fbpx

Unabhängige Nachrichtenagenturen wollen stärker kooperieren

Europas unabhängige Nachrichtenagenturen wollen künftig noch stärker zusammenarbeiten. „Eine Vernetzung und Bündelung auf der Digital- und Technologie-Ebene ist unausweichlich“, sagte APA-Geschäftsführer Clemens Pig anlässlich der Generalversammlung der Gruppe 39 in Wien. „Wir wollen Lösungen und Angebote finden, die den Medien- und Kommunikationsmarkt in den jeweiligen Mitgliedsländern stärken.“

Die Gruppe 39 wurde 1939 von den nordischen, der Schweizer und den Benelux-Agenturen gegründet, um in nationalistischen und kriegerischen Zeiten einen unabhängigen Gegenpol zu den zunehmend propagandistisch agierenden internationalen Agenturen zu bilden. Die APA gehört der Vereinigung seit 1956 an. APA-Geschäftsführer Pig hält derzeit die Präsidentschaft der Gruppe, die am Donnerstag und Freitag in Wien ihre Generalversammlung abhielt und ihr 80-jähriges Bestehen feierte. Dabei wurden auch zwei neue Mitglieder in die Gruppe aufgenommen: die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und die britische PA-Media (PA).

Gemeinsam werde man das Wertemodell des unabhängigen Agenturjournalismus forcieren und in die Zukunft bringen, erklärte Pig im APA-Interview. Ökonomisch stehen Nachrichtenagenturen vor großen Herausforderungen: Einerseits werden Digitalisierung und technologischer Fortschritt vor allem von der finanziellen Übermacht der Silicon-Valley-Unternehmen dominiert, andererseits bieten staatliche Nachrichtenagenturen wie etwa die chinesische Xinhua – analog zu den Milliardeninvestitionen Chinas – in Regionen wie Lateinamerika englische und spanische Angebote zu marktverzerrenden Preisen an.

Pig: „Wir stellen eine Professionalisierung der PR- und Informationsarbeit von autokratischen Ländern fest, die mittlerweile ganze Märkte mit regierungsfinanzierten, regierungsgesteuerten oder zensurierten Inhalten überschwemmen. Diese Professionalisierung der politischen PR findet auch ihre Bühne im Bereich der staatlichen Nachrichtenagenturen.“ In westlichen Demokratien sei unterdessen eine „klare Tendenz des Bypassing“ spürbar. „Parteien und politische Organisationen wollen neben Medienpräsenz insbesondere in die Direktkommunikation.“ Unabhängige Medien würden zugleich als Lieferanten von Fake-News denunziert.

„In dieser sekundenschnellen Digitalwelt und Flut an verzerrten Meinungen, Gerüchten und tatsächlichen Fake-News kommt unabhängigen Nachrichtenagenturen eine besondere Schlüsselrolle zu“, findet Pig. Es gehe um „Trusted Content“, glaubwürdige und zuverlässige Inhalte. „Verifizierte, faktenbasierte und verlässliche Nachrichten tragen zur Kühlung in einem völlig überhitzten Meinungsmarkt bei. Und alles, was verlässlich ist, ist vertrauensbildend. Unabhängige Nachrichtenagenturen stärken ein pluralistisches Mediensystem und den Grad an Pressefreiheit und Informationsvielfalt.“

Die Mitglieder der Gruppe 39 wollen deshalb das Wertesystem der unabhängigen Nachrichtenagenturen stärker nach außen kommunizieren. Diskutiert wird etwa über ein gemeinsames „Gütesiegel für redaktionelle Inhalte“. Zugleich wollen sich die zehn Partneragenturen im Bereich Innovation und Technologie gegenseitig stärken und Initiativen setzen, von denen dann alle unabhängigen Nachrichtenagenturen profitieren könnten. So gibt es etwa laut Pig die Idee eines Clusters für Artificial Intelligence oder eines gemeinsamen Entwickler- und Programmierteams für Prototypen.

Nachrichtenagenturen hält der APA-Geschäftsführer für ein „über hundert Jahre altes Faszinosum“ und eine „stabile Mediengattung“. Unabhängigen Qualitätsjournalismus sieht Pig infolge der Ibiza-Affäre deutlich erstarkt. „Die Medien haben objektiv, schnell und transparent informiert. Es hat sich gezeigt, dass die Dinge an die Oberfläche kommen. Es war wie ein Kontrastmittel zu sehen, welche Bedeutung unabhängiger Journalismus in der Bevölkerung genießt: die viel zitierte Vierte Säule im besten Sinne“.