannigfacher Weise durch die jüngere Geschichte der Menschheit zogen, haben sich nie bewahrheitet. Zwar wurden Wälder in Wüsten verwandelt, Populationen auf allen Kontinenten ausgerottet und Lebensräume dauerhaft unbewohnbar gemacht, aber das schien den Lauf des menschlichen Daseins kaum merklich zu beeinflussen. Der Planet Erde war geduldig. Und diese Geduld verhinderte bis in die jüngste Zeit, dass sich Menschen über ihr zerstörerisches Tun Gedanken machen mussten.

Auch heute, nachdem die Welt die drei heißesten Jahre in Folge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt hat, bleiben wir gelassen, freuen uns über Sommer, die es so in Mitteleuropa in den letzten hundert Jahren nicht gegeben hat. Auch wenn die Pegelstände der Flüsse ständig zurückgehen, Seen allmählich verlanden und Dürrekatastrophen zunehmen, während Ernteerträge abnehmen – wir trotzen den Unkenrufen der Natur. Noch sind die Regale in den Supermärkten gut gefüllt, und gegen Sonnenbrand gibt es ja Mittel.
Dass Klimaforscher seit Jahrzehnten vor einer bald nicht mehr reversiblen Erderhitzung warnen, wird von vielen mit einem gewissen Unwillen zur Kenntnis genommen oder gleich in den Bereich von Endzeitfantastereien verwiesen. Und obwohl die wissenschaftlichen Vorhersagen immer häufiger und schneller von der Realität eingeholt werden, weigern wir uns, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, denn das würde bedeuten, auf viele gewohnte Lebensqualitäten zu verzichten.

Dabei wird schon vor unserer eigenen Haustür immer augenfälliger, was die Stunde geschlagen hat. In den kommenden fünf bis zehn Jahren werden über 80 Prozent aller Alpengletscher verschwunden sein, vorausgesetzt die Erderhitzung kann tatsächlich noch auf 1,5 Grad begrenzt werden. Wird sie das nicht, kann man in naher Zukunft Gletscher nur noch auf alten Fotografien bewundern. Noch im Jahr 2003 hatten die Gletscher der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg, eine Eisstärke von 15 Metern und bedeckten das gesamte Massiv. Siebzehn Jahre später ist das Eis der Zugspitzgletscher auf eine Stärke von gerade noch 1,5 Meter und ihre Fläche auf die Größe einiger Fußballfelder zusammengeschrumpft.

 

rangizzz-AdobeStock
Foto: rangizzz-AdobeStock

 

Nur ein Beispiel unter vielen, das verdeutlicht, dass die Zeiger der Uhr schon auf fünf Minuten nach zwölf stehen und viele Schäden faktisch nicht mehr aufzuhalten sind. Aber sollen wir das einfach hinnehmen und den Kopf in den Sand stecken, weil „ ja eh alles wurscht ist“?

Nein, denn genau das wäre die falscheste aller Schlussfolgerungen. Auch wenn die 17 Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wahrscheinlich in zehn Jahren noch nicht zufriedenstellend umgesetzt sein können, auch wenn ein klimaneutrales Europa bis zum Jahr 2050 möglicherweise eine schöne Illusion bleibt, selbst wenn die autokratischen Brandstifter Brasiliens, der USA und Chinas weiterhin ihre Länder zum dauerhaften Schaden des gesamten Globus verwüsten – all das sind keine Gründe, nichts zu tun.

Nachhaltigkeit und Klimaneutralität sind mehr als politische Statements. Sie müssen so oder so umgesetzt werden. Und sie werden es, denn egal, wie der Zustand unserer Erde in 20, 30 oder 50 Jahren sein wird – wir haben nur diese eine. Und selbst wenn heute viele Anstrengungen, sie lebenswert zu erhalten, scheitern oder oft nicht vom sofortigen großen Erfolg gekrönt sind, die Allianz der Guten besteht und wächst trotz vieler Niederlagen stetig an. Denn es gibt sie: Die Einzelnen, die vielen, die Unternehmen, die Kommunen, die Länder, die begriffen haben, dass das Große zuerst im Kleinen reift, dass Maßnahmen für qualifizierten nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz nicht zur Debatte über Sinn oder Unsinn stehen, sondern dass sie hier und heute ergriffen werden müssen.

Auf den folgenden Seiten dieser Ausgabe werden Möglichkeiten und Grundlagen unternehmerischer Klimaschutzinitiativen und nachhaltiger betrieblicher Umweltschutzleistungen gezeigt, zu denen sich Unternehmen der grafischen Industrie aus der DACH-Region bekennen und die sie seit Jahren und Jahrzehnten erfolgreich umsetzen. Diese Unternehmen sind Überzeugungstäter im besten Sinne, denn sie leben die Ethik des sozialen Gemeinwohls und der zukunftsorientierten Nachhaltigkeit. Sie denken in globalen Dimensionen über das eigene Dasein hinaus, und darum handeln sie hier und heute lokal. Für diese Unternehmen sind Erfolg und Scheitern keine Frage des Für und Widers ihres Tuns, sondern lediglich zwei Seiten derselben Medaille.

Mag sein, dass wir alle damit keine Chance haben, aber gerade deshalb sollten wir sie nutzen.


Guido Rochus Schmidt