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„Europäische Rundschau“ stellt nach 47 Jahren Erscheinen ein

Die in Wien erscheinende Vierteljahresschrift „Europäische Rundschau“ stellt mit ihrer aktuellen Ausgabe 2/2020 nach 47 Jahren ihres Bestehens ihr Erscheinen ein. Das teilte Chefredakteur Paul Lendvai der APA mit. Verwiesen wurde auf massive Probleme bei der Finanzierung der renommierten Zeitschrift, die letztlich eine Einstellung notwendig machten.

„Die ‚Europäische Rundschau‘ hat es fast 50 Jahre lang gegeben, aber sie hört auf zu existieren, weil heute das Geld von Regierung und Wirtschaft in andere Richtungen fließt“, so der Kommentar dazu von Ex-Bundespräsident Heinz Fischer, Vorsitzender des Kuratoriums der Zeitschrift, in einem Abschiedsbeitrag der letzten Ausgabe.

Lendvai, aus Ungarn stammender ORF-Journalist, Publizist und Osteuropaexperte, hatte die Publikation 1973 auf Anregung des Historikers und Russlandexperten Richard Pipes gegründet. Sie sollte eine in einem neutralen Land ansässige, parteiunabhängige, international bedeutsame Stimme der politischen Analyse inmitten des Kalten Krieges sein. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Blatt von zahlreichen führenden Politikern Österreichs unterstützt, etwa von Bundeskanzlern wie Bruno Kreisky (SPÖ) oder Wolfgang Schüssel (ÖVP). Gleichzeitig, so betont Lendvai in seinem Nachruf auf die „Europäische Rundschau“, war das Blatt „stets eine freie und nicht ‚offizielle‘ Publikation“, in der auch mal die Handlungsweise von Politikern, die Mitglieder des Kuratoriums waren, „schonungslos kritisiert“ werden konnte.

Fischer würdigte die Zeitschrift zum Abschied mit folgenden Worten: „Die ‚Europäische Rundschau‘ war ein wacher und verlässlicher Beobachter der Entwicklung der internationalen Beziehungen, mit besonderen Schwerpunkten in Österreich, in Osteuropa, in der EU und im transatlantischen Dialog. Die Liste der Autorinnen und Autoren ist ein Who is Who aus dem Bereich der zeitgenössischen Publizistik, der politischen und diplomatischen Entscheidungsträger, von Intellektuellen und Wissenschaftlern. Mit minimalen Mitteln wurde maximale Wirkung erzielt.“