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Fakten gegen Verunsicherung

Falschinformationen im Internet verursachen große Verunsicherung im wirklichen Leben – die APA setzt auf ein Team mit spezialisiertem Know-how, um faktenorientierten Journalismus weiter zu stärken.

Im Internet prallen die unterschiedlichsten Meinungen aufeinander. Im Kampf um Deutungshoheit können Menschen aufgrund geäußerter Ansichten einen Schwall von Hass oder massive Bestätigung erfahren. Doch während wir uns noch auf diese Dynamiken, Gefahren und auch Potenziale einstellen müssen, zieht im Hintergrund bereits etwas Bedrohlicheres auf.


Es zeichnet sich ab, dass der Streit um Meinungen bald von einem Streit um Wirklichkeit überschattet werden könnte. Charles Seife, Journalist und Professor an der Universität New York, beschreibt ein Szenario, in dem wir nicht mehr darüber diskutieren werden, ob man eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen sollte, sondern darüber, ob eine Mauer gebaut wurde oder nicht.
Durch Deep Fakes und Videomanipulationen bröckelt eine Bastion der Authentizität. Auch wenn Manipulationen seit Jahrzehnten möglich sind, gelten Videos oft als Wahrheitsbeweis. Das wird sich ändern, wenn in Zukunft jeder Mensch mit einer simplen App Fakes erstellen kann. Möglicherweise hätte das Ibiza-Video bei einer späteren Veröffentlichung weniger Durchschlagskraft besessen, weil man es einfacher als Fake in Zweifel ziehen hätte können.


Vor allem durch die Covid-19-Pandemie hat sich das Aufkommen von Falschinformationen spürbar erhöht. Verunsicherte Menschen suchen Antworten, die ihnen weder Politik noch Wissenschaft liefern können. Diese kognitive Lücke versuchen Erstellerinnen und Ersteller von Desinformationen zu besetzen.


Es ist nicht nur die Masse an Fakes, die uns zunehmend Sorge bereiten wird, es ist auch die Qualität. Fakes werden immer schwieriger zu überführen und erfordern mehr technisches und praktisches Know-how, etwa im Umgang mit digitalen Tools. Medien sind daher gut beraten, sich zu rüsten. Online-Content ist für Journalistinnen und Journalisten zu einer wichtigen Quelle geworden, und digitale Quellenkompetenz ist dadurch relevanter denn je.


Viele Fakes lassen sich innerhalb von Minuten überführen. Eine Bild-rückwärtssuche kann belegen, dass ein Foto nicht aktuell ist. Spezielle Zeichenkombinationen, sogenannte Suchoperatoren, helfen bei der Verwendung von Suchmaschinen, Informationen zu finden, die der Algorithmus sonst versteckt hätte.


Weiters gibt es praktische Möglichkeiten, die Autorschaft eines Postings zu überprüfen. Selbst ein Pseudonym stellt kein Hindernis dar, wenn die Person für ein zweites Profil mit Klarnamen dasselbe Profilbild verwendet. Über Analysetools von Twitter-Postings kann darüber hinaus der Schlafrhythmus und Aufenthaltsort des Autors oder der Autorin überprüft werden.


Verifizieren bzw. Fact Checking braucht keine kostenpflichtigen Tools oder außergewöhnlichen technischen Kenntnisse. Aber es braucht Spezialisierungen und Zeit, die es im Alltag von Journalistinnen und Journalisten oft nicht gibt.


Aus diesem Grund hat die APA – Austria Presse Agentur eine Faktencheck-Abteilung ins Leben gerufen. Dort arbeitet ein Team mit speziellen Kenntnissen, das auch hartnäckige Manipulationen und Behauptungen überprüfen kann. Der jeweilige Verifikationsvorgang wird als APA-Faktencheck im APA-OnlineManager (AOM) sowie auf einer eigenen Website veröffentlicht.
Für Medienhäuser bietet das Implementieren einer Faktencheck-Abteilung neue Chancen. In einem Umfeld der kollektiven Verunsicherung durch Desinformation kann durch faktenbasierte journalistische Arbeit das Vertrauen in Medien gestärkt werden.

APA – Austria Presse Agentur
florian.schmidt@apa.at
www.apa.at