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ORF-Stiftungsrat informierte sich über TV-Reformpläne

Der Stiftungsrat des ORF hat sich am Donnerstag die Reformpläne für ORF eins und ORF 2 darlegen lassen. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz stellte dem Gremium überdies einen positiven Abschluss des Geschäftsjahres 2018 in Aussicht. Für Diskussionen am Rande der Sitzung sorgte die Zukunft von ORF eins.

Vor allem die SPÖ-Vertreter artikulierten eine gewisse Unzufriedenheit. Zwar präsentierte Wrabetz laut ORF-Aussendung „eine neue Gesamtstrategie, die u. a. einen Ausbau der Eigenproduktion im Vorabend, den schrittweisen Ausbau von Österreich-Content im Hauptabend sowie eine Verbreiterung der Programmgenres vorsieht“. Aber Heinz Lederer, Leiter des roten „Freundeskreises“, geht das alles ein wenig zu langsam, schilderte er im Gespräch mit Journalisten sein Fazit nach dem Programmausschuss am Mittwoch, wo Channel-Managerin Lisa Totzauer ihre Pläne erläutert hatte.

Totzauer gehe „sehr ambitioniert, couragiert“ vor, lobte Lederer, aber: „Mir fehlt die zeitliche Umsetzungsebene. Ich sehe gute Ansätze, aber die Zeitachse ist zu lang.“ ORF eins müsse 2019 neu aufgestellt werden, das sei „zentral“. Totzauer möge sich nach „Quick Wins“ umschauen. Norbert Kettner, als Wiener Landesvertreter ebenfalls roter Stiftungsrat, ergänzte: Er wünsche sich eine „konsolidierte Position des Managements“ für die ORF eins-Roadmap.

Wrabetz nannte als neue Pläne für 2019 „Nachrichten und ein Info-Magazin im Vorabend“ auf ORF eins, und zwar „zwischen 18.00 und 19.00 Uhr“, außerdem ein „Wissenschaftsmagazin“. Was ORF 2 betrifft, „soll die Vorabend-Zone optimiert werden“, außerdem verwies er auf die geplante „ZiB 2“ am Sonntag. Ebenfalls in Planung sind werktägliche Regional-Ausstiege zu den Landesstudios um 21.50 Uhr (Arbeitstitel: „10 vor 10“). Auch hier gibt es aber in den roten Reihen Bedenken: Zum einen würden gut funktionierende Formate wie der „Report“ kürzer, zum anderen bangt Lederer um den sogenannten Audience Flow zur „Zeit im Bild 2“.

Wrabetz erklärte nach der Sitzung gegenüber Journalisten, dass es für dieses Format mittlerweile sieben Piloten gibt, die nun in „die professionelle Abtestung“ durch die Marktforschung gingen. Zudem werde man mögliche Auswirkungen auf die flankierenden Sendungen analysieren. Die Arbeit sowohl an ORF eins als auch ORF 2 sei „work in progress“. Im Oktober sollen Programmschemata und Budget vorliegen, wobei es auch Überschneidungen der Channel-Positionierungen zu vermeiden gelte.

Als wesentlich bezeichnete Wrabetz den Beschluss der Budgetplanung in Sachen Standort Küniglberg. „Jetzt haben wir das Gesamtbudget von 303,7 Millionen Euro genau hinterlegt“, auch die Projektstruktur stehe. Wrabetz zeigte sich zuversichtlich, dass „damit auch einige Punkte, die der Rechnungshof erwartbar anmerken wird, gelöst“ seien. Der Rechnungshof prüft das Umbau-Projekt derzeit, der Rohbericht könnte in naher Zukunft vorliegen.

Vor seiner nächsten regulären Sitzung im Dezember trifft sich er der Stiftungsrat noch einmal: nämlich zu einer Klausur zum Thema „Digitalisierung“ am 15. November. Dies kündigten die Freundeskreis-Leiter von ÖVP, FPÖ und SPÖ in einem gemeinsamen Statement an, was den bürgerlichen Vertreter Thomas Zach stolz von einer „Premiere“ sprechen ließ. Den ORF fit für den Medienwandel zu machen, habe höchste „Dringlichkeit“, sagte er. Franz Maurer für die FPÖ sah als Ziel, das ORF-Management dabei „zu unterstützen, dass der ORF Leitmedium bleibt“, und Lederer bezeichnete 2019 auch in dieser Hinsicht als „eins der schwierigsten Jahre“.