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Zahlreiche Fake News zum Coronavirus weiterhin in Umlauf

Trotz zahlreicher Faktenchecks auf diversen Kanälen werden Falschmeldungen und besonders Verschwörungstheorien weiterhin in vielen Postings oder Privatnachrichten geteilt. Die Journalistin und Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig gibt diesmal im APA-Gespräch Tipps, wie man auch als Privatperson etwas gegen die Verbreitung von Fake News unternehmen kann.

Brodnig, die Falschmeldungen rund um die Coronakrise unter der E-Mail-Adresse coronavirus@brodnig.org sammelt, ist überzeugt: Menschen sind für Desinformation wohl auch deshalb empfänglich, „weil es sich gut anfühlt, diese für wahr zu behalten“, wie sie gegenüber der APA erläutert. Solche Meldungen würden oft bestehende Vorurteile bestätigen oder einen trügerischen Eindruck von Gewissheit geben, dass es eine simple Erklärung für angsteinflößende Vorfälle wie die Coronakrise gebe. Gerade das mache es auch so schwer, argumentativ durchzukommen: „Weil oft die nüchternen Fakten nicht so gut ins Konzept passen wie spekulative oder nachweisbar falsche Behauptungen“, glaubt Brodnig.

Um gegenzusteuern, müsse man es laut Brodnig schaffen, jene Menschen zu erreichen, „die noch nicht komplett von einer Theorie überzeugt sind, sondern vor allem verunsichert“. Diese könne man „noch eher“ mit Fakten erreichen. Hier spielten sowohl etablierte Medien als auch jeder Bürger selbst eine Rolle: „Es ist gut, wenn möglichst viele unterschiedliche Medien Faktenchecks und Aufklärung liefern. Gerade wenn eine Quelle, der jemand sonst auch vertraut, einen Faktencheck anbietet, steigt die Chance, dass die jeweilige Person sich den Faktencheck zu Herzen nimmt“, ist Brodnig überzeugt. Es sei aber auch sinnvoll, in der Familie und im Freundeskreis „verständnisvoll zu sein, aber auch argumentativ dagegen zu halten“.

Dafür gebe es verschieden Strategien: So könne man etwa direkt auf Fakten verweisen, die eindeutig das Gesagte widerlegen, rät die Journalistin. Ein anderer Zugang sei, Unstimmigkeiten in der Logik einer Verschwörungstheorie aufzuzeigen: So gebe es zum Beispiel die These, dass die Handystrahlung von 5G angeblich COVID-19 auslösen würde. „Nicht logisch an dieser Behauptung ist, dass auch Menschen in Regionen erkranken, wo es gar kein 5G gibt“, nennt Brodnig eine mögliche Argumentation. Auch sei es sinnvoll, die jeweilige Quelle der Behauptung zu hinterfragen: „Ist das wirklich ein seriöser Experte – oder jemand, der seit Jahren gewagte Thesen verbreitet und schon mehrfach falsch lag?“

Wichtig sei aber, keine zu hohen Erwartungen zu haben, dass man – bloß weil man gute Argumente zusammengetragen hat – die andere Person auch erreicht. „Es gibt viele psychologische Schutzmechanismen und rhetorische Ausflüchte, mit denen sich Menschen gegen gute Argumente immunisieren können“, so Brodnig. In manchen Fällen sei es bereits ein Erfolg,“wenn die Person ein bisschen ins Grübeln kommt – wenn sie beginnt, zu zweifeln“.