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„Futurezone“ erhält zum zehnjährigen Jubiläum Relaunch

Das Tech-Portal „futurezone.at“ feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen im „Kurier“-Medienhaus. Zum Jubiläum verpasst sich die Plattform einen neuen Look, kündigte Chefredakteurin Claudia Zettel im Interview mit der APA an. Der umfassende Relaunch soll noch heuer über die Bühne gehen. Zettel setzt außerdem auf eine neue Videostrategie und will über TikTok, YouTube und Instagram junges Publikum an die „Futurezone“ binden.

Die Online-Plattform, die der ORF vor zehn Jahren wegen neuer gesetzlicher Regelungen abschalten musste und deshalb verkaufte, läuft seit 1. Oktober 2010 unter der Ägide des „Kurier“. Seither ist Zettel für das Portal tätig, 2016 wurde sie zur Chefredakteurin ernannt.

Heute ist die Plattform deutlich breiter aufgestellt, als sie es nach der Übernahme vom ORF war, sagte Zettel. „Der Fokus lag stark auf Netzpolitik, das war immer schon die Stärke der ‚Futurezone‘, auch beim ORF. Das ist weiterhin eines unserer großen Kernthemen. Aber in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Tech-Welt verändert und wir haben uns mitverändert.“ Internet und Technologie spielten mittlerweile schließlich in sämtlichen Lebensbereichen eine Rolle – sei es Gesundheit oder Mobilität, so Zettel. „Entsprechend hat sich auch unser Themenfeld erweitert.“

Auch in Bezug auf die Reichweite sei die „Futurezone“ „extrem gewachsen“. Während das Portal vor zehn Jahren mit „einer kleinen Nerd-Community“ von „ein paar Hunderttausend Usern im Monat“ gestartet sei, erreiche es heute zwischen zwei- und zweieinhalb Millionen Clients. Coronabedingt habe es vor allem im Frühling Reichweitenrekorde von mehr als drei Millionen Unique Clients gegeben, aber auch davor sei das Medium „kontinuierlich gewachsen“.

„In den vergangenen zwei Jahren haben wir den Sciencebereich stark ausgebaut. Es hat sich schon vor der Coronakrise abgezeichnet, dass das gut funktioniert und dass wir dadurch eine große Leserschaft dazugewinnen“, sagte Zettel. Die Pandemie habe das Interesse an Wissenschaftsthemen in der Bevölkerung zusätzlich verstärkt.

Die Krise habe außerdem zu der „absurden Situation“ geführt, „dass wir uns über extreme Reichweiten freuen konnten, das aber nicht eins zu eins in Geld verwandeln konnten“, sagte Zettel. „Es wird nicht das beste Geschäftsjahr aller Zeiten werden, aber ich sehe auch keine extremen Einbrüche.“ Die Werbeumsätze hätten sich nach ein paar Monaten stabilisiert.

Kritik übt Zettel daran, dass digitale Medien im Rahmen der Corona-Sonderförderung kaum berücksichtigt wurden. „Ich habe mich sehr geärgert, dass Online in der ersten Welle der Medienförderung de facto nicht einmal erwähnt wurde. Das war auch insofern bemerkenswert, weil ich von den meisten Parteien immer vernommen habe, Digitalisierung sei so wichtig.“ Auch dass der Boulevard unverhältnismäßig bevorzugt werde, kritisierte sie. „Es braucht dringend eine Reform der Medienförderung.“

Derzeit arbeitet das Team der „Futurezone“ an einer Videostrategie. Vor kurzem wurde auf YouTube das Format „fuzo explains“ gestartet. Wöchentlich werden in kurzen Videos, die sich an jüngere Zielgruppen richten, Tech- und Digitalthemen erklärt. Im Rahmen des Relaunchs erhält der Videokanal einen prominten Platz, auch Logo und Seitenauftritt der Webseite werden runderneuert. „Die Futurezone wird nach dem Relaunch optisch ganz anders ausschauen“, so Zettel.

Ursprünglich hätte die Vergabe des „Futurezone Awards“ zum Anlass genommen werden sollen, um das Zehn-Jahres-Jubiläum zu feiern. Doch die Verleihung wurde wegen der Coronakrise vorerst in den Jänner verschoben. Der Relaunch soll aber noch vor Jahresende umgesetzt werden.

Der neue Look könnte auch zu einer deutlicheren Abgrenzung vom deutschen Ableger beitragen. Die deutsche Funke-Gruppe, Mitgesellschafter des „Kurier“, gründete 2017 die Plattform „futurezone.de“. Das Portal, das für seinen Clickbait-Journalismus kritisiert wurde, sei immer wieder mit der österreichischen Seite verwechselt oder gleichgesetzt worden. „Wir haben dann entschieden, in friedlicher Koexistenz redaktionell getrennte Wege zu gehen“, sagte Zettel. „Die Betreiber der deutschen Plattform haben sich für einen anderen Weg entschieden, das ist nicht unser Weg.“

Eines ihrer Anliegen ist nach wie vor, mehr Frauen als Publikum zu gewinnen. „Die Tech-Welt ist immer noch sehr männlich dominiert.“ Seit sie als Chefredakteurin tätig ist, sei es ihr gelungen, auch in der Redaktion den Frauenanteil zu erhöhen, so dass nun gleich wie viele Frauen wie Männer im Team sind. In Zukunft will Zettel die Plattform außerdem stärker auf Instagram, YouTube und TikTok verankern. „Wir wollen natürlich weiter wachsen. Mir ist es ganz wichtig, dass wir die jüngeren Generationen weiterhin abholen.“ Definitiv nicht geplant sei eine Paywall, wie es sie beim „Kurier“ bereits seit längerem gibt. „Das sehen wir bei unseren Zielgruppen nicht als sinnvoll an“, sagte Zettel.