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Drei Pulitzer-Preise an die „New York Times“

Für ihre Berichterstattung über Russlands Einmischung in verschiedenen Ländern erhält die „New York Times“ den renommierten Pulitzer-Preis. Die US-Zeitung habe über „eine Reihe packender Geschichten mit großem Risiko“ berichtet und damit das aggressive Vorgehen von Russlands Präsident Wladimir Putin enthüllt, erklärte die Jury ihre Entscheidung in New York.

Der Zeitung selbst zufolge geht es bei ihren Recherchen unter anderem um Mordanschläge und Einmischung bei Wahlen in den Jahren nach den Desinformations-Kampagnen zur US-Präsidentschaftswahl 2016. Noch zwei weitere Preise gingen an die „New York Times“: In der Kategorie „Kommentar“ gewann Nikole Hannah-Jones für einen „persönlichen Essay zum bahnbrechenden Projekt 1619“ zur Versklavung der ersten Afrikaner in Amerika. Von derselben Zeitung erhielt Brian Rosenthal den Preis für die beste Investigativ-Recherche. Der Reporter hatte über die Ausbeutung von Taxifahrern in der Ostküstenmetropole New York City geschrieben.

Der Preis in der Kategorie für den Dienst an der Öffentlichkeit gewann die Lokalzeitung „Anchorage Daily News“ zusammen mit der Recherche-Plattform „ProPublica“. Ihre Geschichten enthüllten, dass ein Drittel der Dörfer in Alaska keinen Polizeischutz haben. Die Serie hätte die Behörden zum Handeln gezwungen und eine bessere Finanzierung der Sicherheitskräfte zur Folge gehabt, erklärte das Komitee.

Die „Washington Post“ wurde für die „wissenschaftliche Klarheit“ ihrer Artikel über die schweren Auswirkungen extremer Temperaturen auf der Erde ausgezeichnet. Die „Seattle Times“ wurde für ihre Berichterstattung über die Sicherheitsprobleme der Boeing 737 MAX geehrt, für die seit zwei Abstürzen ein weltweites Flugverbot gilt.

Auch das Schicksal eines Insassen im US-Gefangenenlager Guantanamo bewegte die Jury des wohl begehrtesten Journalismus-Preises der Welt: Ben Taub vom Magazin „New Yorker“ gewann mit seinem Feature „Guantanamos Dunkelstes Geheimnis“, das eine Mischung aus Berichterstattung von vor Ort und lyrischer Prosa enthalte. Darin geht es um einen Mann, der entführt, gefoltert und in dem Lager für mehr als ein Jahrzehnt seiner Freiheit beraubt wurde. Die Geschichte biete eine „nuancierte Perspektive auf Amerikas facettenreichen Krieg gegen den Terror“, hieß es.

Die Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press gewannen für ihre Foto-Berichterstattungen von den Protesten in Hongkong und der Krise in der umstrittenen Region Kaschmir. Für die AP wurden dabei die Journalisten Channi Anand, Mukhtar Khan and Dar Yasin namentlich genannt.

Die Gewinner der Pulitzer-Preise wurden zum 104. Mal bekanntgegeben. Aufgrund der Coronakrise war die eigentlich für den 20. April geplante Veranstaltung zuvor um zwei Wochen verschoben worden. Die Frist zum Einreichen der Wettbewerbsbeiträge hatte am 25. Jänner geendet, weshalb die Berichterstattung über die Corona-Pandemie in der Vergabe der Preise nicht mehr berücksichtigt wurde.

14 der 21 Kategorien der Pulitzer-Preise sind journalistischen Arbeiten US-amerikanischer Journalisten oder Medien vorbehalten, von investigativen Geschichten über Fotos bis zu Karikaturen. Die Auszeichnung wird aber auch für Literatur sowie für Musik und Theater vergeben. So ging der Drama-Preis an „A Strange Loop“ von Michael R. Jackson, die Auszeichnung für den besten Roman an „The Nickel Boys“ von Colson Whitehead. Beste Biografie wurde „Sontag: Her Life and Work“ von Benjamin Moser.

Die Preisträger bestimmt eine Jury, die an der New Yorker Columbia-Universität angesiedelt ist. Diesmal verzichtete man auf eine Zeremonie. Die Vorsitzende der Jury, Dana Canedy, gab die Gewinner per Livestream auf der Plattform YouTube bekannt.

(S E R V I C E – )